Bewährungsstrafe für Frau · „Finanziell desolate Situation“ als Tatmotiv

Tankbetrug mit falschen Schildern

Korbach - Die Vorbereitungen waren schnell erledigt: Die damals 28-jährige Frau tauschte die amtlichen Kennzeichen am Opel ihres Freundes gegen nicht mehr gültige Nummernschilder aus, die von einem Auto stammten, das früher mal auf sie zugelassen war. Dann fuhr die Frau tanken, ohne zu bezahlen. Anschließend brachte sie die zum Auto gehörenden Nummernschilder wieder an. Einen Führerschein besaß sie nicht.

Beim ersten Mal funktionierte diese Betrugsmasche an einer Zapfsäule in Usseln. Die Methode probierte das Pärchen dann noch fünf Mal gemeinsam aus, an einer Tankstelle in Korbach. Sie habe ihre Schulden auf diese Weise zurückzahlen wollen, gab die im Landkreis lebende Angeklagte gestern vor dem Korbacher Amtsgericht als Tatmotiv an. Deshalb sei sie „auf diese Idee gekommen“. „Umsonst“ getankt wurde zwischen Ende April und Ende Juni 2011 für insgesamt mehr als 450 Euro.

Verzicht auf Zeugenaussage

Weil der damals an fünf der sechs Taten beteiligte Mann bereits im Januar zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, verzichtete Strafrichter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling darauf, ihn als Zeugen zu hören. Inzwischen sind die beiden nicht mehr liiert. Dass sie sich zum Zeitpunkt der Taten in einer „finanziell desolaten Situation“ befanden, hatte die Staatsanwaltschaft bereits in der Anklage eingeräumt. Auf etwa 600 Euro bezifferte die Beschuldigte ihr aktuelles Monatseinkommen. Wieder einen Job in der Altenpflege zu bekommen, könne sie sich kaum vorstellen. Denn die Frau, die ohne Rechtsbeistand zur Hauptverhandlung erschienen war, ist in den vergangenen sieben Jahren häufig mit dem Gesetz in Konflikt geraten: Körperverletzung und Beleidigung, Diebstahl, Drogen und vor allem Fahren ohne Führerschein.

Den habe sie bis heute noch nicht, erklärte sie dem Richter. Denn die Kosten von etwa 2500 Euro für Fahrschule, MPU und Abstinenz-Nachweis könne sie nicht aufbringen. Sie habe jedoch gerade damit begonnen, in Fernunterricht das Abitur nachzuholen, um langfristig ihre Berufsaussichten zu verbessern.

Diesem Vorhaben steht das Urteil des Amtsgerichts nicht im Wege. Vier Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung auf drei Jahre, verkündete Kalhöfer-Köchling, der damit auch der Forderung der Staatsanwaltschaft entsprach. Trotz der vielfachen Vorstrafen habe sich strafmildernd vor allem ihre Bereitschaft ausgewirkt, die Taten ohne Umschweife zuzugeben. Als weitere Bewährungsauflage verhängte das Gericht 50 Stunden gemeinnützige Arbeit, die auch im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes abzuleisten wären. Dafür habe sich die Angeklagte nach eigenen Angaben sowieso schon interessiert.(tk)

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