Das Nachwuchsbläser-Ensemble bezauberte mit Feuerwerksmusik und Titanic-Hymne.

Überraschungen und was zum Lachen

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„Macht hoch die Tür“ als nahtloser Übergang von innig-getragen bis zum beschwingten Psalm in Jazz: der Kammerchor der Alten Landesschule.

Korbach. - Mit der ein oder anderen Überraschung warteten die jungen Musiker der Alten Landesschule beim Adventskonzert in der Kilianskirche auf.

Zu hohe Erwartungen an Weihnachten und unvermeidliche Enttäuschungen waren ein Thema der besinnlichen Ansprache von Schulleiter Robert Gassner, der ebenso wie Pfarrer Heßler die Sinne der Anwesenden in der sehr gut besuchten Kilianskirche für die leicht übersehenen wahren Weihnachtswunder schärfen wollte. Eventuelle Enttäuschungen bei den musikalischen Darbietungen aus den unterschiedlichsten Stilrichtungen waren kein Thema, trotzdem gab es die eine oder andere angenehme Überraschung im Programm, die nachhaltig im Gedächtnis bleiben wird.

Etwa das Violinsolo von Pascal Eiselt im „Largo“ von Antonio Vivaldis Winter, dessen sanfter und satter Strich über dem tröpfelnden Pizzicato der anderen Geigen schwebte. Das Streicherensemble unter der Leitung von Dennis Knoche hatte seinen Auftritt mit einer brillant austarierten Interpretation von Pachelbels Kanon D-Dur eröffnet, die sich von der vergleichsweise eckigen Cello-Eröffnung zu einem mehr und mehr fließenden Klangbild steigerte. Und auch die spannungsvolle Wiedergabe von Bachs „Air“ blieb nicht hinter den Erwartungen zurück.

Schon zu Beginn des Weihnachtskonzerts hatte Dennis Knoche mit dem Nachwuchsbläserensemble und einer inspirierten Interpretation der Ouvertüre zu Händels Feuerwerksmusik die musikalische Messlatte hoch gelegt und den starken Auftritt mit der stimmungsvollen Titanic-Hymne mit obligatem Nebelhornsolo wirkungsvoll abgerundet.

Für ihr Debüt in neuer Besetzung hatte die Blech- und Holzbläsergruppe unter der Leitung von Michael Kuhaupt Beethovens „Freude schöner Götterfunke“ aufs Programm gesetzt und lud mit „Jingle Bells“ zum Interpretations- und Instrumentationsvergleich ein. Denn das Gitarrenensemble spielte den Weihnachtsklassiker in einer Version für zwei Gitarrengruppen, die sich zuvor mit „Alle Jahre wieder“ und „Gubben Noak“ vorgestellt hatten.

Viel zu lachen gab es zuvor beim Auftritt des Unterstufenchors und den Interviews mit den Hauptpersonen von Olaf Schillmöllers Musical „Weihnachten wird aufpoliert“, als der unvermittelt obdachlos gewordene Josef ziemlich unverblümt aussprach, dass er angesichts der anderen Umstände seiner Verlobten alles andere als begeistert über seine Situation sei: „Das Kind ist nicht von mir.“ Auch die Heiligen Drei Könige, die nur zu zweit von der Shoppingtour für das Christkind zurückkommen, tragen im Musical, das den Streit zwischen Traditionalisten und Aktualisierern witzig auf den Punkt bringt, zur heiteren Verwirrung bei. Zwei Aufführungen stehen noch ins Haus: heute in der Markuskirche und morgen im Haus der Gemeinde von Sankt Marien, jeweils um 18 Uhr, der Eintritt ist frei.

Zwei Tage zuvor hatte der gemischte Chor unter der Stabführung von Bernhard Uteschil mit Werken von Dietrich Buxtehude, John Rutter und Christoph Noetzel schon seinen großen Auftritt in Sankt Marien gehabt, trotzdem ließ sich bei der „Zugabe“ in der Kilianskirche noch mal eine Steigerung feststellen: Die drei Chorsätze aus Buxtehudes Kantate „Alles, was ihr tut“ klangen noch knackiger und prägnanter, John Rutters „Candlelight Carol“ mit dem Engelsgesang noch inniger.

Insofern geriet auch der musikalische Schluss-Stein zu den großartigen Überraschungen des Abends. Der Kammerchor unter der Leitung von Silvia Grebe zeigte bei der weihnachtlichen Trilogie seine Meisterschaft bei den feinen Differenzierungen, rhythmisch präziser Umsetzung des Notentexts und nahtlosen Übergängen. Dabei erwies sich die aufgelockerte Version des sonst eher statisch wirkenden Kirchenliedes „Macht hoch die Tür“ als musikalischer Vermittler zwischen dem Anbetend-Innehalten von Bachs „Wie soll ich dich empfangen?“ und J. M. Michels jazziger Vertonung von Psalm 96 („Singt dem Herrn ein neues Lied).

Bei Händels jauchzender „Tochter Zion“ ließ das Blechbläserensemble zum Abschluss den vollen Glanz aufblitzen, doch auch bei den gedämpfteren Renaissanceklängen von „La Mourisque“ und „Alta Trinita Beata“ wirkte die Magie des warmen Blechbläserklangs auf Anhieb.

Am Ende des Konzerts waren aufmerksame Eltern wie Musikfreunde gleichermaßen begeistert und vielleicht auch besser auf die oft leicht überhörten feineren Noten des Weihnachtsgeschehens eingestimmt.

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