Familientag zum 30-jährigen Bestehen der Schützengesellschaft

„Verein hat Dorfgemeinschaft belebt“

Flechtdorf - Die Flechtdorfer Schützengesellschaft sei wahrscheinlich älter als 1732, schätzt der Ehrenvorsitzende Helmut Walter.

Vor 30 Jahren haben 23 Flechtdorfer die Schützengesellschaft wiedergegründet, die nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wieder belebt worden war. Beim Kommersabend am Samstag in der voll besetzten Aartalhalle zeigte sich, wie stark die noch relativ junge Gemeinschaft ins Dorfleben und in das waldeckische Schützenwesen eingebunden ist: Viele Gäste feierten mit ihr den „runden Geburtstag“. Helmut Walter war neben dem damaligen Ortsvorsteher Walter Merhof die treibende Kraft bei der Wiedergründung am 12. Mai 1984. Er ging am Samstag auf die lange Tradition des Schützenwesens im Dorf ein. Alte Unterlagen wie Protokollbücher und die Fahne sind verschollen, dafür wurde 1984 die Königskette rasch wiedergefunden. Ein Kleinod hat die Jahreszahl 1732, es ist das älteste datierte Zeugnis des Vereins. Für Walter ist es jedoch wahrscheinlich, dass die Tradition weiter zurück reicht: Ein silbernes Kleinod stamme dem Stil nach aus dem 15. Jahrhundert. Damals tobte das Unwesen der Fehden, nach der Niederlage der Herren von Padberg gegen die Korbacher hatten die Grafen von Waldeck 1413 das Flechtdorfer Gogericht an sich gebracht. Walter hält es für möglich, dass sich in diesen unsicheren Zeiten im Dorf – wie in der Nachbarschaft – eine Schützenbruderschaft gebildet hat. Bekannt ist, dass 1935 das letzte Schützenfest gefeiert wurde. Als das nächste angestanden hätte, war bereits der Zweite Weltkrieg ausgebrochen. Als die Amerikaner 1945 in Waldeck einmarschierten, verboten sie gerade die Schützen- und Kriegervereine. Anders als in der Umgebung gab es in den Nachkriegsjahren in Flechtdorf keine Initiative, um die Schützengesellschaft wieder aufleben zu lassen. „Den Leuten stand nicht der Sinn nach Schießen und Marschieren“, sagte Walter. 1983 organisierten die Flechtdorfer erstmals wieder einen Schnadezug entlang ihrer Grenzen. Neben einem kräftigen Kater habe der Zug noch eine Folge gehabt, erzählte Walter: Der Gedanke sei gereift, die historische Schützengesellschaft wieder auferstehen zu lassen. „Doch es gab viele Zweifler“, viele Fragen seien offen gewesen, etwa: Passe sie überhaupt ins Vereinsleben des Dorfes? Eine Arbeitsgruppe bildete sich, und 1984 kam es im Zusammenspiel der Generationen zur Wiedergründung: Die älteren Mitglieder stellten die Offiziere, die jüngeren den Vorstand. „Diese Brücke hat sich als tragfähig erwiesen“, sagte Walter. Noch 1985 gab es das erste Königsschießen, Fritz Weidemann errang den Titel. 1986 wurde das erste Schützenfest gefeiert, das seitdem alle fünf Jahre ansteht. Mit dabei war 1986 schon die neue Kanonengruppe. 1988 wurde eine neue Fahne angeschafft. Zur 1150-Jahr-Feier 2002 bildete sich eine Laienspielgruppe. Da Frauen laut Satzung ausgeschlossen waren, bildeten sie eine „Weiberkompanie“. Nach 30 Jahren zog Walter ein Fazit: Der Verein habe „die Dorfgemeinschaft belebt und das Verhältnis zu den Nachbarn positiv beeinflusst“. Und so kamen sie am Samstag gern, um mit den Schützen des Klosterdorfes zu feiern. Am Abend waren die Kompanien vor dem Dorfgemeinschaftshaus angetreten, um zur Halle zu marschieren. Dort wurden die Gäste empfangen – neben den Vereinen des Dorfes auch Schützenabordnungen aus Korbach, Mühlhausen, Berndorf, Wirmighausen, Adorf, Heringhausen, Stormbruch, Sudeck und Rhenegge. Die gute Dorfgemeinschaft zeigte sich auch bei der „Schützenhilfe“ anderer Vereine: Für Essen und den Nachschub an Getränken sorgte das Thekenteam des Fördervereins fürs Kloster, die Bedienung übernahm das Damenfußballteam. Oberst Ralf Schultze beförderte Timo Eisenberg zum Leutnant der Gewehrgruppe, mit Hauptmann Joachim Josefowitz legte er ihm die neuen Schulterklappen an. Ehrungen folgten – siehe den Kasten unten. Durchs Programm führte Dirk Göbel. Er würdigte den Kameradschaftsgeist und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Schützen, bei denen „das Miteinander der Generationen selbstverständlich ist“. Der Erste Beigeordnete der Gemeinde Diemelsee, Eckhard Köster, wünschte dem Verein für die nächsten 20 Jahre alles Gute – „wenn wir fit sind, kommen wir zum 50. alle wieder“.Danach war’s aber auch genug der Reden: Die Marsberger Band „Flames“ spielte mit sattem Bläsersound auf, und das Königspaar Martin und Sabine Tepel eröffnete den Tanz. Von Dr. Karl Schilling

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