Festvortrag von Horst Frese über die wechselhafte Geschichte der Freigrafschaft Düdinghausen

Streit der Konfessionen überwunden

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Horst Frese an dem vor zwei Wochen übergebenen Freistuhl, der an das Düdinghäuser Freigericht erinnern soll.

Medebach-Düdinghausen - Geschichte buchstäblich „begreifbar“ machen - das haben sich die Düdinghäuser um Horst Frese vorgenommen.

Geschichte zu erforschen, ist die eine Sache. Aber sie muss auch lebendig vermittelt werden. Wie das geht, erlebten die Mitglieder des Waldeckischen Geschichtsvereins am Sonntag bei ihrer Jahrestagung. Das Ziel jenseits der Landesgrenze war bewusst gewählt: Vor 350 Jahren wurde die Freigrafschaft Düdinghausen aufgeteilt, fünf der acht Dörfer gingen Waldeck verloren.

Bis heute finden sich im Dorf Zeugnisse aus der Zeit des Glaubensstreits, der 1663 zur Teilung geführt hat. Die Düdinghäuser haben dazu auf Initiative Horst Freses einen „historischen Dorfrundgang“ entworfen. Ihm folgte eine Gruppe der Geschichtsfreunde nach der katholischen Messe in der Kirche mit Pfarrer Dr. Achim Funder.

Die Johannes dem Täufer geweihte Kirche sei schon das dritte Gotteshaus des Dorfes, berichtete Antonie Finnemann, die sich in den 1990ern als Erste darangemacht hat, die bis dahin kaum bekannte Geschichte ihres Heimatdorfes und der Freigrafschaft aufzuarbeiten. Gleich neben dem neugotischen Bauwerk habe einst die romanische Kirche gestanden, die seit 1334 den Grafen von Waldeck gehörte und 1529 protestantisch geworden war. Die Katholiken antworteten mit der Gegenreformation - seitdem gab es konfessionellen Streit: zwei Kirchen, zwei Pfarrhöfe und bis 1759 eine zerstrittene Dorfgemeinschaft.

Berni Eickhoff führte durchs Dorf, gab auch auf Platt Erläuterungen und berichtete etwa über den Fahnenschmied und „Schafheiler“ Johann Henricus Schönhense (1787 bis 1863).

Eine zweite Gruppe fuhr mit dem Bus die westfälischen Dörfer ab, die einst zur Freigrafschaft gehört haben. Unterwegs gab Horst Frese Erläuterungen.

Mit französischem Charme führte seine Frau Karen Frese mit Marita Middeke eine dritte Gruppe durch die „Dräggestobe“, die der Heimatverein in der alten „Pastoren-Scheune“ eingerichtet hat. Sie erinnert an die Drechsler, die bis ins 20. Jahrhundert hinein ein Wirtschaftsfaktor des Dorfes waren.

„Toskana des Sauerlandes“

Nach dem Mittagessen in der Schützenhalle folgte der Festvortrag, siehe den Artikel unten. Für Kaffee und Kuchen sorgten die Landfrauen. Bürgermeister Thomas Grosche stellte die Hansestadt Medebach vor - „die Toskana des Sauerlandes“. Es sei wichtig, Geschichte zu vermitteln, denn sie stifte Identität und ein Heimatgefühl. Das wiederum könne junge Leute bewegen, ihren Lebensmittelpunkt in der Region zu behalten. So freue er sich, dass auch die junge Generation an der Ausstellung zur Freigrafschaft mitgewirkt habe, solche vom Ehrenamt getragenen Geschichtsprojekte könnten ein Weg sein, um die Zukunft der Region sicherzustellen.

Ortsvorsteher Ferdi Asmuth hob die vielen freundschaftlichen Bindungen an Waldeck hervor. Im Jubiläumsjahr seien neue hinzugekommen, die es zu bewahren und vertiefen gelte.

Die Anstrengungen der Düdinghäuser Gastgeber, gerade Asmuths und Freses, würdigte der Vorsitzende des Geschichtsvereins, Dr. Klaus Wendt, bei der Jahreshauptversammlung des Geschichtsvereins. Die im Mai gestartete Wanderausstellung „Alte Grenzen - die uns verbinden“ zur Teilung der Freigrafschaft sei „mit viel Engagement und Bürgersinn entstanden“.

In seinem Rückblick berichtete Dr. Wendt von einem „heftigen Geschäftsjahr“. Im Oktober wurde der 100. Band der Waldeckischen Geschichtsblätter bei einem Festakt in Bad Arolsen vorgestellt. Heinrich Paul aus Waldeck unterstützt das Team der Geschäftsstelle.

Neue Bücher: Dr. Birgit Kümmel und Dr. Bernhard Buchstab gehen im neunten „Historischen Heft“ aufs 300 Jahre Arolser Schloss ein, im zehnten Band widmet sich Prof. Dr. Gerhard Aumüller der „Musik am Waldeckischen Grafenhof“.

Vorschau: Am 6. Oktober stelle Heinrich Bodenhausen seine Hesperinghäuser Dorfchronik vor, das Ortssippenbuch fürs Rote Land folge, sagte Dr. Wendt.

Der Vorsitzende der Schriftleitung, Dr. Jürgen Römer, ging auf die 101. Ausgabe der Geschichtsblätter ein. Wegen seines Wegzugs ausgeschieden sei Dr. Arnd Friedrich. Positive Zahlen legte Schatzmeister Günter Schramme aus Twiste vor.

Treue Mitglieder geehrt

Seit 25 Jahren Mitglied sind Otto Banger aus Langenfeld, Cord Hermann Matern aus Bad Arolsen, Prof. Hans Schneider aus Marburg, Andreas Kreutz aus Duisburg, Klaus-Dieter Michel aus Berlin, der ehemalige Regierungspräsident Dr. Ernst Wilke aus Baunatal, Dr. Wolfgang Richter aus Lörrach, Dr. Siegfried Lotze aus Reinhardshagen und das Ehrenmitglied Alfred Rüscher aus Korbach. Dr. Wendt überreichte silberne Nadeln.

Mit Blick auf die Bekanntgabe der Wahlergebnisse drängte er zur Eile. Aber Zeit fürs traditionelle Finale blieb: So erklang im einst waldeckischen Düdinghausen das „Waldecker Lied“.

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