Tipps aus dem Korbacher Tierheim

Trotz Böllern: Wie Hundehalter ihre Lieblinge gut ins neue Jahr kriegen

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Resi ist eine selbstbewusste, starke Hündin, doch an Silvester gerät sie in Panik.

Korbach. Das Böllern hat bei vielen schon begonnen - zum Leidwesen von Hunden und Haltern. Mit einigen Tipps kommen sie gut ins neue Jahr.

Die sechsjährige Resi ist eine selbstbewusste, starke Hündin. Doch pünktlich ab dem 29. Dezember, sobald es draußen knallt und raucht, verwandelt sie sich jedes Jahr für einige Tage in ein Nervenbündel. Mit ihr leiden dann auch Herrchen und Frauchen, die ihre Resi weder beruhigen noch trösten können.

„Alle Tipps aus Hundebüchern, von Trainern oder Tierärzten haben nicht geholfen“, berichtet Steffen Berger aus Korbach. „Wir haben das Haus verdunkelt, alle Fenster geschlossen, den Fernseher laut gedreht, haben Silvester mit ihr im dunklen Keller verbracht und es auch mit homöopathischen Tropfen versucht. Nichts hilft.“

Hunde und Böller: Tipps aus dem Korbacher Tierheim

Karina Kuhn, Leiterin des Korbacher Tierheims, kennt solche Geschichten: „Resi ist kein Einzelfall. Fast alle Hunde fühlen sich in dieser Zeit mehr oder weniger unsicher und haben Angst. Wenn man aber ein paar Regeln einhält kann man sich und dem Hund das Leben rund um Silvester erleichtern“.

Die lauteste Nacht des Jahres ist für die Vierbeiner eine unkalkulierbare Bedrohung. Manchem Hund reicht es, sich in einer vergleichsweise stillen Ecke zu verkriechen – andere brauchen besondere Betreuung.

Karina Kuhn, Leiterin des Tierheims Korbach, sorgt sich auch an Silvester um ihre Hunde.

 

In den Tagen rund um Silvester sollten Halter darauf achten, dass der Hund mit langen, abwechslungsreichen Spaziergängen, am besten abseits von Häusern und Wohngegenden, ausgelastet ist. „In jedem Fall sollte man die Tiere dabei immer anleinen, damit sie nicht in Panik weglaufen können, wenn es in der Nähe kracht“, rät Karina Kuhn: „Es reicht nur ein früher Böller und der Hund läuft verstört davon – womöglich sogar noch vor ein Auto. Egal, wie gut der Hund sonst gehorcht, in diesem Fall wird er das nicht mehr.“ 

Auch im Garten solle der Besitzer immer dabei sein und sehr ängstliche Tiere anleinen. Angst könne zu Höchstleistungen beflügeln und ein Gartenzaun sei dann kein Hindernis mehr.

Hundehalter sollen zu Silvester Ruhe ausstrahlen

Wünschenswert wäre es, wenn sich die Tierhalter während der Feiertage an die übliche Routine hielten, damit sich für den Hund so wenig wie möglich ändert. Vor allem um Mitternacht gilt es, Ruhe auszustrahlen, damit sich der Hund sicher fühlen kann. Einigen hilft es tatsächlich, wenn die Räume abgedunkelt sind und Musik oder ein Fernseher ein ständiges Hintergrundgeräusch liefern.

Sitzt der Schrecken aber fest, sollten Halter verschreckte Tiere nicht im menschlichen Sinne trösten, denn so verstärke sich die Angst des Tieres. Viel besser ist es, darüber hinweg zu gehen und so zu tun, als sei alles in Ordnung. Dann ist es das auch für das Tier.

Ein beliebter Rückzugsort ist das Bad - rauslocken ist keine gute Idee, zusprechen aber schon.

„An diese Regel halte ich mich bei meinen Hunden natürlich auch,“ berichtet Karina Kuhn „aber wenn sie in meiner Nähe Schutz suchen und vielleicht auch mal auf’s Sofa springen, dann lasse ich sie und bin für sie da – auch mit einem Streicheln“.

Sucht sich der Hund selbst ein eigenes Versteck, wäre es falsch, ihn heraus zu locken. Frauchen oder Herrchen können sich aber zu ihm setzen, möglichst wenig reden und ihn vor allem nicht bemitleiden. Ihm genügt es, sich anzulehnen und zu wissen: Sie lassen ihn nicht alleine.

Hündin Resi helfen Silvester lange Autofahrten

Nicht bei allen Hunden helfen die gut gemeinten Tipps. Deshalb feiert Steffen Berger seit zwei Jahren mit der Familie und Resi Silvester an einem ganz besonderen Ort. Sie verlassen zwei Stunden vor Mitternacht die Hansestadt und kommen erst zwei Stunden nach dem Jahreswechsel zurück. 

Dazwischen fahren sie: auf der A49 Richtung Neuenthal oder über abgeschiedene Landstraßen, mit gelegentlichem Halt auf einem abgelegenen Parkplatz Richtung Fritzlar. Resi nagt dann an einem Kauknochen, die Familie hat Butterbrote und Getränke dabei und alle sind damit zufrieden. 

„Auf der A49 ist sowieso nicht viel los und an Silvester um Mitternacht ist es wohl der ruhigste Ort weit und breit“, erklärt Steffen Berger: „Uns sind auch schon andere Autos mit Hund aufgefallen, die wie wir höchstens achtzig fahren und das bis zum Ende der Autobahn und wieder zurück.“ 

Ihr Plan für die vier Stunden: „In diesem Jahr wollen wir zum Rasthaus Diemelstadt auf der A49 fahren. Dort sollen sich einige Hundebesitzer treffen und gemeinsam ins neue Jahr feiern. Das wäre ja mal etwas ganz Neues.“

Von Barbara Liese

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