Moderatorin Sabine Schneider berichtet ALS-Schülern von den Wegen, über die sie beim Radio landete

„Überlegt euch, worauf ihr Lust habt“

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Sabine Schneider in der gebannten und gut aufgelegten Schülerschar. Um sie herum Moderatoren der ALS-Akademie.

Korbach - Die 42. ALS-Akademie war wohl eine der lockersten, die je stattgefunden hat: Radio-Moderatorin Sabine Schneider berichtete, wie sie von einem Job in den nächsten „purzelte“ und mittlerweile seit über 20 Jahren beim Radio arbeitet.

1978 machte Sabine Schneider ihr Abitur an der Alten Landesschule. „Ich hatte damals total viele Hobbys und wollte auch, wie mein Vater, Medizin studieren“, erinnert sie sich. Doch dafür reichte ihr Abitur zunächst nicht. Also entschied sie sich für Logopädie. 1989 begleitete Schneider ihre Schwester nach Ungarn, dort verliebte sie sich in einen Radio-Moderator, der ihr einen Job beim deutschen Ferien-Radio besorgte. Schneider kündigte ihre Arbeit und blieb in Budapest. Bis sie kurz darauf vom Hessischen Radiosender FFH erfuhr. Dort arbeitet sie bis heute als freie Mitarbeiterin.

„Direkt ins Ohr brabbeln“

Nun kehrt sie an ihre alte Schule zurück, um Schülern der neunten Klassen Rede und Antwort zu stehen. Im Deutschunterricht hat die Klasse von Deutschlehrerin Barbara Jung die ALS-Akademie vorbereitet, einige Schüler haben sich bereit erklärt, die Moderation zu übernehmen.

Locker sitzt Sabine Schneider auf der Bühne, um sie herum Martha Schweitzer, Noah Schirmer, Jennifer Enss, Lara Nawroth und Doreen Anderson (alle 14 Jahre alt), die mit ihren Fragen schon in den Startlöchern stehen. Das Erste, was die fünf wissen wollen: Was die Vorzüge am Beruf der Moderatorin sind. „Radio ist sehr, sehr schnell und spannend. Wenn etwas passiert, müssen wir spontan eine ganze Sendung umschmeißen“, erklärt Schneider.

Gerade in solchen Situationen müsse man einen klaren Kopf bewahren können. Außerdem „brabbele“ man den Menschen direkt ins Ohr, sei nah an ihnen dran. Das gefällt der freiheitsliebenden Frau. „Heute verdiene ich mein Geld mit dem, wofür ich früher aus dem Unterricht geflogen bin: ich kommentiere Dinge und reiße auch mal Witze“, sagt sie lachend. Und manchmal müsse man sich eben auch zum Affen machen.

Traumberuf Moderatorin?

Der Bezug zu den Schülern ist sofort da. Schneider bietet ihnen direkt das Du an - sie möchte keine Lehrerin sein, sondern als Sabine von ihrem Werdegang erzählen. Und auch, wenn der Beruf der Moderatorin traumhaft klingt - für Schneider war es nie ihr Traumberuf.

Sie sei glücklich mit dem, was sie mache. Sie hat ihre eigene Sendung, kann über die Themen mitentscheiden und hat sich über die Jahre ein gutes Honorar als freie Mitarbeiterin erarbeitet. Einen festen Vertrag lehnt Schneider ab. Sie möchte sich nicht so sehr binden. Aber sie weiß ebenso um Kollegen, die ihr ganzes Leben lang zum Radio wollten und es eben nicht so weit geschafft haben. Und sie beichtet auch, dass man als Moderatorin ein dickes Fell brauche. „Durch die sozialen Netzwerke bekommst du direkte Kritik. Teilweise ist das gut, ich bewerte meine Sendung ja auch regelmäßig, aber manchmal wird es eben auch persönlich. Das muss man wegstecken können. Und wir sind in der freien Wirtschaft. Da herrscht natürlich Konkurrenzdruck, auch im Sender“, erklärt Schneider.

Sie ist rückblickend froh, dass alles in ihrem Leben so gekommen ist. „Ich bin ein sehr flexibler Mensch und habe mich treiben lassen. Ich bin quasi gereist, ohne wirklich das Ziel zu kennen. Irgendwie hat es immer geklappt, aber das war Glück“, beschreibt die Moderatorin. Sie selbst habe sich nie Gedanken über ihre Zukunft gemacht - heute rät sie genau das den Kindern. „Redet mit Freunden über das, was ihr gut könnt. Überlegt bewusst, worauf ihr später Lust habt.“

Wohin ihre Reise geht, weiß Schneider noch nicht. Erst einmal möchte sie für ihre Eltern da sein, ihre Mutter erkrankte letztes Jahr. Aber sie kann sich durchaus vorstellen, später nach Afrika zu gehen oder wieder als Logopädin zu arbeiten. „Man sollte seine Träume leben und nicht warten, bis es zu spät ist.“ Sabine Schneider ist eben ein Freigeist.

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