Hansestadt erlässt neue Satzung · Debatte um Fette und Öle im Kanalrohr

Strengere Auflagen bei Abwasser

+
Zentrale Kläranlage bei Thalitter: Im Sandfang (oben) wird Fett aus dem Abwasser getrennt.

Korbach - Die Stadt Korbach hat das Abwasserrecht für Privatleute und Unternehmen geändert. Gute Nachricht: Die Gebühren bleiben unverändert. Die Grenzwerte für Schadstoffe werden indes weiter verschärft.

Zum Jahresende hat das Parlament der Hansestadt fast bergeweise Vorschriften und Satzungen auf dem Tisch. Unterm Strich kommen dabei für die Korbacher oft höhere Belastungen heraus: Ob Gewerbesteuer, Grundsteuer oder Hundesteuer - im Zuge des „Haushaltssicherungskonzepts“ wird 2014 vieles teurer (wir berichteten). Die neue Satzung für Abwasserbeseitigung bringt derweil keine höheren Gebühren, weil die Beiträge weiterhin kostendeckend sind.

Gebühren unverändert

Die vom Parlament beschlossene Neufassung hat vor allem zwei Ziele: Bislang vier unterschiedliche Satzungen werden zu einer einzigen Vorschrift zusammengefasst. Die reicht von der Abwasserbeseitigung über die fälligen Gebühren bis zur Fäkalschlammbeseitigung. Überdies legt die Hansestadt künftig strengere Grenzwerte bei den meisten Schadstoffen an - ob Nitrat oder Schwermetalle.

Korbach übernimmt dabei im Wesentlichen Vorschläge nach dem Muster des Hessischen Städte- und Gemeindebundes. Mit großer Mehrheit stimmten die Stadtverordneten vorige Woche denn auch der neuen Satzung zu. Nur zwei Grünen-Abgeordnete enthielten sich.

Strittiger Punkt waren offenbar die neuen Grenzwerte für Öle und Fette im Abwasser. Während für Stickstoff, Blei, Cadmium, Chrom oder Kupfer im Abwasser deutlich striktere Vorgaben gelten, wird der Grenzwert für Mineralöl im Abwasser von bislang 15 auf 20 Milligramm pro Liter angehoben. Bei organischen Fetten steigt die zulässige Höchstmenge sogar von 50 auf 250 Milligramm pro Liter.

Fette und Öle

Gefahren bestehen dadurch aber nicht, wie ein Wasser- und Umweltexperte für die Stadt analysierte: Korbach übernimmt Werte, die in anderen Gemeinden bereits gelten. Somit passe die Stadt die Satzung eher der Realität an, wie Ronny­ Körner (Bauamt) im Bauausschuss des Parlaments erläuterte.

Demnach prallen beispielsweise gesetzliche Auflagen für die Gastronomie in der Praxis aufeinander. Die Hygienevorschriften verlangen mehr Einsatz von Reinigungsmitteln - die wiederum Fette verstärkt im Wasser lösen. Daher bleibt im technisch vorgeschriebenen Fettabscheider weniger hängen.

Alarm in der zentralen Kläranlage bei Thalitter ist aber nicht angesagt. „Wir haben nichts Außergewöhnliches im Fettfang“, sagen Klärwerksleiter Axel Butterweck und sein Stellvertreter Mario Angenendt mit Blick auf die vergangenen Jahre.

Die 2005 mit Millionensummen fertiggestellte moderne Kläranlage für Korbach und Vöhl filtert die Fette in einem Sandfang wirksam heraus. Mehr noch: Die Fettanteile, die sich an der Oberfläche im Becken sammeln, werden abgezogen und kommen in einen Faulturm. Das entstehende Faulgas dient später zur Energieerzeugung (Biogas).

Klärwerk sehr effizient

Dieser Kreislauf hat sich im Klärwerk als äußerst effizient erwiesen, wie eine Untersuchung im Sommer 2013

bestätigte. Durchschnittliche Kläranlagen verbrauchen rund 35 Kilowattstunden pro Einwohner und Jahr. Der moderne Betrieb im Ittertal liegt herkömmlich bei 27 Kilowattstunden - durch die eigene Energieerzeugung sogar bei nur 17 Kilowattstunden, erläutert Butterweck: „Wir sind Vorreiter.“

Das heißt im Umkehrschluss aber nicht, dass Öle und Fette im Abwasser erwünscht wären. Im Gegenteil: Selbst wenn die Stoffe durch Reinigungsmittel zunächst im Wasser gelöst sind, besteht die Gefahr, dass sich Fett in den Kanalrohren absetzt. Somit haben auch Küchenabfälle, Essensreste oder Fett aus der Fritteuse absolut nichts im Abwasser zu suchen, appelliert Butterweck.

Hintergrund

Was in Klärwerken ange-schwemmt kommt, ist oft unglaublich: Wattestäbchen, Damenbinden, Putzlappen bis zu Rasierklingen landen mit der Klospülung im Abwasser. Auch Essensreste, Öle und Fette haben dort nichts zu suchen. Das ist schlecht für die Umwelt – und verstopft die Rohre.(jk)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare