Cybercrime-Expertin der Polizei gibt Tipps

Digitaler Nachlass: Daran sollten Internetnutzer denken

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Internetsicherheit und digitales Erbe: Eine Expertin gab Tipps.

Korbach – Lebe ich im Internet nach meinem Tod weiter? 80 Prozent der Menschen haben ihren digitalen Nachlass bisher nicht geregelt, sagt Kommissarin Aniane Emde.

Die Kriminaloberkommissarin ist Internetexpertin und gab jetzt bei einem Vortrag in Korbach viele Tipps, nicht nur zur Regelung des digitalen Erbes.

„Unsere Daten sind jeden Tag in Gefahr“, betonte Emde. Einheitliche Regelungen, wie Anbieter nach dem Tod eines Nutzers mit Accounts in sozialen Medien oder bei Internetshops umzugehen sei, gebe es bisher nicht.

20 bis 30 Konten – ob bei Ebay und Amazon, Twitter oder Facebook – seien heutzutage durchaus Standard. Etwa alle drei Minuten sterbe in Deutschland ein Facebook-Nutzer, ohne geregelt zu haben, was mit seinen Fotos, Likes und Kommentaren passieren solle.

"Betrüger lieben Geld, aber auch Daten"

Hätten Angehörige keine Passwörter oder andere Zugangsdaten, hätten sie in der Regel auch keinen Zugriff auf Accounts. Aniane Emde rät deshalb, eine Übersicht aller Konten anzulegen, samt allen nötigen Zugangsdaten. Ob die Angehörigen nach dem eigenen Tod hineinschauen dürften, müsse entsprechend geregelt werden.

Internetspezialistin der Polizei: Aniane Emde

In einer Vollmacht lasse sich regeln, was mit den persönlichen Daten nach dem Tod passieren soll. Zwingend müsse diese die Formulierung „über den Tod hinaus“ enthalten und unterschrieben sein.

Alle persönlichen Account-Daten sollten auf einem verschlüsselten USB-Stick gespeichert oder aber auch handschriftlich niedergeschrieben werden. Einlagern könne man diese Unterlagen oder den Stick dann in einem Bankschließfach oder in einem Tresor. Einer „Person des Vertrauens“ könne der Standort mitgeteilt werden, rät Aniane Emde.

Auch das alltägliche Verhalten im weltweiten Netz sei wichtig, sagte die ehemalige Kripo-Ermittlerin im Bereich Cybercrime. „Betrüger lieben Geld, aber auch Daten sind ein angestrebtes Gut.“ Und: „Kriminalität im Netz trifft jeden Zweiten.“

Emde fasst für die Zuhörer im Korbacher Bürgerhaus zusammen, welche neuen und alten, immer wieder gern genutzten, Maschen der Betrüger es gibt: Von Brute-Force-Angriffen, mit denen versucht wird, Passwörter herauszufinden über Phishing-Mails mit demselben Ziel bis hin zu Schadsoftware, die durch Trojaner auf den Computer gelange und alles lahmlegen könne. Einer ihrer wichtigsten Tipps für Internetnutzer: „Seriöse Unternehmen fordern ihre Kunden niemals auf, persönliche Informationen per Mail mitzuteilen.“

Auf diesen Internetseiten gibt es Tipps und Hilfe

Hilfereiche Internetseiten, die über aktuelle Abzockemaschen und Manipulationen informieren, aber auch über den digitalen Nachlass, sind: www.machts-gut.de, www.verbraucherzentrale.de, www.polizei-beratung.de, www.digital-kompass.de sowie auf der Internetseite www.polizei-praevention.de.  

Darauf sollte jeder achten, der im Netz unterwegs ist

Wie lassen sich persönliche Daten im Internet möglichst gut schützen? Worauf sollte jeder Internetnutzer achten? Die wichtigsten Tipps im Überblick:

- Am wichtigsten sind gute Passwörter: „Für jede Anwendung sollte es ein eigenes Passwort geben und das sollte mindestens zwölf Zeichen lang sein und auch Sonderzeichen beinhalten“, rät Aniane Emde. Und: „Es sollte nicht im Wörterbuch vorkommen.“ Der eigene Name, aber auch der von Familienmitgliedern und Lieblingsfernsehserien sei tabu, denn all diese Daten könne man im Internet recherchieren.

Betrüger im Netz: Suche nach Geld und Daten.

- Bei verdächtigen Mails, beispielsweise solchen, denen Rechnungen anhängen oder in denen persönliche Daten abgefragt werden, ist Vorsicht geboten. Hier sollten, rät die Kommissarin, die Absenderadresse und die Anrede genau angeschaut werden. Abzockemails würden oft mit allgemeiner, nicht persönlicher Anrede versendet. Seriöse Anbieter würden nie Druck machen oder verlangen, beispielsweise den Perso einzuscannen und zu senden. Wer unsicher sei, solle dem Unternehmen eine Nachricht schicken, allerdings nicht als Antwort auf die erhaltene Mail.

- Die Software auf PC und Laptop, ebenso das Betriebssystem sollte immer aktuell sein.

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