Korbach

Überwältigende Unterstützung für Julian

- Die Zahl an Menschen, die am Samstag zur Typisierung ins Korbacher Bürgerhaus kamen und damit ihre Unterstützung bekundeten und Hilfe für Julian anboten, war überwältigend: 2648 ließen sich in der Spenderkartei aufnehmen.

Korbach. „Die Zahl der Spender hat unsere Erwartungen überschritten“, sagte Thomas Berg, Vorsitzender der Kinderkrebshilfe Waldeck-Frankenberg, am Samstagabend auf Nachfrage der WLZ: „Wir sind mehr als zufrieden. Es ist wie die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen, den passenden Spender zu finden. Doch da sich so viele Menschen typisieren ließen, steigt die Chance, das einer dabei ist, der als Spender für Julian in Frage kommt“, unterstrich er. Der 14-jährige Julian leidet seit vergangenem September am Non-Hodgkin-Syndrom, einer bösartigen Erkrankung des lymphatischen Systems. Er benötigt dringend eine Stammzellenspende. Daher hat die Kinderkrebshilfe Waldeck-Frankenberg zusammen mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) die Waldeck-Frankenberger im Alter zwischen 17 und 55 Jahren dazu aufgerufen, sich typisieren zu lassen. 2648 sind dem Aufruf gefolgt – und das Pflaster am Arm wurde beinahe zum Erkennungszeichen von Solidarität und Unterstützung. Der Andrang ins Bürgerhaus war bereits ab 9 Uhr morgens groß. Phasenweise mussten sich die Spender anstellen; die Warteschlange reichte bis vor den Ausgang. Feuerwehrleute, Polizisten, Motorradfahrer in Lederkluft, Mitarbeiter verschiedener Firmen, etwa von Conti, die noch in ihrer Arbeitsmontur waren, Politiker, Mütter, Väter, Schwestern und Brüder, Onkel und Tanten, sehr viele junge Frauen und Männer, Schülerinnen und Schüler, die die für eine Typisierung notwendigen 17 Jahre erreicht hatten – all sie kamen aus dem gesamten Kreisgebiet am Samstag ins Bürgerhaus, um sich typisieren zu lassen und damit ihre Hilfe anzubieten. „Das ist Waldeck-Frankenberg - auf den Zusammenhalt kann man nur stolz sein“, unterstrich Berg. Nach der Anmeldung im Erdgeschoss folgte im großen Saal in der oberen Etage des Bürgerhauses die Abnahme der Blutprobe. Mehr als 120 Helfer hatten sich gemeldet, um ehrenamtlich bei den Formalien zu helfen und Blut abzunehmen, darunter Dutzende Krankenschwestern- und Pfleger, Rettungsassistenten, Arzthelferinnen, Ärztinnen und Ärzte. Während sie im Bürgerhaus für einen reibungslosen Ablauf sorgten, waren Mitschüler von Julian von der Klasse 8a der MPS Sachsenhausen auf der Festmeile beim Altstadt-Kulturfest unterwegs, um mit Plakaten weitere Frauen und Männer zur Typisierung für ihren Klassenkameraden aufzurufen. Auch die Drums&Pipes First Guards of St. Kilian machten Werbung für die gute Sache, indem sie am Nachmittag vor dem Bürgerhaus aufspielten. Die Bereitschaft, Geld zu spenden, war nach Angaben von Thomas Berg ebenfalls groß. Viele Menschen hatten Beträge auf das Konto der Kinderkrebshilfe Waldeck-Frankenberg überwiesen, damit die Typisierung finanziert werden kann, denn die Untersuchung einer Blutprobe kostet rund 50 Euro. Und die große Spendenbox, die im Anmelderaum stand, wurde zweimal geleert, erklärte Thomas Berg. „Die Leute sind sensibilisierte. Jeder denkt, es könnte mein Kind sein – und so ist Bereitschaft zu helfen hoch“, freute sich Heinz Friedewald über den Andrang. Melanie Tahernia zum Beispiel hatte den Spendeaufruf im Kindergarten gesehen und war mit ihrer ihrer kleinen Tochter Samira gekommen, um sich typisieren zu lassen: „Gerade, wenn man selbst Kinder hat, ist es einem umso wichtiger, zu helfen,“ sagte sie.

Mit den Worten „Ich wünsche, dass ich helfen kann – und dass das jemand auch für mich machen würde“, beschrieb die 20-jährige Anna-Lena Leyhe aus Berndorf ihre Motivation, sich in die Spenderdatei aufnehmen zu lassen. Auch Kerstin Köhler, die Mutter des schwererkrankten Julian, hat Blut abgegeben. Als Stammzellenspenderin für ihren Sohn komme sie zwar nicht in Frage, sei untersucht worden, doch vielleicht werde ihre Spende woanders gebraucht. Nach Angaben von Thomas Berg wird es vier bis sechs Wochen dauern, bis alle vorhandenen Blutproben im Labor ausgewertet sind. Bei einer Übereinstimmung wird der Spender erneut gefragt, ob er bereit ist, Stammzellen abzugeben.

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