Arztinterview am Stadtkrankenhaus Korbach

Ausdauersport ist gut bei Asthma

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An das Leben mit Inhalator müssen sich Athmatiker gewöhnen.

Asthma zählt zu den weltweit häufigsten chronisch entzündlichen Erkrankungen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind etwa 235 Millionen Menschen betroffen. Oberarzt Hermann Meiburg am Stadtkrankenhaus Korbach informiert über die Krankheit (Info: www.krankenhaus-korbach.de).

Was ist Asthma bronchiale? Wie zeigt sich die Krankheit? Und wie gefährlich ist sie?

Der Begriff „Asthma“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet Keuchen. Asthma bronchiale ist eine Atemwegserkrankung, die durch Schwellung der Bronchialschleimhaut verursacht wird. Anders als bei etwa einer Lungenentzündung ist Asthma keine Erkrankung der Lungenstruktur. Die Atemwege (Bronchien) reagieren dabei mit einer heftigen und dauerhaften Entzündung auf eigentlich harmlose Auslöser wie beispielsweise kalte Luft, Nebel, körperliche Anstrengung, seelische Belastungen, Pollen oder auch Hausstaubmilben. Dies löst beim Patienten häufig anfallsweise auftretende Atemnot aus. Durch die Schwellung der Schleimhaut verengen sich die Atemwege so stark, dass nicht mehr ausreichend Luft transportiert werden kann – es kommt zu Atemnot.

Hermannn Meiburg, Oberarzt Gastroenterologie/Allgemeine Innere Medizin am Stadtkrankenhaus Korbach.

Vor allem das Ausatmen fällt schwer und wird häufig durch pfeifende Geräusche begleitet. Dies kann bis zur Blauverfärbung und Bewusstlosigkeit des Patienten führen. Dann ist schnelles Handeln angesagt, und es sollte unbedingt der Notarzt alarmiert werden. Unbehandelt oder zu spät behandelt, kann Asthma bis zum Tod durch Ersticken führen oder bleibende Hirnschäden durch Sauerstoffmangel verursachen.

Welche Ursachen führen häufig zu Asthma? Welche Rolle spielen Allergien?

Asthma ist ein weltweites medizinisches Problem. In den letzten zehn Jahren ist es in den industrialisierten Ländern durch vermehrtes Auftreten von verschiedenen Umweltgiften und vermehrten Verkehrs- und Industrieabgasen in Großstätten zu einem starken Anstieg Asthma-erkrankter Patienten gekommen.

Das allergische Asthma wird von eigentlich harmlosen Substanzen verursacht, auf die ein Asthmatiker allergisch reagiert. Das können Tierhaare, Pollen, bestimmte Nahrungsmittel oder Medikamente, aber auch Hausstaubmilben sein. Es gibt aber auch das nichtallergisches Asthma, das durch Faktoren wie etwa Virus- oder Bakterieninfekte, Medikamente oder einer speziellen Art von weißen Blutkörperchen (Eosinophiles Asthma) gekennzeichnet ist.

Wer ist besonders gefährdet? Spielen Alter und Geschlecht eine Rolle?

Zehn Prozent der Kinder und fünf Prozent der Erwachsenen sind betroffen, das heißt, es ist vorwiegend eine Erkrankung des Kindes- und Jugendalters. Männer sind übrigens doppelt so oft betroffen wie Frauen. Allgemein ist Asthma im Kindesalter eher nicht allergen.

Wie lässt sich Asthma wirksam kontrollieren? Welche Medikamente sollten Betroffene regelmäßig einnehmen?

