Vorträge und Workshops beim 7. Nordhessischen Hospizforum der Diakonie Hessen in Asel

Vom Umgang mit den Grenzen des Lebens

Vöhl-Asel - Für eine palliative Grundversorgung, die dafür sorgt, weit „mehr als nur die medizinischen Fragen am Lebensende zu betrachten“, hat sich Professor Andreas Heller beim 7. Nordhessischen Hospizforum ausgesprochen.

Der Leiter des Internationalen Universitätslehrgangs Palliative Care an der Alpen-Adria-Universität Wien/Klagenfurt sprach am Freitagabend zur Eröffnung der dreitägigen Veranstaltung und warf in seinem Referat einen aufschlussreichen Blick auf die Geschichte der Hospizbewegung in Deutschland. Das Leitthema der Tagung: „Hospizarbeit im Spannungsfeld von Ehrenamtlichkeit und Professionalisierung“ wurde in Vorträgen von renommierten Experten und in Workshops (Tanz- und Musiktherapie, „Empathie, Mitleid, Professionalität“) von mehr als 100 Teilnehmern aus ganz Hessen aufgegriffen. Veranstalter des Treffens, das bis Sonntag in den Räumen des Gemeinschaftswerks der Evangelisch-Lutherischen Gebetsgemeinschaften in Asel stattfand, war die Arbeitsgemeinschaft Hospizarbeit und Sterbebegleitung der Diakonie Hessen.

In den vergangenen vier Jahrzehnten hat die Hospizbewegung die Grenze von Leben und Tod in einer neuen Bezugnahme thematisiert: Ausgehend von dieser These nahm Heller die Geschichte einer „sozialen Bewegung“ unter die Lupe, die sich in Deutschland allerdings erst mit einer erheblichen Verzögerung Ende der 1970er Jahre formiert hatte. Die Gründe dafür verortete Heller in der jüngeren deutsch-österreichischen Geschichte. Die kollektive Traumatisierung als Folge einer verschleppten Aufarbeitung von Holocaust und nationalsozialistischen Euthanasie-Massenmorden habe „die Deutschen daran gehindert, sich mit Themen wie Tod und Trauer zu beschäftigen“.

Dass Menschen „Zugang zu ihren eigenen Gefühlen bekommen“, bezeichnete er als wichtigen sozialpsychologischen Gewinn der Hospizarbeit. Der Umgang mit der Grenze des Lebens kann und sollte nicht an Experten delegiert, sondern Teil eines zivilgesellschaftlichen Diskurses werden, führte Heller aus. „In Ruhe sterben“ heißt sein neuestes Buch, das er zusammen mit dem Gießener Theologen und Sozialwissenschaftler Professor Reimer Gronemeyer verfasst hat. Darin fordern sie: „Wir brauchen keine neuen Versprechen der Pharmaindustrie, keine endlosen Therapieversuche, keine neuen technischen Verfahren. Stattdessen muss die Medizin endlich in die Schule des Sterbens gehen und lernen, dass Sterben und Tod zum Leben gehören.“ Voraussetzung dafür sei ein Gesundheitswesen, „das sich an den Bedürfnissen der Menschen und nicht an den Kalkulationsmodellen der Kliniken orientiert.“Professor Andreas Heller studierte Theologie, Philosophie und Soziologie, ehe er sich den Gesundheits- und Pflegewissenschaften zuwandte. Er promovierte 1988. Elf Jahre später folgte die Habilitation. 2007 wurde der 1956 im Rheinland geborene Wissenschaftler zum Professor auf den ersten Lehrstuhl für Palliative Care und Organsiations-Ethik in Europa berufen.

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