Hemmighäuser „Bauernstübchen“ schließt nach elf erfolgreichen Jahren seine Pforten

Stück dörflicher Kultur geht zu Ende

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Inhaber Volker Preising und Wirtin Ute Hoffmann im „Bauernstübchen“, das die Pforten schließt. Fotos: Ulrike Schiefner

Willingen-Hemmighausen - Die Nachricht sprach sich in den letzten Tagen im Upland herum wie das sprichwörtliche Lauffeuer: Das Hemmighäuser „Bauernstübchen“ schließt seine Pforten. Es war die einzige Gaststätte in dem kleinen Diemeldorf.

Die Entscheidung stößt auf großes Bedauern, aber durchaus auch auf Verständnis. „Alles hat seine Zeit“, sagt Wirtin Ute Hoffmann. Sie ist die Lebensgefährtin von Inhaber Volker Preising, der die an sein Elternhaus angrenzende frühere Scheune 2002/03 im Rahmen der Dorferneuerung umbaute. Nach elf Jahren und einem Monat zieht die Wirtin nun einen Schlussstrich unter ein erfolgreiches Kapitel ihrer persönlichen und der dörflichen Geschichte.

Für die Gäste da

Ute Hoffmann freut sich jetzt auf den Vorruhestand und insbesondere auf die freien Wochenenden, an denen sie mit ihrem Volker in aller Ruhe gemeinsam frühstücken kann. Dazu hatte sie in den letzten Jahren keine Zeit. Denn von Donnerstag bis Sonntag war sie stets in erster Linie für die Gäste da: Kuchen backen, kleine deftige Brotzeiten mit Hausmacherwurst und Wildsülze anrichten, Spiegeleier backen für den „Strammen Max“, Bier zapfen, bedienen, einen Plausch halten mit den Besuchern, die sich im Lauf der Zeit vielfach zu Freunden entwickelt haben.

Das „Bauernstübchen“, das direkt am Uplandsteig liegt, war im weiten Umkreis bekannt. Volker Preising und Ute Hoffmann sind den vielen Stammgästen dankbar, die immer wieder gern gekommen sind. Sie haben es geduldig hingenommen, wenn sie sonntags mal in der „Warteschleife“ standen und noch einen Bummel durchs Dorf machen mussten, bis ein Platz frei wurde.

Erinnerungen werden wach

Mit der Schließung der gemütlichen Kneipe, deren Betrieb die ursprünglichen Erwartungen des Inhabers und seiner Lebensgefährtin deutlich übertroffen hat, geht ein Stück dörflicher Kultur zu Ende. Eine Verpachtung als Gaststätte kommt für Volker Preising und Ute Hoffmann nicht in Frage, schon allein aufgrund der engen Verbindung zu den Privaträumen.

Die Gedanken der Hemmighäuser gehen in diesen Tagen an manche gemütliche und fröhliche Stunde im „Bauernstübchen“ zurück. Und selbstverständlich kommt ihnen in diesem Zusammenhang auch noch einmal „Tante Adi“ in den Sinn - Adele Becker, die früher mitten im Ort eine Wirtschaft besaß. Dort trafen sich die Bürger nicht nur zum Schoppen, sondern im kleinen Krämerladen im Obergeschoss gab es alles, was fürs tägliche Leben gebraucht wurde. Tante Adi holte die Sachen, die dann in der Gaststube an den Mann oder an die Frau gebracht wurden, in der Schürze herunter. Sie starb 1990 im Alter von 76 Jahren.

Der spätere Inhaber des Hauses, Werner Höhle, erwarb ebenfalls eine gastronomische Lizenz und die Ehepaare Schaumburg, Wilke und Zahradnik betrieben etwa drei Jahre lang die Kneipe, die 1998 endgültig zumachte. Umso mehr freuten sich die Hemmighäuser, als das „Bauernstübchen“ als neuer Treffpunkt eröffnet wurde. Sie werden es vermissen.

Von Ulrike Schiefner

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