Bürgermeister Thomas Trachte fordert Schutz für gewachsene touristische Kernzone

„Upland muss Urlaubsregion bleiben“

Ein Unternehmen möchte fünf Windkraftanlagen im Bereich Eideler/Hermannsberg bauen. Hier finden bereits Windmessungen statt. Foto: Ulrike Schiefner

Willingen - „Das Upland und das Hochsauerland dürfen kein Windindustriegebiet werden, sondern müssen Urlaubsregion bleiben.“ Bürgermeister Thomas Trachte setzt alle Hebel in Bewegung, um die im Gemeindegebiet angedachte Ausweisung von Windvorrangflächen im geplanten Ausmaß zu verhindern.

„Ein großer Teil der Bevölkerung lebt direkt oder indirekt vom Tourismus“ - und dessen Zukunft sieht der Willinger Verwaltungschef in hohem Maße bedroht, falls es zu der im Entwurf des Teilregionalplans Energie Nordhessen vorgesehenen massiven Konzentration von Windkraftanlagen kommt. Wie bereits ausführlich berichtet, ist geplant, etwa sieben Prozent des Gemeindegebiets, also rund 560 Hektar, als Windvorrangflächen auszuweisen (Waldeckische Landeszeitung vom 14. März 2015).

Thomas Trachte hat in den letzten Wochen eine Vielzahl von Gesprächen mit den Nachbargemeinden auf nordrhein-westfälischer Seite geführt. „Die Bürgermeisterkollegen von Brilon, Olsberg, Winterberg und Medebach sind mit mir der Meinung, dass in der gewachsenen Tourismusregion Upland/Hochsauerland die touristischen Belange bei der Entscheidung über die Festlegung von Windvorrangzonen berücksichtigt werden müssen.“

Die Schönheit und der Reiz der Natur seien ein wichtiges Argument der Gäste für die Auswahl der Urlaubsregion. In einer technisch überzeichneten Landschaft machen die Menschen nach Überzeugung der Bürgermeister hingegen keinen Urlaub. „Wir können die Windvorrangzonen in der angedachten Konzentration nicht akzeptieren“, darüber sei er sich auch mit der Mitgliedern des Gemeindevorstands einig. „Einer der bedeutsamsten Tourismusregionen in Deutschland würden die wirtschaftlichen Grundlagen entzogen.“

Standortnachteil befürchtet

Das Gemeindeoberhaupt verweist in diesem Zusammenhang auf den naturnahen Aktiv- und Erholungstourismus, einen der Schwerpunkte im Willinger Angebot. „Zu den Bedürfnissen der Urlauber und Tagesgäste gehört ein attraktives, ruhiges und geschontes Landschaftsbild.“ Wenn diese grundlegende Forderung der Gäste nicht mehr erfüllt werde, komme es zu einem deutlichen Standortnachteil der Region im mittlerweile globalisiertem Wettbewerb.

Trachte hat die schwerwiegenden Bedenken auch im Kreishaus in Korbach erläutert. Er hat in dieser Woche zudem ein Gespräch mit der Verwaltungsspitze des Hochsauerlandkreises in Meschede geführt. „Wir müssen mit vereinten Kräften deutlich machen, dass für unser Gebiet sowohl bei der hessischen als auch bei der nordrhein-westfälischen Regionalplanung eine touristische Kernzone definiert und geschützt werden muss.“

Der Bürgermeister verdeutlicht im Gespräch mit der WLZ, dass nach Überzeugung des Gemeindevorstands nicht nur die touristischen und somit wirtschaftlichen Gründe gegen eine massive Konzentration von Windkraftanlagen sprechen. Er führt außerdem unter anderem Naturschutzbelange ins Feld. „Ein verantwortungsvoller und zukunftsorientierter Umgang mit der Umwelt sollte der Energiewende nicht uneingeschränkt untergeordnet werden.“

Drohende Umzingelung

Trachte spricht zudem die drohende Umzingelung des Kneippheilbads Willingen und des heilklimatischen Kurorts Usseln an. „Beide Orte sollen nach der augenblicklichen Planung in einem Sichtradius von mehr als 120 Grad von Windvorrangflächen umgeben werden. Das ist unzumutbar und würde eine außergewöhnliche Belastung darstellen.“

Aufgrund der großen Verantwortung, die auf seinen Schultern laste, wolle er den Rat von Juristen und Fachleuten aus dem Naturschutzbereich in die gemeindliche Stellungnahme einarbeiten, so der Willinger Verwaltungschef.

Von Ulrike Schiefner

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare