Hansestadt will bestehenden Supermärkten mehr Verkaufsfläche einräumen

Die verdienen hier gutes Geld

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„Nahversorger“ liegen in Korbach um die Innenstadt verteilt an den Wohngebieten – wie hier an der Arolser Landstraße. Die Stadt will an den Standorten mehr Verkaufsfläche ermöglichen.Foto: Demski

Korbach - Stärke und Schutz für die Innenstadt– das bleibt Leitlinie der Einkaufsstadt. Auch die „Nahversorger“ als Satelliten drumherum sollen dort bleiben, wo sie sind. Allerdings mit Möglichkeiten, ihre Verkaufsflächen künftig zu erweitern.

„Ich muss noch mal ein Lob aussprechen: Durch diese Struktur haben Sie eigentlich alles richtig gemacht“, betonte Markus Epple am Dienstagabend im Bauausschuss des Parlaments: „Andere Städte haben viel größere Probleme.“

Epple ist Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft „Markt und Standort“ (Erlangen) und seit über zehn Jahren mit der Korbacher Stadtentwicklung vertraut. In seinem Lob an die Adresse von Stadt und Parlament spielte Epple auf den immerwährenden Kampf an – zwischen Innenstadt und grüner Wiese, Kofferraum oder Einkaufstüte, Supermarkt oder „Tante Emma“ oder auch „Onkel Mustafa“. Denn in Großstädten haben die kleinen Händler beispielsweise in türkischen Vierteln regen Zuspruch.

„Tante Emma“und „Onkel Mustafa“

Doch auch „Tante Emma“ in der Fläche scheint wieder frische Lebensgeister zu bekommen. Zum einen wächst mit dem demographischen Wandel der Anteil älterer Menschen, und die kaufen gerne wieder zu Fuß gleich um die Ecke ein. Zum anderen möchten offenbar wieder mehr Konsumenten dem Einerlei an Filialisten in vielen deutschen Städten entkommen. Epples Devise: Statt Uniformität der Modefilialisten „doch lieber den Manhenke – ich nenne ihn jetzt einfach mal“.

Um die Einkaufsmeile zu schützen und zu stärken, hat Korbach 2011 mit Epples Beratung ein Einzelhandelskonzept erstellt. Darin ist vom Rathaus bis zum Güterbahnhof ein „zentraler Versorgungsbereich Innenstadt“ fixiert. Daran soll auch in Zukunft nicht gerüttelt werden, erklärte Bürgermeister Klaus Friedrich.

Trotzdem wurde „Markt und Standort“ im Auftrag der Stadt aktiv, um das Konzept in einem Teil zu überarbeiten: Es geht speziell um die sogenannten „Nahversorger“, also die Lebensmittelmärkte und Discounter.

Die meisten Märkte liegen nahe an den Wohngebieten in einem Ring ums Zentrum – ob Lidl in der Arolser Landstraße, Edeka an der Strother Straße, Aldi am Südring oder Nahkauf in der Solinger Straße. Hinzu kommen etwa Kaufland im Zentrum und Tegut in direkter Nachbarschaft.

Bislang waren die Verkaufsflächen für die „Nahversorger“ an der Peripherie auf 800 Quadratmeter laut Baugesetz begrenzt. Doch der Trend reicht mittlerweile zu größeren Flächen bis 1200 Quadratmeter. Dies hätten auch Gespräche mit den heimischen Marktbetreibern bestätigt.

Mehr Verkaufsfläche für Lebensmittelmärkte

Dabei geht es in erster Linie nicht um größere Sortimente, wie Epple erklärte, sondern um mehr Raum: Damit sich im Gang zwischen den Regalen zwei Kunden auch mit Einkaufswagen noch unfallfrei begegnen können. Überdies habe sich bei Discountern die Zulieferung verändert, fügte Rathauschef Friedrich an: weniger, aber dafür größere Lieferungen. Somit sei mehr Fläche für die Waren erforderlich.

Die Stadt will deshalb das Einzelhandelskonzept für die „Nahversorger“ verändern, um den Märkten mehr Verkaufsfläche zu ermöglichen. Dies soll jedoch nicht pauschal gelten, wie in manchen anderen Städten, sondern je nach Einzelfall und ganz konkretem Bauvorhaben. Dadurch möchte die Hansestadt bei der Bauentwicklung die Zügel in der Hand behalten.

Epple appellierte an Bauamt und Parlament, bei den Bauleitverfahren viel Selbstbewusstsein gegenüber den Marktbetreibern zu zeigen – ob Standort oder Architektur: „Machen Sie‘s ihnen nicht zu leicht. Die verdienen hier gutes Geld.“

Wie gut, das zeigt ein Blick auf die Konsumdaten in der Hansestadt. Die Kaufkraftkennziffer in Korbach liegt laut Epple zwischen 170 und 180 – und erreicht damit weiterhin einen Spitzenwert in Nordhessen. Die Hansestadt zieht also viele Kunden aus der Region an: über 65000 Menschen im Einzugsbereich mit den angrenzenden Städten und Gemeinden. Das Kaufkraftpotenzial erreicht für den Einzelhandel damit insgesamt rund 350 Millionen Euro im Jahr, davon 112 Millionen Euro für Nahrungs- und Genussmittel.

Die „Nahversorger“ an den Wohngebieten in Korbach sollen ihre Verkaufsflächen künftig erweitern dürfen. Oft entstehe dabei ein kompletter Neubau, erklärte Epple. An den Standorten dieser Märkte in Korbach will die Stadt allerdings festhalten – ringsum gut verteilt.

Eine Ausnahme zur Erweiterung gibt es im Süden der Hansestadt an der Wildunger Landstraße: Auf den früheren Gewerbeflächen vor der Bahnbrücke könnte ein weiterer „Nahversorger“ bei Bedarf entstehen.

Im Bauausschuss fand das überarbeitete Einzelhandelskonzept Zustimmung aus allen Fraktionen. Endgültig beschließen soll am 12. Februar die Stadtverordnetenversammlung.

Von Jörg Kleine

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