Trotz-Theater beschäftigt sich im Stück „Erinnerungsbücher“ mit Tod und Sterben

Trauerspiel mit viel Lebensfreude

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Felix und Sam fliehen nicht vor dem Tod, sondern lassen ihn nah an sich heran. Foto: Schmidt

Korbach - Kann Sterben schön sein? Wohl eher nicht. Und als Kind schon gar nicht. Doch für zwei Kinder endet der Lebensweg in dem Stück „Erinnerungsbücher“, das das Trotz-Theater des Gymnasiums aus Steinheim aufführte.

Aber vielleicht ist Sterben ja so ähnlich „wie wenn eine Raupe zum Schmetterling wird“. Dies war eine von vielen Vorstellungen vom Tod, die Sam und Felix hatten. 14 Jahre wurden sie nur alt, mehr erlaubte der Krebs nicht.

Aber die Jungen sind nicht vor dem Tod geflohen, sondern haben ihn nah an sich herangelassen, sprachlich und schriftlich. Sam schrieb Erinnerungsbücher für Vater, Mutter, Schwester Ella, Cousine und die Hauslehrerin. Diese Personen sitzen nun auf der Bühne. Sie bilden dabei ein Viereck (Schwester/Cousine sitzen nebeneinander auf einem Podium) und lesen aus diesen Erinnerungsbüchern vor.

Mit ihren Worten holen sie Sam und Felix immer wieder gedanklich ins Leben zurück und für den Zuschauer werden die beiden in der Bühnenmitte sogar wieder lebendig.

Diese Art der Inszenierung, gepaart mit gelungenen Lichteffekten und überzeugenden schauspielerischen Leistungen, bringt viel Leben, Spannung und Emotionen auf die Bühne, aber auch in den Zuschauerraum, wo dieses Trauerspiel eine Totenstille erzeugt und auch die ein oder andere Träne kostet.

Die Jungen leben in einer zwiespältigen Gefühlswelt. Sie wollen trotz Krankheit, Klinik und Hospiz einfach normale 14-Jährige sein, wissen aber auch, dass ihnen für Erlebnisse nicht mehr viel Zeit bleibt. So jagen sie voller Lebensfreude ihren Wünschen hinterher: Teenager sein und ein Mädchen küssen, noch einen Weltrekord aufstellen, Rolltreppe fahren, einen Horrorfilm (ab 18 Jahre) schauen, mit einem Luftschiff fahren und die Erde vom Weltraum aus sehen. Nicht nur dadurch wird diese Leidensgeschichte bisweilen auch zur Lachgeschichte.

Die Jungen stellen sich Fragen, die gesunde Teenager sich kaum stellen würden. Diese werden per Beamer auf eine Leinwand projiziert. Eine lautet: Warum lässt Gott Kinder sterben? - Ihre Antwort verblüfft: Für Gott ist es doch egal, ob jemand stirbt. Das Stück rüttelt immer wieder auf und fragt: Warum ist Sterben und Tod in unserer Gesellschaft eigentlich ein Tabuthema?

Warum müssen eigentlich die Todkranken immer die trösten, die weiterleben? Das sollte doch umgekehrt sein. Die beiden ­Jungen geben sogar Anleitungen für die Trauer um sie: „Ihr dürft traurig sein, aber nicht zu traurig. Wenn ihr immer traurig seid, wenn ihr an mich denkt, wie könnt ihr euch dann an mich erinnern.“ Das ist eine ­verdammt große Lebensaufgabe. (rsm)

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