Konzert mit Band-Contest-Finalisten „Nirgendwo“, „Hazeomatic“ und „Surprise, Surprise“

Tanzen, bis die Welt untergeht

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„Gotcha Boom“: „Hazeomatic“ aus Bad Wildungen ließen es von Anfang an mächtig grooven.

Korbach - Am Abend des Weltuntergangs noch einmal richtig abtanzen. Unter diesem ironischen Motto stand das Abschlusskonzert 2012 im K20.

Die aufgebotenen Bands standen mit ihrem Programm jedenfalls für das Beste aus dem abgelaufenen Jahr. Und ohne Wettbewerbsdruck und Zeitlimit spielten die Band-Contest-Finalisten „Nirgendwo“, „Hazeomatic“ und „Surprise, Surprise“ befreit auf und zwar so lange sie wollten. Infolgedessen konnten die Band-Contest-Sieger aus Marburg erst ab Mitternacht ihre Fortschritte in Sachen Show und Sound präsentieren. Mit dem prächtigen Hintergrundbild waren „Surprise, Surprise“, die auch auf der Bühne unüberhörbare Fortschritte in Sachen Professionalität gemacht hatten, gewissermaßen allgegenwärtig vom ersten Takt an.

Zum Auftakt gab eine neue Gruppe ihre Visitenkarte ab und vom Niveau her passten Kurzfilm, die mit Bassist Nico Lindenberg einen Band-Contest-Sieger von 2010 in ihren Reihen hatten, absolut zum Best-of-Anspruch des Jahresabschluss-Programms. Die als „Indie im weitesten Sinne“ angekündigte Formation machte im Verlauf des Auftritts dieser Beschreibung alle Ehre. Frontman Tim Düwel brachte die Vocals mit der erforderlichen Aggressivität über die Rampe, Hans Meyfarth drückte mit seinem Gitarrenspiel im Indie-Stil dem Sound der Gruppe immer wieder seinen Stempel auf, doch zwischen den eher lakonischen Demotapes und weiträumigen Instrumentalpartien des Auftritts im K20 lagen differenzierte Klangwelten, die streckenweise auch Assoziationen an „Some­peopledrown“ weckten. Anscheinend bietet die Eisenacher Band nach der Umbesetzung im Herbst gleich das Beste aus zwei Welten.

Bei ihrem ersten Auftritt hatten die Gäste aus Eisenach gewissermaßen den Reiz des Neuen auf ihrer Seite, die Routiniers von „Nirgendwo“ ließen bei ihrem letzten Korbacher Auftritt in diesem Jahr auch nicht den geringsten Spielraum für Ermüdungserscheinungen oder Abnutzungseffekte, sondern erwiesen sich als musikalische Chamäleons, die ihr Repertoire in allen Tonarten zwischen sanft und heavy interpretieren können. Und dieses Mal standen die Zeichen auf Sturm und Revolution. Mit Chad Bossés mächtigen Trommelwirbeln, Ben Benders heftigen Riffs und einem gewaltigen Aufschrei von Des Copeland eröffnete das Quartett aus Kassel mit „Ewigkeit“ und der Botschaft „Sicher ist nichts!“ den ganz auf rockig gestimmten Set, der beim Publikum rasch tänzerische Energien freisetzte. Gipfelpunkt dieser Tour de Force, die einen denkwürdigen Kontrast zum sensibel-melancholischen Auftritt beim Band-Contest-Finale bildete, war zweifelsohne die gegen Beliebigkeit und Teilnahmslosigkeit gerichtete Hymne „Warum hört ihr uns nicht?“

„Hazeomatic“ aus Bad Wildungen riefen denn bei ihrem Auftritt gar die „Funk Revolution“ aus, allerdings mit den gewohnten ironischen Untertönen beim kreativen Umgang mit den Traditionen von Funk, Blues, Rock und Reggae oder dem Erbe der 90er. Bei „Parallel Universe“ von den „Red Hot Chilli Peppers“ ließ Flo Hüsken seine Gitarre jubilieren, den Mittelteil von „Little Bastard“ krönte er dagegen mit einem schmutzigen Solo, bei „Marecatu, you’re dancing“, dem nächsten Neuzugang auf der Setlist, erwiesen sich Drummer Alexander Theis und Bassist Todor Akimoff als masters of the groove. Mit einer Highspeed-Version von „Foxy Lady“, klang der Auftritt des zuvor selbstironisch als „langsamste Band des Abends“ angekündigten Trios aus. (ahi)

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