Korbach

„An unserem Tisch ist für alle Platz“

- Korbach (resa). Es gehört zu ihrer Identität und zu ihrer Erinnerung: Viele Korbacher, deren Wurzeln in der Sowjetunion liegen, feiern heute „Roschdestwó“ – die Geburt Jesu. Im Julianischen Kalender nämlich fällt Weihnachten auf den 7. Januar.

Es duftet nach gebackenem Huhn, nach Früchten und Sirup. Lidija Bakumenko öffnet zufrieden den Ofen. „Gleich ist es so weit“, sagt sie auf ihrer russischen Muttersprache und beginnt zu servieren. Kutjá, ein Getreidegericht mit Rosinen, Sirup und Obst, den Honigkuchen „Medowik“, das Hühnchen, frisches Brot und eine lange Liste an Köstlichkeiten trägt sie auf. Schließlich ist für Lidija Bakumenko und Viktor Potapov heute ein Festtag. Beide sind gebürtige Ukrainer und brachten, als sie vor acht Jahren nach Deutschland kamen, ihre eigene Geschichte und Tradition mit. Und am 6. Januar wird „Sotschélnik“ gefeiert, der Heilige Abend, am 7. Januar dann „Roschdestwó“: Das war immer so und das bleibt auch so. Nach dem julianischen Kalender nämlich, den die russisch-orthodoxe Kirche weiterhin pflegt, fällt das Weihnachtsfest auf diese Januartage.

„Wenn wir die Feste unserer Eltern und unserer Kultur pflegen, geht es dabei auch um unsere Würde“, sagt Lidija Bakumenko, „denn die alten Feste gehören zu unserer Identität“. Ebenso dazu gehört inzwischen aber auch das deutsche Weihnachtsfest am 24. Dezember. „Das feiern wir auch, schließlich leben wir hier“, sagt Lidija Bakumenko. „Und wer lehnt schon eine zusätzliche Gelegenheit zum Feiern ab“, schmunzelt ihr Mann Viktor Potapov. Den 7. Januar aber feiern beide mit Leib und Seele: Damals wie heute geht es dem Korbacher Paar neben der christlichen Botschaft an den russischen Weihnachtstagen um Gemeinschaft. „Wir laden Freunde ein, besuchen Verwandte, rufen unsere Kinder in der Ukraine an und verbringen die Tage mit lieben Menschen“, sagt Lidija Bakumenko. Und aus ihrem freundlichen Gesicht spricht eine Gastfreundschaft, die einem nur selten begegnet. „An unserem Tisch haben heute alle Platz“, sagt sie, „egal, in welchem Land sie geboren wurden, egal, wer sie sind“. So kennt sie das Weihnachtsfest, so pflegt sie es und so bereichert sie auch die Menschen in ihrer neuen Heimat, lädt sie ein über den eigenen kulturellen Horizont hinaus zu blicken.

Merh lesen Sie in der WLZ vom Freitag, 7. Januar

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare