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Unter den besten vier in Deutschland: Korbacher Rathaus nominiert

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Von: Philipp Daum

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Kann den Deutschen Nachhaltigkeitspreis gewinnen: Das Korbacher Rathaus. Der Neubau wurde nach dem Urban Mining Prinzip umgesetzt. Hierbei werden Rohstoffe, die sich bereits in unserer Umwelt befinden, im Wertstoffkreislauf gehalten.
Kann den Deutschen Nachhaltigkeitspreis gewinnen: Das Korbacher Rathaus. Der Neubau wurde nach dem Urban Mining Prinzip umgesetzt. Hierbei werden Rohstoffe, die sich bereits in unserer Umwelt befinden, im Wertstoffkreislauf gehalten. © Marcus Althaus

Vier deutsche Bauprojekte haben sich bei der Bewerbung um den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur 2022 durchgesetzt. Das Korbacher Rathaus ist eines davon.

Mit dem Abriss und Neubau des Verwaltungsgebäudes an der Stechbahn wurden erstmals die Möglichkeiten des Urban Mining und des kreislaufgerechten Bauens für ein Bauwerk in Massivbauweise untersucht.

Beim Urban Mining geht es darum, Rohstoffe, die sich bereits in unserer Umwelt, in den Städten oder alltäglichen Produkten befinden, im Wertstoffkreislauf zu halten.

Ob der Preis letztlich auch nach Korbach geht, entscheidet sich beim Deutschen Nachhaltigkeitstag, der am 1. und 2. Dezember in Düsseldorf stattfindet.

Für das Modellprojekt in Korbach, das nun für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis nominiert worden ist, wurden bereits im Vorfeld des Neubaus die Massen der aus dem Rückbau zurückzugewinnenden Baustoffe ermittelt und auf ihre Recyclingfähigkeit hin untersucht. Proben der mineralischen Bausubstanz wurden dabei labortechnisch geprüft, um die Eignung für den Wiedereinsatz festzustellen.

6000 Tonnen Beton aus dem Rückbau wurden schließlich in den Neubau überführt – dafür wurden die Materialien sorgfältig getrennt. Die mineralischen Abbruchmaterialien wurden ortsnah aufbereitet und im Anschluss zu ressourcenschonendem Beton (R-Beton) verarbeitet. Verantwortlich für den gesamten Prozess und den Rathaus-Neubau war die Arbeitsgemeinschaft agn-heimspielarchitekten aus Münster.

Doch damit nicht genug: Zugunsten eines recyclingfähigen Sichtbetons wurde beim Rathaus-Neubau auch auf Putz verzichtet. „Anhand der einzelnen Bauteile ist erkennbar, dass wir den Fokus so gelegt haben, dass die Materialien wieder sortenrein getrennt und im Wertstoffkreislauf wiederverwertet werden können“, erklärt Marc Matzken von der Arbeitsgemeinschaft agn-heimspielarchitekten

Bei dem Modellprojekt kam erstmals der so genannte Urban-Mining-Index zur Anwendung. Über den gesamten Lebenszyklus werden dabei alle eingesetzten Baustoffe und die daraus resultierenden Wertstoffe hinsichtlich ihrer Nachnutzung bewertet.

Parallel zu dem Planungsauftrag hat die Arbeitsgemeinschaft im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz das Gutachten „Ressourcenschonendes Bauen am Beispiel Rathaus Korbach“ erstellt. Ziel war letztlich die Entwicklung eines „Leitfadens für ressourcenschonendes Bauen im Land Hessen“, daher wurde die Baumaßnahme auch mit öffentlichen Mitteln aus verschiedenen Programmen gefördert.

Das sagt der Bürgermeister zur Nominierung

„Wir freuen uns und sind auch ein wenig stolz, dass wir für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis Architektur für das Jahr 2022 nominiert wurden. Dies honoriert unsere Bemühungen um die Nachhaltigkeit beim Bau des neuen Rathauses, indem wir das Bestandsgebäude als Rohstoffquelle genutzt haben und bereits heute an die sortenreine Trennbarkeit der Wertstoffe im Falle eines späteren Um- oder Rückbaus denken“, sagte der Korbacher Bürgermeister Klaus Friedrich auf Anfrage unserer Zeitung.

Klaus Friedrich, Bürgermeister in Korbach
Klaus Friedrich, Bürgermeister in Korbach © PR

Die Nominierung für den Deutschen Preis zeige aber auch, dass die Bemühungen der Stadt Korbach um die Nachhaltigkeit in allen Bereichen kommunalen Handelns entsprechend wahrgenommen und anerkannt werden. „Weitere Impulse werden hierbei sicherlich auch durch die Teilnahme Korbachs an dem landesweiten Projekt ‚Globale Nachhaltige Kommune‘ entstehen“, betonte Friedrich.

Das sind die weiteren Nominierten

Für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis sind neben dem Rathaus in Korbach auch noch folgende drei Bauprojekte in Deutschland nominiert:

- Erweiterungsbau des Landratsamts Starnberg in Bayern. Honoriert wurde hier unter anderem der behutsame Umgang mit dem Bestand.

- Neubau der Integrierten Gesamtschule in Rinteln in Niedersachsen. Das Schulgebäude zeichnet sich laut Jury außen wie innen durch die konsequente Umsetzung einer Holz-Beton-Hybridbauweise aus.

- Hotel Wilmina in Berlin. Hierbei handelt es sich um eine Konversion einer denkmalgeschützten Baustruktur – einem ehemaligen Gerichtsgebäude und Frauengefängnis.

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