Asthma ist zwar nicht heilbar, aber mit Medikamenten lässt sich die Krankheit gut kontrollieren. Therapieziele sind die Symptomkontrolle und Kontrolle der Risikofaktoren zur Vermeidung eines ungünstigen Verlaufes. Asthmatiker sollten aufs Rauchen (auch passives Rauchen) verzichten und auf eine Vermeidung von Stress, Dämpfen, Pollen und Luftverschmutzung achten. Die Basisbehandlung ist das Einatmen (Inhalieren) von kortisonhaltigen Sprays. Dies ist abhängig von der Häufigkeit der Symptome. Ab zweimal wöchentlich sollte regelmäßig ein- bis zweimal täglich die Inhalation erfolgen.

Welche Therapie-/Behandlungsmöglichkeiten haben Sie als Arzt bei Asthma? Wie wichtig ist eine rechtzeitige Behandlung?

Die Behandlung sollte so früh wie möglich beginnen, und es sollte so viel wie nötig getan werden, um einen schlechten Verlauf zu vermeiden. Es gibt noch weitere inhalative Medikamente zur Erweiterung der Bronchien.

Die Behandlung erfolgt hier als Stufentherapie, je nach Schmerzen der Erkrankung und des Verlaufes. Bei schwerem Verlauf und bei geringem Therapieerfolg der Standardmedikamente besteht in Fachkliniken/Fachpraxen zudem die Möglichkeit einer Biologika-Antikörpertherapie.

Was ist bei einem akuten Asthma-Anfall zu tun? In welchen Fällen sollte ein Arzt alarmiert werden?

Der Patient sollte in eine Position gebracht werden, die ihm das Atmen erleichtert: etwa sitzend mit leicht vorgebeugtem Oberkörper. Und natürlich sollten Betroffene erlernte Atemtechniken anwenden und schnell ihre Asthmamedikamente einnehmen.

Sofern sie dabei Unterstützung benötigen, ist es für die Helfer wichtig zu wissen: immer nur einen Hub aus dem Inhalator geben, vor dem nächsten einige Minuten warten. Betreuer sollten beruhigend auf den Asthmatiker eingehen. Denn Angst blockiert die Atmung zusätzlich. Kommt es bei einem akuten Anfall zur Blaufärbung von Lippen, Gesicht oder Händen muss umgehend der Notarzt verständigt werden. In einem solchen Notfall ist eine intensivmedizinische Betreuung mit intravenöser Gabe von Kortison und Maskenbeatmung dringend notwendig – es besteht Lebensgefahr! Nur im äußersten Notfall erfolgt eine maschinelle Beatmung mit Tubus.

Mit welchen Verhaltensweisen oder/und (Atem)-Übungen können sich Betroffene Erleichterung verschaffen? Ist Sport ist sinnvoll?

Oftmals haben Asthmatiker bestimmte Atemtechniken gelernt, um bei Luftnot effektiver atmen zu können, etwa die Lippenbremse: beim Ausatmen die Lippen locker aufeinanderlegen, sodass die Luft mit einem leichten Geräusch entweicht. Auf diese Weise atmet der Patient langsamer und länger aus. Schädliche Faktoren wie beispielsweise Rauchen, Übergewicht oder Pollen sollten Asthmatiker meiden. Regelmäßiger Ausdauersport – zum Beispiel Schwimmen, Atemphysiotherapie und audiovisuelle Programme wirken sich positiv auf die Erkrankung aus.

Kann man durch die Lebensweise Asthma vorbeugen? Stimmt es beispielsweise, dass Meeres- oder Bergklima sich günstig auswirken? Wirkt es sich schon positiv aus, für wenige Wochen im Jahr den Urlaub in einer klimagünstigen Region zu verbringen?

Ja und Nein. Es gibt Asthma-Patienten, die an der See so gut wie beschwerdefrei sind, andere bekommen schlechter Luft. Bei allergischem Asthma kann die See- und Bergluft als Reizklima dienlich sein. Staub, Pollen, Stadtluft werden dabei weitestgehend vermieden. Daher ist es immer gut, sich in klimagünstigen Regionen aufzuhalten – aber meist kommt man dann ja doch wieder zurück.  

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