Korbach

Tonnenschwere Glocken gehen in die Luft

- Korbach (lb). Kirchturmglocken auf Reisen: Ein Kran hat am Mittwoch drei tonnenschwere Glocken aus dem Turm der Pfarrkirche St. Marien geholt. Der Glockenstuhl des Gotteshauses wird erneuert, die Glocken nachgestimmt.

Dechant Gisbert Wisse blickt gen Himmel: Die Sache ist eine Millimeterarbeit. Ganz langsam manövriert der Kran die erste – rund 1,3 Tonnen schwere – Glocke vom Baugerüst, das bis zur Glockenstube ganz oben im Turm reicht. Ein Arbeiter gibt dem Kranführer Handzeichen, zeigt ihm an, dass er die Glocke schneller anheben kann. Dann geht alles ganz fix. Nach knapp einer Stunde sind auch die beiden übrigen 620 und 380 Kilogramm schweren Glocken auf den Lastwagen verfrachtet, der am Fuß des Kirchturms wartet. Die kleinste Glocke aus dem Jahr 1924 bleibt im Turm. Wisse senkt den Kopf wieder und schaut nach vorne: „Wir hoffen, dass zum Christkönigsfest oder spätestens zum ersten Advent die Glocken wieder läuten“, sagt der katholische Geistliche. Notwendig geworden war die aufwendige Aktion wegen Mängeln am nach dem Krieg aus Stahlstücken zusammengeschweißten Glockenstuhl. Mehrere Schweißnähte waren vom Rost so weit auseinander getrieben worden, dass sie keine Verbindung mehr hatten. Die Konstruktion hatte beim turnusmäßigen „Glocken-TÜV“ in 2008 keine Chance. „Die schwere Glocke wurde sofort stillgelegt“, sagt Wisse. Jetzt bekommt St. Marien einen neuen Glockenstuhl, der aus Eiche hergestellt werden soll. „Das hält ewig“, sagt der Pfarrer und schränkt schnell ein: „Beinahe.“ Gleichzeitig werden die drei Glocken neu gestimmt. Dann übrigens werden sie auch perfekt mit den übrigen Korbacher Kirchenglocken harmonieren, die – ob katholisch oder evangelisch – musikalisch aufeinander abgestimmt sind. Sozusagen akustische Ökumene. Viele Korbacher haben das gewohnte Geläut aus St. Marien in den vergangenen Monaten vermisst. Die Glocken strukturierten den Tagesablauf der gläubigen Christen, läuteten dreimal täglich zum Gebet, außerdem zu Gottesdiensten oder zu Beerdigungen. „Und sie haben so manchen daran erinnert, dass es da über uns noch etwas gibt“, sagt Wisse.Mit einem festlichen Gottesdienst am 1. Advent sollen die Glocken offiziell wieder in ihrer Gemeinde begrüßt werden. Ob die Glocken neu geweiht werden müssten, sei noch unklar, erklärt der Pfarrer. Insgesamt schlägt die Sanierung mit knapp 40 000 Euro zu Buche. 70 Prozent der Kosten übernimmt das Bistum Paderborn, den Rest muss die Gemeinde selber schultern, etwa durch Kollekten. „Ich denke, dass wir die Maßnahme bis Mitte oder Ende 2010 finanziert haben“, so Wisse. Spenden an die katholische Kirchengemeinde St. Marien Korbach: Konto-Nummer 36 990 800 bei der Bank für Kirche und Caritas, BLZ 472 603 07.

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