Städtisches Altenpflegeheim und Krankenhaus: Beschäftigte aus der Service-GmbH wieder direkt ins Haus

Stufenweise zurück in tariflichen Lohn

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Im „Haus am Nordwall“ übernimmt im März eine neue Betriebsleiterin die Regie. Wie im Krankenhaus sollen alle Beschäftigten künftig wieder nach Tarif bezahlt werden.

Korbach - Im Korbacher Altenpflegeheim übernimmt im März eine neue Chefin die Regie. Wie im Krankenhaus will die Stadt zudem Beschäftigte im „Haus am Nordwall“ schrittweise wieder ins Tarifsystem übernehmen.

Harter Wettbewerb und Kostendruck setzen den Krankenhäusern und Altenpflegeheimen gleichermaßen zu, insbesondere Betrieben in öffentlicher Hand. Die Hansestadt betreibt mit dem „Haus am Nordwall“ inzwischen das einzige verbliebene kommunale Altenpflegeheim im Landkreis.

Organisatorisch gehört das Altenpflegeheim dabei zur Klinik-GmbH des Korbacher Krankenhauses. Der Geschäftsführer der Klinik ist damit formal auch Chef im Altenpflegeheim.

Seit März 2013 steht Wolfgang Kluß an der Spitze der beiden Betriebe. Der frühere Betriebsleiter des Stadtkrankenhauses und derzeit ehrenamtliche Leiter des Stadtarchivs hatte die Geschäftsführung der Klinik kommissarisch wieder übernommen - nach dem Abschied von Heinz Gerdes.

Kooperation der Kliniken

Stadt und Landkreis wollen künftig eine gemeinsame Geschäftsführung für die Krankenhäuser in Korbach und Frankenberg installieren (wir berichteten). Hinzu kommt die Klinik im westfälischen Winterberg. „Wir sind auf einem guten Weg“, schildert Bürgermeister Klaus Friedrich. Winterberg habe einer gemeinsamen Geschäftsführung inzwischen ebenfalls zugestimmt. Auch die Verhandlungen mit Christian Jostes seien im Fluss. Jostes ist bereits Klinikchef in Winter-berg und Frankenberg.

Parallel zur künftig stärkeren Kooperation mit den beiden Krankenhäusern ist in Korbach ebenso das Vergütungssystem für die Mitarbeiter im Wandel. Unter dem Kostendruck hatte die Hessenklinik im November 2006 eine Service-GmbH gegründet - und über diese Firma die Mitarbeiter bei Neueinstellungen vielfach unterhalb des öffentlichen Tarifs (TVöD) beschäftigt. Damit sparte nicht nur die Klinik an Personalkosten, sondern seit 2008 auch das „Haus am Nordwall“ als Tochterfirma des Krankenhauses, denn das Altenpflegeheim schrieb zwischenzeitlich rote Zahlen, kehrte unter Leitung von Michael Ricken in den vergangenen Jahren aber wieder ins Plus zurück.

Chefwechsel im Altenheim

Ricken wechselte Ende Januar von Korbach nach Schmallenberg, wo er künftig Einrichtungen für Senioren leitet. Im März wird eine Nachfolgerin aus Kassel die Regie im „Haus am Nordwall“ übernehmen. „Wir sind stolz auf unser kommunales Altenpflegeheim“, betont Bürgermeister Klaus Friedrich. Im Vordergrund stünden Daseinsvorsorge für die Menschen, sozialer Auftrag - und keine Gewinnmaximierung. So konzentriere sich das „Haus am Nordwall“ nicht auf Schwerstpflegefälle mit hohen Abrechnungen, sondern „wir möchten auch vielen älteren Menschen, die noch sehr mobil sind“, ein gutes Umfeld im Herzen der Stadt bieten.

Finanziell wachsen die Bäume jedoch nicht in den Himmel, zumal Krankenhaus und Altenpflegeheim stetig investieren müssen. Die Klinik verbucht für 2013 abermals Gewinn - von weit über einer Million Euro. Im Altenpflegeheim hingegen sieht es finanziell enger aus.

Die von breiter politischer Mehrheit in Korbach getragene Rückkehr in den öffentlichen Tarif soll für die betroffenen Beschäftigten stufenweise erfolgen. Zielrichtung: Die Mitarbeiter, die zuerst in der Service-GmbH angestellt wurden, sollen auch als erste wieder in die Tarifvergütung kommen. Die gesamte Überleitung wird dann nach drei Jahren abgeschlossen sein. Den Auftakt machte das Krankenhaus zum 1. Januar 2014. Zum 1. April beginnt der Übergang beim Altenpflege-heim, erklärt Wolfgang Kluß.

Stellen und Kosten

Wegen knapperer Kassen verhandeln Stadt und Gewerkschaft Verdi indes für das Altenpflegeheim über einen hauseigenen Tarif. „Wir müssen uns der wirtschaftlichen Herausforderung stellen“, erklärt Rathauschef Friedrich. Wobei die Verhandlungen mit Verdi und Betriebsräten fair und sachlich verliefen, fügt Kluß an.

Die Personalkosten steigen ebenfalls stufenweise an: Beim Krankenhaus macht dies 500 000 Euro im ersten Jahr aus, 550 000 Euro im zweiten, schließlich 800 000 Euro im dritten Jahr. Beim Altenheim werden im ersten Jahr rund 100 000 Euro kalkuliert, knapp 150 000 Euro im zweiten und 220 000 Euro im dritten Jahr.

Die Beschäftigtenpläne zeigen aktuell im Korbacher Krankenhaus 242 Stellen im öffentlichen Tarif und 110 Stellen in der Service-GmbH. Im Altenheim werden 43 Stellen nach öffentlichem Tarif und 28 nach dem Zeitarbeitstarif der Service-GmbH bezahlt.

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