Bei Flucht Polizisten verletzt und Fahrzeuge demoliert

Verfolgungsjagd unter Drogen: Freispruch vor dem Korbacher Amtsgericht

Bad Arolsen/Korbach. Ein verletzter Beamter und zwei demolierte Polizeifahrzeuge: Das war das Ergebnis einer Verfolgungsjagd zwischen der Polizei und einem Mann aus Marl, die am 22. Dezember 2016 in Bad Arolsen begann und nahe Schmillinghausen neben der Bundesstraße endete. Am Korbacher Amtsgericht wurde der 40-Jährige unter anderem vom Vorwurf der Körperverletzung freigesprochen.

Amphetamine und Kokain hatten eine Psychose ausgelöst. „Der Angeklagte war nicht schuldfähig“, befand Richterin Jana Meyerrose.

Eigentlich hatte der Mann vorgehabt, seine Familie in Polen zu besuchen. Stattdessen klingelte er – völlig verwirrt und hundert Kilometer abseits seiner Route – gegen 22.30 Uhr an einer Arolser Haustür, um mit der Polizei in Verbindung zu treten. Als zwei Beamte eintrafen, reagierte er nicht auf sie, sondern grinste sie an und fuhr ruckartig los, wodurch sie ausweichen mussten.

Sie nahmen die Verfolgung entlang der Rauchstraße auf, ein anderer Streifenwagen kam in der Prof.-Bier-Straße entgegen. Der Flüchtige wich ihm jedoch aus und fuhr weiter Richtung Bundesstraße. Um zu verhindern, dass er dort den Verkehr gefährdet, überholte ihn die erste Streife und blockierte die Helser Auffahrt. Der Verfolgte bremste zunächst – und rammte dann in die Seite des Fahrzeugs. Der Polizist auf der Beifahrerseite erlitt ein Schleudertrauma und Nackenschmerzen.

Beide Streifen folgten dem Mann weiter nordwärts, die zweite setzte sich mittig auf der Straße vor ihn: Zweimal überholte er sie deshalb über die Bankette, kurz vor Schmillinghausen verlor er die Kontrolle über sein Fahrzeug. Mit Pfefferspray hielt ein Beamter ihn davon ab, den Wagen wieder zu starten. Als sie die Fenster aufbrachen, schlug er mit einem Stock nach einem. Schließlich gab er auf. Als er gefesselt war, beruhigte er sich, schilderte einer der Beamten: „Da fragte er: Sind sie wirklich von der Polizei?“

Er habe keine Drogen genommen und könne nur spekulieren, sagte der Beschuldigte: Vor seiner Abfahrt war er bei seiner ehemaligen Lebensgefährtin – sie könne ihm etwas ins Getränk gemischt haben. Bekannte schilderten, dass er nie trinkt und sehr gegen Drogen sei. Anderthalb Stunden nach Reiseantritt habe er bei einem Telefonat noch normal geklungen – als er sich wieder meldete, fühlte er sich von den vermeintlichen Dealern seiner Ex verfolgt und wusste nicht mehr, wo er war. 

Sie rieten ihm, die Polizei zu kontaktieren. Es sei möglich, dass ihm Drogen untergejubelt wurden, sagte ein Gutachter. Allerdings gab es auch später noch positive Drogenscreenings. Als Konsequenz entzog die Richterin ihm für zwei Jahre die Fahrerlaubnis. Die 20 Monate, die er wegen der Vorfälle bereits ohne Führerschein war, wurden ihm angerechnet.

Rubriklistenbild: © Daum

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