Pfarrerin Tirre arbeitet seit Januar für Landeskirche · Abschied am Sonntag

Theologie trifft Betriebswirtschaft

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Freut sich auf neue Aufgaben: Martina Tirre kehrt Adorf zumindest als Gemeindepfarrerin den Rücken.

Diemelsee - Adorf - Pfarrerin Martina Tirre wird dem Kirchspiel Adorf nicht gänzlich den Rücken kehren. Als Gemeindepfarrerin verabschiedet sie sich allerdings am Sonntag von den Diemelseern, denn seit Januar arbeitet die Theologin als Diakoniereferentin im Kasseler Landeskirchenamt.

Die Pfarrstelle im Kirchspiel Adorf, zum dem die Orte Adorf, Rhenegge und Sudeck gehören, übernahmen Martina Tirre und Sascha Biehn-Tirre am 16. November 2006. Die Aufgaben teilt sich das Ehepaar fortan. Einzig nach der Geburt ihres Sohnes Michael pausiert Martina Tirre für ein Jahr. Für Gottesdienste, Taufen, Trauungen und Beerdigungen zeichnen beide gemeinsam verantwortlich. Martina Tirre legt den Schwerpunkt darüber hinaus auf die Erwachsenenbildung, zu der zum Beispiel die Frauenkreise und Alpha-Kurse gehören. Sie arbeitet mit Kindern, pflegt den Kontakt zur evangelischen Kindertagesstätte in Adorf und übernimmt Besuchsdienste.

Liebgewonnenes bewahren

Zum Jahreswechsel sind alle diese Aufgaben auf Tirres Mann übergegangen, denn er füllt die Gemeindepfarrstelle künftig allein aus (wir berichteten). „Die Gemeinde wird sich etwas umstellen müssen, denn einer allein kann nicht immer alles zu jeder Zeit möglich machen, auchwenn er es versucht“, blickt dieTheologin voraus. Sie ist aber überzeugt, dass sich alles schnell einspielen wird - zumal sie einige lieb gewonnene Projekte im Kirchspiel weiterführt. Dazu zählen die Alpha-Kurse, die „Brunch and Pray“-Gottes-dienste für Jung und Alt sowie die Organisation des Weltgebetstags. „Damit ich mich weiterhin Pfarrerin nennen darf, habe ich darüber hinaus um einen Predigtauftrag gebeten und würde mir wünschen, diesen für Adorf zu bekommen.“

„Bilde die Schnittstelle“

„Zu meiner neuen Aufgabe kann ich nach einem Monat natürlich noch nicht ganz so viel sagen“, erklärt Martina Tirre. Auf den ersten Blick scheint die Adorferin mit ihrer Entscheidung aber rundum zufrieden zu sein: „Als theologische Referentin im Diakoniedezernat des Landeskirchenamtes bilde ich die Schnittstelle zwischen dem Landeskirchenamt und dem Diakonischen Werk in Kurhessen-Waldeck“, berichtet die Pfarrerin lächelnd. Sie fungiere als Kommunikator zwischen verschiedenen Gremien und begleite Projekte. Der Aufgabenkatalog des Diakonischen Werks, das wie das Landeskirchenamt in Kassel sitzt, ist lang. Beispiele sind: ambulante Pflege, psychologische Beratung, Schwangerschaftskonfliktberatung, Familienberatung, Müttergenesung, Suchtberatung, Seelsorge für Ausländer, Aussiedler und Asylbewerber sowie Betreuung von Kindern in Tagesstätten. Die Arbeitsgemeinschaft Hospiz, die Bahnhofsmission und das Zentrum für Freiwilligen-, Friedens- und Zivildienst sind ebenso im DWKW angesiedelt. Martina Tirre: „In all diesen Bereichen habe ich Zuständigkeiten.“

Zwischen Adorf und Kassel

Als Diakoniereferentin bekleidet sie eine halbe Stelle. „In der Regel fahre ich an vier Tagen in der Woche für jeweils einen halben Tag von Adorf nach Kassel.“ Tirres neuer Chef ist in Wal­deck ebenfalls kein Unbekannter: Dezernent Horst Rühl, der als Landespfarrer für Diakonie auch das DWKW leitet, gehörte mehrere Jahre zum Vorstand des Waldeckschen Diakonissenhauses Sophienheim in Bad Arolsen.

Praktische Theologie

Warum sie sich für diese Aufgabe entschieden hat, erklärt die neue Diakoniereferentin mithilfe eines Rückblicks: „Mein Schulpfarrer in Würzburg hat uns im Religionsunterricht immer vermittelt, dass Theologie die Menschen nicht erfasst, wenn nur von Gott geredet wird.“ Theologie müsse immer auch einen praktischen Aspekt haben. Der Würzburger Pfarrer gründet daher seinerzeit Behindertenwerkstätten, die sich inzwischen zu einem großen Unternehmen entwickelt haben. Martina Tirre engagiert sich dort in der offenen Behindertenarbeit. Sie begleitet zum Beispiel Freizeiten.

Als sie zusammen mit ihrem Mann die erste Gemeindepfarrstelle in der bayerischen Rhön übernimmt und für Kindertagesstätten verantwortlich ist, wird der Theologin zunehmend klarer, wie wichtig es ist, Theologie und Betriebswirtschaft zu verbinden. Sie absolviert ein zusätzliches Studium der Betriebswirtschaftslehre.

Gottesdienst mit Dekanin

„In meiner jetzigen Funktion kann ich dieses Wissen im karitativen Bereich anbringen, also diakonisches und betriebswirtschaftliches Denken verbinden“, freut sich die Diplom-Kauffrau nach 13 Jahren als Gemeindepfarrerin auf neue Herausforderungen. Die Diakonie-Arbeit versteht sie einerseits als „Dienst am Nächsten“, weiß aber andererseits, dass gerade diese „sich rechnen muss“.

Ebenso wichtig, wie im neuen Job schnell Fuß zu fassen, ist es Martina Tirre, die Zeit als Gemeindepfarrerin in Adorf bewusst zu beenden. Dekanin Eva Brinke-Kriebel entbindet sie im Rahmen eines Gottesdienstes am kommenden Sonntag um 14 Uhr in der St.-Johannis-Kirche von ihrer Verantwortung in der Gemeinde. (nv)

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