Beratungen nehmen zu – Rassismus-Experte sprach in Korbacher Gymnasium

Umgang mit Rechtsextremisten: Immer mehr Menschen fragen nach Hilfe

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Im Gespräch mit Schülern der Alten Landesschule in Korbach: (von links) Hannah Köhler, Ramón Weinreich, Referent Manuel Glittenberg, Tim Schens und Mattis Wiesemann.

Korbach. Immer mehr Menschen in Hessen suchen im Umgang mit Rassismus Hilfe. Das „Beratungsnetzwerk Hessen – gemeinsam für Demokratie und gegen Rechtsextremismus“ registrierte 2017 so viele Beratungen und Präventionsangebote wie noch nie seit der Gründung im Jahr 2007.

Hintergrund seien nicht zwingend mehr Vorfälle, sondern vor allem eine höhere Akzeptanz und Verbreitung des Hilfsangebotes. Das von Land und Bund geförderte Netzwerk berät Kommunen, Vereine, Schulen sowie Opfer von Extremismus und Rassismus.

Im Landkreis ist das Netzwerk für Toleranz Partner der hessenweiten Beratungsstelle. Koordinatorin Ursula Müller sagt, dass sich die Wortwahl stark verändert habe. „Es wird, gerade in der Flüchtlingspolitik, ein Vokabular verwendet, das niemals hätte wieder benutzt werden dürfen. Daher ist es wichtig, aktiv für das demokratische System zu werben.“ Zuletzt sei vieles kaputtgeredet worden. Müller: „Wir spüren daher schon, dass unsere Angebote zur Demokratieförderung und zum Abbau von Vorurteilen immer stärker gefragt sind.“

Dass der Bedarf an Informationen zum Umgang mit Rechtsextremismus zunimmt, zeigte gestern auch ein Vortrag in der Alten Landesschule in Korbach. Dort sprach der Soziologe Manuel Glittenberg (31). Gegenüber unserer Zeitung machte er auch deutlich, wie Schüler, Lehrer und Vereinsmitglieder reagieren sollten, wenn sie in ihrem Umfeld rechtsextreme Tendenzen bei anderen Menschen feststellen.

Interessierte Zuhörer: Schüler der Alten Landesschule in Korbach verfolgten den Vortrag des Rechtsextremismus-Experten Manuel Glittenberg und hatten zudem einige Fragen an den Referenten.

„Wenn Mitschüler oder Vereinskollegen im Beisein anderer rechte Positionen vertreten, empfehle ich, sich an dieser Diskussion nicht zu beteiligen. Sonst bekommen die Botschaften des Gegenübers noch mehr Raum.“ Allerdings solle man nicht wortlos die Runde verlassen. „Wichtig ist, klar zu machen, dass rechte Positionen in keiner Weise mit den eigenen Wertvorstellungen zu vereinbaren sind.“

Das ist Manuel Glittenberg

Manuel Glittenberg (31) studierte Politikwissenschaft und Soziologie in Gießen und Frankfurt am Main. Er arbeitet gegenwärtig in der politischen Bildung, unter anderem berät er als Soziologe und Rechtsextremismus-Experte Schulen, Vereine und andere Institutionen zum Umgang mit Antisemitismus und Rassismus. Glittenberg hält Vorträge dort, wo sich derzeit auch die Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ der Friedrich-Ebert-Stiftung befindet. 

Ausstellung zur Stärkung der Demokratie an der ALS

Die Ausstellung „Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“ des Landesbüros Hessen der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt auf insgesamt 16 Tafeln die Gefahren auf, die vom Rechtsextremismus für die Demokratie und Menschenwürde ausgehen. Sie stellt die Grundlagen für rechtsextremes Verhalten und Einstellungen dar und zeigt, welche Formen rechtsextreme Weltbilder und Argumentationsweisen annehmen können. Die Ausstellung ist noch bis Freitag, 28. September, in der Alten Landesschule in Korbach zu sehen. Montag bis Freitag ist sie in der Zeit von 8 bis 17 Uhr auch für die Öffentlichkeit zugänglich. 

Was die Schülerinnen und Schüler in der Diskussion mit dem Rechtsextremismus-Experten noch für Fragen hatten, lesen Sie in der gedruckten Donnerstagsausgabe der WLZ am 20. September

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