Projekt der  Industrie- und Handelskammer in Korbach

Unternehmer berichten Gymnasiasten der Alten Landesschule über ihren Werdegang

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Ein Unternehmer als Lehrer: Fisseler-Geschäftsführer Dr. Michael Pielert stellte gestern Gymnasiasten eines Grundkurses „Politik und Wirtschaft“ an der Alten Landesschule seinen Werdegang vor und gab Tipps für anstehende Berufsentscheidungen.

Korbach.  Beim Projekt „Unternehmer als Lehrer“ informieren Geschäftsführer oder Chefs heimischer Firmen am Mittwoch für zwei Schulstunden Gymnasiasten der Jahrgangsstufe 11 an der Alten Landesschule über ihren Werdegang und ihre Firmen.

Interesse an einem Beruf? Dann sollten die Schüler einfach ein Praktikum in den Ferien vereinbaren, riet Dr. Michael Pielert. Bis 2001 büffelte er als Gymnasiast an der Alten Landesschule, nach Abitur, Ausbildung und Studium wurde er Geschäftsführer der alteingesessenen Korbacher Baufirma Fisseler. Am Mittwoch zog es ihn in seine alte „Penne“ zurück: Als Unternehmer gab er dem Grundkurs „Politik und Wirtschaft“ von Jürgen Noebel Einblicke in seinen Werdegang und gab Tipps für die Berufswahl. 

Mit drei weiteren Unternehmern schlüpfte er in die Rolle von Lehrern – mit diesem Projekt will die Industrie- und Handelskammer Schülern Einblicke in die Welt der Wirtschaft vermitteln. 

Schon seit etwa zehn Jahren läuft das Projekt an der Alten Landesschule. Die Industrie- und Handelskammer in Korbach organisiert es, sie bietet es auch anderen Schulen an. 

Am Mittwoch besuchten die Unternehmer rund 100 Jugendliche der Q1 in einem Leistungs- und drei Grundkursen „Politik und Wirtschaft“ – sie gehören zum letzten Jahrgang, der das Abitur nach zwölf Jahren ablegt. 

Betriebe und Chefs kennenlernen

Das Projekt habe zwei Ziele, erläutert der Fachbereichsleiter für Gesellschaftswissenschaften, Jürgen Noebel: 

  •  Die Schüler sollen Unternehmer und ihren beruflichen Werdegang kennenlernen, 
  • die Schüler sollen Einblicke bekommen in Firmen und in deren Arbeitsbedingungen. 

Die Rückmeldungen bei Schülern und Unternehmern seien positiv, sagt Noebel. Das Projekt sei für die Schule ein Baustein von vielen bei der Berufsorientierung – aber ein wichtiger.

Er wolle einen Erfahrungsbericht geben, sagte Dr. Pielert: „Wie haben Sie es gemacht?“ Neben der Berufswahl stünden noch weitere Entscheidungen an, etwa: Arbeit im Konzern oder im mittelständischen Unternehmen? Leben in der Großstadt oder in der Kleinstadt? Er sei trotz Auslandserfahrungen nach Korbach zurückgekehrt, berichtete er dem Kurs. 

Einfach ausprobieren

Beim Projekt „Unternehmer als Lehrer“ - von links: der ALS-Fachbereichsleiter für Gesellschaftswissenschaften, Jürgen Noebel, der Korbacher Steuerberater Dirk Bödefeld, Fisseler-Geschäftsführer Dr. Michael Pielert, Dr. Thorsten Dietmann von Continental und Peter Bielig von der Gesellschaft Energie Waldeck-Frankenberg.

Die Phase im Beruf sei die längste im Leben, betonte er. Deshalb müsse die Arbeit Spaß machen: „Ohne Freude können Sie nicht gut sein.“ Hilfreich sei der Tipp, viel auszuprobieren, sagte eine Schülerin zum Schluss. Ein Schüler nahm erfreut zur Kenntnis, dass es nicht allein auf gute Abi-Noten ankomme.

Spannende Diskussionen über Steuerhinterziehung und die dubiosen Cum/Ex-Geschäfte erlebte der Korbacher Steuerberater Dirk Bödefeld. Bei dem Thema seien die Schüler „hellwach“ geworden. 

Produktionschef Dr. Thorsten Dietmann von Continental war überrascht über die vielen Fragen der Schüler. „Sie haben sich gut vorbereitet.“ Im Vorfeld sollten sie sich über das Unternehmen informieren und ihrem „Gast-Lehrer“ einen Fragenkatalog zukommen lassen – die Themen hätten sie auch angesprochen. 

Peter Bielig von der Gesellschaft Energie Waldeck-Frankenberg stieg mit dem Thema „intelligente Stromzähler“ in die Diskussion ein. Dann erklärte er das Arbeitsumfeld und die vielfältigen Berufsfelder des Energieversorgers. Er verwies auf den technologischen Wandel, Mitarbeiter müssten sich ständig fortbilden: „Die Welt wird bunter.“ Auch seinen Werdegang stellte er den Schülern vor. 

Die wenigsten Jugendlichen hätten schon Vorstellungen gehabt, wohin es beruflich gehen sollte, stellte Dr. Pielert fest. Sein Fazit: „Als Schüler hätte ich mir gewünscht, so ein Projekt zu haben.“ (-sg-)

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