Immer mehr Waldeck-Frankenberger entscheiden sich für Stoff statt Plastik

Der Tüte geht es an den Kragen

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Plastiktüten

Korbach - Ein Griff und der Einkauf ist eingetütet. Die kostenlosen Plastiktüten haben sich über die Jahre in den Geschäften erhalten, doch jetzt soll Schluss damit sein. Die EU fordert ihre Bürger auf, den Plastiktütenkonsum einzuschränken. Doch was halten die heimischen Geschäfte davon?

Bei einem Spaziergang durch die Korbacher Fußgängerzone passiert es schnell, dass das spontane Schnäppchen in der Tüte landet. In vielen Geschäften sind die Plastiktüten kostenlos erhältlich. Das könnte sich bald ändern, denn die Europäische Union (EU) fordert die Reduzierung des Plastiktütenkonsums. Durch anfallende Kosten für fast alle Plastiktüten sollen Kunden davon abgehalten werden, unbedacht zur Plastiktüte zu greifen. Ausgenommen davon sind robuste Mehrfachtüten oder extrem dünne Tüten wie für Obst, Gemüse oder Frischfleisch.

Auswahl im Buchladen

Geht es der Tüte also an den Kragen? Wenn es nach Uwe Schneider vom Sportgeschäft Intersport Kettschau geht, dann nicht. „Für unser Unternehmen stellen Plastiktüten eine wichtige Werbeplattform dar, weil sie mit unserem Logo bedruckt sind“, erklärt er. Die Käufer nähmen das kostenlose Tütenangebot gerne in Anspruch und deshalb gebe es im Sportgeschäft auch keinen Bedarf, auf Alternativen wie Stoffbeutel umzusteigen.

In der Buchhandlung Schreiber sieht das anders aus: „Für unsere Kunden wäre es keine große Veränderung, falls ein Verbot des kostenlosen Angebots von Tüten verhängt wird“, erklärt Olaf Schreiber, „unsere Kunden handeln ohnehin schon sehr umweltbewusst.“ Sie würden häufig zum eigenen Beutel greifen.

Neben der kostenlosen Plastiktüte bietet Schreiber aber auch umweltfreundliche Alternativen: „Wir haben auch kostenlose Papiertüten und Stoffbeutel“, erklärt Olaf Schreiber, „weil wir es als Dienstleistung für unsere Kundschaft ansehen.“

Trotz immer wieder aufkommender Diskussionen bleibt es für Einzelhändler offenbar weiterhin eine Herausforderung, auf Plastiktüten gänzlich zu verzichten. Auch der Bioladen Corvita bietet seinen Kunden kostenlose Plastikbeutel an, da es von den Käufern erwartet werde. „Wir weisen unsere Kunden aber stets darauf hin, dass sie die Tüten mehrfach verwenden sollen“, betont Anne Welsch-Stein, Angestellte des Bioladens. Am Ende liege es in der Hand des Verbrauchers, für welche Tüte er sich entscheidet. Wichtig sei aber vor allem die Kommunikation, damit die Menschen sich ihres Handelns bewusst und die möglichen Folgen für die Umwelt erkennen würden, verdeutlicht Anne Welsch-Stein.

Ministerin lehnt Verbot ab

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks plant trotz des EU-Beschlusses nicht, in Deutschland Steuern auf Plastiktüten zu erheben oder diese gar zu verbieten. So bleibt es die individuelle Entscheidung der heimischen Unternehmen und Konsumenten, wie sie dieses Problem angehen.

Hintergrund: EU-Beschluss

Die EU-Minister planen, den Verbrauch von Plastiktüten weiter einzugrenzen durch zusätzliche Steuern und Gebühren. Grund dafür ist der hohe Verbrauch der Europäer an Plastik. Damit soll erreicht werden, dass jeder Bürger in Europa bis 2025 im Schnitt nur noch 40 Tüten in einem Jahr verbraucht. Zurzeit liegt der europäische Durchschnitt bei 176 Einwegtüten pro Kopf, wobei Deutschland mit 64 Tüten deutlich unter diesem liegt. Die Problematik besteht vor allem darin, dass es Jahrhunderte braucht, bis sich Plastikbeutel in der Natur zersetzen. Das birgt eine erhebliche Gefahr nicht nur für die Natur, sondern auch für Mensch und Tier. Vor allem die Weltmeere leiden sehr unter dem Plastikmüll. Laut Greenpeace sterben jedes Jahr allein über eine Million Seevögel und 100000 Meeressäuger qualvoll durch den Plastikmüll, der in den Meeren treibt. Die Tiere verhaken sich in Sechserpackringen, wodurch sie ersticken, oder sie strangulieren sich mit treibenden Netzresten. Außerdem besteht die Gefahr, dass die Tiere verhungern, weil sie das Plastik durch die Nahrung aufnehmen und so ihre Mägen damit gefüllt sind. Etwa 10000 Millionen Tonnen Plastik gelangen jährlich in die Meere. Laut einer Studie der Vereinten Nationen treiben bis zu 18000 Plastikteile in jedem Quadratkilometer Weltozean.

Von Jacqueline Schröder und Jennifer Strube

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