Korbach

„Ton-Deckel drauf“ ist wirtschaftlicher

- Korbach (jk). Die frühere Korbacher Mülldeponie am Stadtrand Richtung Flechtdorf sorgt auch politisch für intensive Nachsorge.

Für 1,9 Millionen Euro will die Stadt die alte „Schuttkuhle“ mit einer Tonpackung abdichten. Der natürliche „Deckel“ soll auch an den Rändern wirksam werden, damit kein belastetes Sickerwasser mehr nach außen tritt. Akute Gefahren bestehen nicht, wie die städtische Umweltexpertin Iris König im September vor dem Bauausschuss des Parlaments erläuterte – weder fürs Grundwasser noch fürs Trinkwasser.

Bei entsprechenden Proben wies das Sickerwasser aber an einer Stelle zu hohe Schadstoffe auf. So soll die Altlast abgedichtet werden. Dafür hat die Stadt mit dem Regierungspräsidium ein Verfahren abgestimmt, das der Bauausschuss zur Kenntnis nahm (wir berichteten). Bei den aktuellen Beratungen für den städtischen Haushalt 2012 brachte die Grünen-Fraktion das Thema jedoch abermals aufs Tapet. „Sanierung – das ist etwas geschönt dargestellt“, erklärte Grünen-Sprecher Dr. Peter Koswig: „Es geht ja nur darum, einen Deckel draufzumachen. Aber die Gefahr bleibt.“

Somit fordern die Grünen mit einem Antrag zum Etat 2012, die vorgesehene Investition für die Deponie zunächst mit einem Sperrvermerk zu versehen – und noch mal nach besseren Lösungen zu suchen. Das wäre nach Ansicht der Grünen eine vollständige Entfernung der Altlast aus dem Boden. Stadtplaner Thorsten Peper und Bürgermeister Klaus Friedrich intervenierten jedoch zuletzt bei den Beratungen in den Ausschüssen. Ein vollständiges Auskoffern würde rund 14 Millionen Euro kosten. Zudem beinhalte die Abdichtung mit Ton ein dauerhaftes „Monitoring“ – also eine wiederkehrende Beobachtung des Sickerwassers.

„Ich kann die Gedanken der Grünen-Fraktion nachvollziehen“, meinte FDP-Sprecher Arno Wiegand – auch mit Blick auf nachfolgende Generationen. „Aber wir werden weder im nächsten noch im übernächsten Jahr 14 Millionen Euro zur Verfügung haben“, war sich SPD-Sprecher Helmut Schmidt mit Wiegand einig. Nach intensiver Prüfung sei die Abdichtung wirksam – und am wirtschaftlichsten, erklärte Peper.

Überdies sei die Sanierung samt Zuschüssen des Landes bereits vereinbart und im Staatsanzeiger veröffentlicht worden, betonte Rathauschef Friedrich in der von den Grünen angestoßenen Debatte: „Vielleicht ist hier irgendwie ein Informationsdefizit vorhanden.“ So verwies Friedrich auf die bereits im September geführte Diskussion. Bei der Abstimmung zuletzt im Finanzausschuss blieben die Grünen mit ihrem Antrag alleine, alle anderen Fraktionen lehnten ab. „Ich würde empfehlen, über die Aufrechterhaltung des Antrags noch mal nachzudenken“, sagte SPD-Sprecher Helmut Schmidt.

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