Korbach erhält Auszeichnung zur Fair Trade Stadt, will sich aber nicht darauf ausruhen, sondern weit

Überzeugungsarbeit beginnt im Herzen

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„Steh auf, beweg dich, denn schon ein erster Schritt verändert dich“, rufen die Kinder des Projektchors. – Bild unten: Die Fair-Trade-AG bietet Produkte an; im Hintergrund ist eine Ausstellung zum Thema fairer Handel in den lokalen Medien zu sehen.

Korbach - Mit „my fair Ladys and Gentlemen“ begrüßt Manfred Holz die etwa 150 Korbacher im Bürgerhaus. Der Ehrenbotschafter für „TransFair“ ist gekommen, um die Hansestadt zur „Fair Trade Stadt“ zu adeln.

Nun ist es also geschafft, nach einem Jahr der Vorbereitungszeit hat Korbach offiziell alle Kriterien erfüllt, um zur Riege der „Fair Trade Städte“ zu gehören. Weltweit sind sie in 23 Ländern zu finden, in Deutschland ist Korbach die 195. Stadt.

Im Jahr 2009 rief „TransFair“ die Aktion ins Leben. Der Verein vergibt das Fair-Trade-Siegel, handelt aber nicht selbst mit Waren. Das Ziel des 1992 gegründeten Vereins ist es, dass Waren zu gerechten Preisen und unter gerechten Bedingungen hergestellt und verkauft werden. Dazu gehören faire Löhne, klare Strukturen, die Förderung von kleinen Plantagen und besonders der Blick auf die Nachhaltigkeit im sozialen Bereich und der Umwelt.

Als Ehrenbotschafter ist Manfred Holz gestern gekommen. „Korbach spielt ab heute in der Champions League“, ruft er den Hanseaten im Bürgerhaus zu. Die Kreisstadt steht nun in einer Liste mit London, Manchester, Rom, Paris und Madrid.

Um ausgezeichnet zu werden, musste die Kreisstadt fünf Kriterien erfüllen. An erster Stelle stand der Ratsbeschluss zur Bewerbung, der 2012 gefasst wurde. Die zweite Auflage war die Bildung einer Steuerungsgruppe, die Bürgermeister Klaus Friedrich ins Leben rief. Drittens mussten der Einzelhandel und die Gastronomie mit ins Boot geholt werden, was Korbach mit 17 Geschäften und vier Gastronomiebetrieben klar erfüllt. Ein weiterer Punkt ist das Angebot von Fair-Trade-Produkten in Schulen, Vereinen und Kirchen. Die Korbacher Schulen nutzen das reiche Angebot wie die Bildungssäulen oder Aktionen im Eine-Welt-Laden schon rege, und an der Alten Landesschule besteht sogar eine „Fair-Trade-AG“, die auch bei der Auszeichnung gestern auf einem Stand die Fülle der Produkte zeigte. Trotzdem sehen Franz Harbecke, Vorsitzender der „Eine Welt Initiative“, und Bürgermeister Klaus Friedrich hier noch Handlungsbedarf, vor allem im öffentlichen Bereich, um die fairen Produkte weiter zu etablieren.

Die fünfte Auflage ist die Medienpräsenz der Initiative. Das Bewusstsein zur Nachhaltigkeit soll unter die Menschen gebracht werden.

„Es ist wunderbar, Ihren Tatendrang zu sehen“, bedankt sich Manfred Holz für das geballte Engagement, er lobt Überzeugungskraft und Durchhaltevermögen. Gerade, dass die Jugend stark einbezogen werde, begeistert ihn und dabei schaut er auch auf den Projektchor von Olaf Schillmöller. Und sein Blick geht auch hinüber zu Papillon und Cecile Placktor, die mit togolesischen Trommeln dem Abend ein besonderes Flair einhauchen, und zum reichhaltigen Buffet der „KostBar“.

An der Entwicklung des Fairen Handels in Korbach ist Franz Harbecke nicht ganz unschuldig. Er gehört zu den Männern der ersten Stunde und wirft einen Blick auf die vielen Aktionen der 1979 gegründeten Initiative, wie die Beteiligung an den fairen Wochen.

Stolz sind sie, die Mitglieder der Steuerungsgruppe, dass Korbach nun offiziell „Fair Trade Stadt“ ist. „Überzeugungsarbeit beginnt im Herzen“, ist sich der Bürgermeister sicher. Und deshalb macht auch die Arbeitsgruppe weiter. Der faire Handel ist nicht länger ein Nischenthema, sondern greif- und erlebbar in Korbach. (nsch)

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