Waldecker Jägerschaft protestiert mit Einstellung des freiwilligen Engagements gegen neue Jagdsteuer

Totes Wild bleibt am Straßenrand liegen

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Korbach - Die Beschwerden von Anwohnern häufen sich: Vielerorts im Norden des Landkreises bleiben Tierkadaver nach Autounfällen am Straßenrand liegen. Aus Protest gegen die neue Jagdsteuer, übernehmen die Jagdpächter diesen bisher freiwilligen Dienst nicht mehr.

Ein Anruf bei den Jagdpächtern genügte bisher, damit die Jäger ausrückten und tote Rehe, Wildschweine, Dachse oder Füchse einsammelten, die nach einem Unfall am Straßenrand liegen geblieben waren. Die Tiere wurden dann im Wald vergraben. „Das war ein freiwilliger Dienst“, erklärt Heinz Langerzik, Vorsitzender der Waldeckischen Jägerschaft, „dazu waren wir nie verpflichtet und dafür haben wir kein Geld bekommen“.

Politischer Hintergrund

Inzwischen haben die Waldeckischen Jagdpächter diesen Dienst aber eingestellt. Wild, das bei Unfällen ums Leben kommt, bleibt im Norden des Landkreises am Straßenrand liegen oder wird in Einzelfällen von den Gemeinden abtransportiert.

Das hat einen politischen Hintergrund: „Ende 2010 änderte der Landkreis die Jagdsteuersatzung“, erklärt Langerzik. Erst wurde die Jagdsteuer von zehn auf 15 Prozent hoch gesetzt und dann wurde eine Klausel für „unangemessen niedrige Pachtpreise“ eingeführt. Und die ist der Stein des Anstoßes: „Wenn der Pachtpreis mindestens 30 Prozent unter dem Durchschnittspacht-Preis im Landkreis liegt, dann wird bei der Besteuerung nicht der tatsächliche Pachtpreis berechnet, sondern der Durchschnittspreis“, erklärt der Vorsitzende der Jägerschaft. Jäger also die weniger wertvolle Jagdflächen wie Wiesen für wenig Geld pachten, müssen am Ende nicht 15 Prozent des tatsächlichen Preises an den Landkreis zahlen, sondern 15 Prozent vom Durchschnittspreis - der beträgt 17 Euro. Betroffen davon seien vor allem Jagdpächter im Norden des Landkreises.

„Zahlt ein Landwirt also vier Euro pro Hektar, muss er für 17 Euro pro Hektar Steuern bezahlen“, sagt Langerzik, „das empfinden wir als äußerst ungerecht.“ Und deswegen habe die Jägerschaft das Gespräch mit dem Landrat gesucht und um eine Einladung in den Kreisausschuss gebeten. „Darauf warten wir aber weiterhin“, sagt Langerzik, „und bis sich das nicht ändert, übernehmen wir nicht weiterhin kostenlos die Aufgaben des Landkreises“.

„Tote Tiere bergen Gefahr“

Den Landkreis in der Pflicht sehen auch die Helmscheider Landwirte Reinhard Bürger-Grebe und Gerhard Westermann. „Wir bekommen immer mehr Beschwerden von Anwohnern, das Tiere am Straßenrand liegen“, erklären sie in einem Schreiben an die Waldeckische Landeszeitung. Mehrere Wochen würden die Tiere am Straßenrand liegen und verwesen. „Weil Wildschweine, die häufig in Gruppen von mehreren Tieren auftreten, auch Aas fressen, besteht die latente Gefahr, dass ein Auto in eine Gruppe Wildschweine fährt, die gerade den Kadaver fressen“, sagt Bürger-Grebe und fordert gemeinsam mit Westermann den Landkreis auf, das Wild auf den Kreisstraßen einzusammeln.

„Es gibt aber keine Beseitigungspflicht seitens des Landkreises“, betont Dr. Hartmut Wecker vom Landkreis. In Fällen, in denen etwa die Gefahr der Übertragung von Krankheiten oder Seuchengefahr bestehe, sei der Landkreis verantwortlich. „Ansonsten ist die Beseitigung von Tieren eine der weniger ungeregelten Fälle“, sagt Wecker. Der Unfallfahrer sei dafür verantwortlich, das Tier von der Straße zu schieben. „Dabei kann er um die Hilfe der Polizei bitten“, sagt Wecker. Am Ende sei der Rest der Natur überlassen.

„Keine Beseitigungspflicht“

Ohnehin dürfe der Landkreis nicht ohne weiteres ein Tier vom Straßenrand entfernen. „Die Jagdausübenden haben ein Aneignungsrecht“, sagt Wecker. Deswegen würden sie in jedem Fall einbezogen. Ihm sei nicht bekannt, dass die Jägerschaft bereits Gesprächsbedarf angemeldet hätte, deswegen sehe er von Seiten des Landkreises auch keinen Handlungsbedarf.

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