Korbacher Studentin Juliane Alexi berichtet aus England

Brexit: "Alle sind genervt von der Regierung"

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Afternoon Tea in Manchester: Juliane Alexi

Lancaster – Seit Monaten lebt und studiert Juliane Alexi aus Korbach im englischen Lancaster. Die Diskussionen rund um den Brexit bekommt sie hautnah mit und diskutiert auch selbst: mit Kommilitonen, Professoren, Freunden und Bekannten.

Die Studentin hat schnell festgestellt: „Vor allem die eher ärmeren Menschen wollen den Brexit. Sie sehen sich vom Staat betrogen.“

Einen Kritikpunkt an der EU höre sie immer wieder: die Flüchtlingssituation. „Viele wollen nicht, dass Flüchtlinge in Großbritannien aufgenommen werden, von den Vorteilen der EU wollen sie aber dennoch profitieren“, sagt die 22-Jährige.

Generell werde oft gesagt, dass Großbritannien zu wenig von der Europäischen Union bekomme. Allerdings: Frage man nach Details, stelle sich schnell heraus, dass sich viele doch nicht so sehr mit den Themen Brexit und EU beschäftigt haben. Juliane Alexi vermutet: „Viele übernehmen einfach die Meinung ihrer Eltern.“

In den Vorlesungen an der Uni in Lancaster sei deutlich zu spüren, dass die Professoren gegen den Austritt aus der Europäischen Union seien. Freunden ihrer Eltern, die in Windsor leben, seien das Brexit-Chaos und der Wunsch, die EU zu verlassen, sogar peinlich, sagt die Studentin. „Die Gebildeteren sind dafür, in der EU zu bleiben, sie sind teils beschämt und empört.“ Auch sie selbst ist sicher: „Die Briten begehen einen großen Fehler“ mit dem Verlassen der Union, allein schon mit Blick auf Probleme beim Handel.

Studieren in England wird teurer

Derzeit sei die Unsicherheit in der Bevölkerung groß, niemand wisse genau, was als Nächstes passiert und wie es weitergehe. Manche würden gar nichts mehr lesen wollen über die Verhandlungen in London und Brüssel, „alle sind genervt von der Regierung“. Wie es nach dem Brexit mit internationalen Studenten wie ihr weitergehe, sei nicht sicher. In jedem Fall werde es schwieriger und deutlich teurer, in Großbritannien zu studieren, sagt die Korbacherin. 

Sie selbst wird noch bis Ende April in Lancaster bleiben für das Studium „International Business und Management“. Mit dem Abschluss in der Tasche geht es für sie dann zurück nach Deutschland. Die Ausreise wird sicherlich einfacher als die Einreise ins Land. Schon jetzt werde sie am Flughafen sehr kritisch und mehrfach gefragt, was sie denn in England wolle und ob das wirklich ein Foto von ihr im Perso sei. 

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