Therapie mit Wärmebildkamera bei Pferden

Thermographie– mehr als bunte Bilder

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Thermographie ist im heimischen Stall möglich, ohne dass die Therapeutin Ann-Katrin Göbel das Pferd - hier Stute Schimmi - berührt. 

Die Wärmebildkamera zeigt bei Pferden Entzündungen, Verletzungen, Anzeichen für Überlastung und mehr. Eingesetzt wird sie im heimischen Stall, vollkommen stressfrei für die Vierbeiner.

Sie ist die erste Therapeutin im Landkreis Waldeck-Frankenberg mit diesem besonderen Diagnoseangebot: Ann-Katrin Göbel aus Korbach-Meineringhausen ist seit drei Monaten geprüfte Pferdethermographin.

Solche Ansichten entstehen beim Einsatz der Wärmebildkamera für Diagnostik und Vorsorge.   

Wärme ist ein wichtiges Anzeichen für Entzündungen oder Verletzungen. Die strahlenfreie Infrarotthermografie macht – richtig angewendet – mit bloßem Auge unsichtbare Entzündungen und Wärmemuster frühzeitig sichtbar. Die Bilder der Kamera können ein normales, auffälliges oder auch ein Kältemuster darstellen. Sie können so bei vielen Beschwerden an Muskulatur, Beinen, Gelenken, Sehnen, Bändern, Zähnen, Haut und Hufen schon vor den ersten klinischen Befunden wichtige Hinweise geben.

Thermographie ist im heimischen Stall möglich, ohne dass die Therapeutin Ann-Katrin Göbel das Pferd berührt. Unser Bild zeigt sie mit Stute „Schimmi“. 

Die Thermographie lässt sich als Ergänzung bei der Ankaufs-Untersuchung eines Pferdes oder zur Vorsorge einsetzen. Bewährt habe sich auch die Untersuchung der Sattellage auf Satteldruck und zur Sattelanpassung, sagt die Therapeutin.

Sie sei außerdem ein effektives Instrument zur Trainingskontrolle, denn die Kamera zeige sehr schnell Überbelastungen an, und der Reiter könne erkennen, ob er das Pferd gleichmäßig trainiert.

„Keine neue Entdeckung, aber unterschätzt“

„Die Thermographie ist keine neue Entdeckung, wird aber noch immer unterschätzt“, sagt die Expertin. „Vielleicht liegt es auch daran, dass der finanzielle Einsatz für uns Therapeuten zunächst sehr hoch ist. Ein Profigerät kostet mehrere tausend Euro, und für eine ‚echte’ Zertifizierung muss man auch noch einmal tief in die Tasche greifen.“

Die Hände sind unverzichtbares Arbeitsmittel und Lieferanten für Informationen und Erfahrungen.

Aber nur damit könne sie professionelle und sichere Arbeit leisten, sagt Ann-Katrin Göbel. Denn es sei nicht damit getan, bunte Bilder zu produzieren: „Eine Wärmebildkamera ist sehr empfindlich. Schon ein kleiner Druck am Halfter kann zu sichtbaren Reaktionen führen. Kalte Hände oder auch Zugluft zeigen vielleicht Kältemuster, und das Thermogramm wird fehlerhaft“.

Rund 50 Aufnahmen ergeben ein Ganzes

In jedem Fall aber sei die Thermografie für das Pferd eine völlig stressfreie Untersuchung: Die Therapeutin setzt sie im heimischen Stall ein, ohne das Pferd zu berühren. Und nach einer knappen Stunde sind rund 50 Bilder entstanden, die das gesamte Pferd in Wärmemustern zeigen und wichtige Hinweise für weitere Behandlungen und genauere Diagnosen geben.

Dabei gilt: Jede Aufnahme und jedes Ergebnis sollte vor weiteren Maßnahmen genau betrachtet werden. Erscheint etwas unklar, lasse sich dann sehr viel gezielter mit einer Röntgenaufnahme oder mit Ultraschall eine Diagnose stellen.

„Und ich habe ja auch noch meine Hände“ sagt Ann-Katrin Göbel und lacht. „Sie sind durch Physiotherapie, Osteopathie, Massagen, Cranio-Sacral-Therapie und nicht zuletzt durch die vielen Pferde, die ich schon behandelt habe, mein größter ‘Erfahrungsschatz’“.

Viele alternative Behandlungsmethoden seien sehr alt und hätten auch bei den Veterinärmedizinern Tradition, sagt die Expertin. Vieles sei jedoch in Zeiten der modernen Tiermedizin in Vergessenheit geraten.

Ob beim Reitunterricht, bei der Pferdeausbildung, der Hilfe bei Problempferden oder der Arbeit mit ängstlichen Pferden und Reitern habe sie eines immer wieder erlebt: dass Ungehorsam oder Widersetzlichkeit oftmals durch gesundheitliche Probleme und Schmerzen entstehen. Auch das war ein Grund für sie, diagnostisch zusätzlich diesen Weg zu gehen.

Mit drei Jahren auf dem Shetlandpony

„Eigentlich war es mein Opa, der mich zur Pferdefrau gemacht hat.“ Erinnert sich Ann-Katrin Göbel lächelnd. „Er hat mich schon als kleines Mädchen zu den verschiedenen Pferdemärkten und Turnieren mitgenommen. Als ich drei Jahre alt war, führte er mich zum ersten Mal auf einem Shetlandpony spazieren.“

Aus dem kindlichen Pferdespaß ist für sie inzwischen ein ernsthafter und vielseitiger Pferdeberuf geworden. Die Berufsreiterin machte eine Ausbildung zur Physiotherapeutin und Osteopathin für Pferde, erlernte auf Fortbildungen verschiedene Massagetechniken, medizinisch funktionelles Pferdetaping, Akupunktur und die Therapie mit „Life Wave“-Pflastern. Sie stimulieren Stellen, die als Akupunktur- oder Akupressur-Punkte bekannt sind.

„Mir ist es sehr wichtig, für alles, was ich tue, auch ausgebildet oder zertifiziert zu sein. Es gibt so viele schwarze Schafe in diesen Berufen, dass man sich nicht nur für sich selbst, sondern auch im Sinne der Kunden abgrenzen muss und will“, sagt sie.

Zwei wichtige Grundprinzipien sind ihrer Meinung nach bei allen Behandlungen unverzichtbar: ein ausführliches Erstgespräch und ein in der speziellen Methode gut ausgebildeter und erfahrener Therapeut. /Barbara Liese

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