Korbach

Vergessenen Opfern ein Gesicht geben

- Korbach (mba). Im September 1939 begann die systematische Ermordung psychisch kranker Menschen.70 Jahre später beleuchtet eine Ausstellung im Bonhage-Museum das Schicksal von Opfern aus dem Landkreis.

Die Nachgeborenen mahnen, die Opfer würdigen und Licht auf ein finsteres Stück der jüngeren Vergangenheit werfen – das will die Ausstellung „Ihr Tod reißt nicht die geringste Lücke ... NS-Euthanasie im Landkreis Wal-deck-Frankenberg“ im Bonhage-Museum. Präsentiert werden die Forschungsergebnisse einer Arbeitsgruppe, die sich auf Initiative von Dr. Wolfgang Werner, Geschäftsführer des Lebenshilfe-Werkes Waldeck-Frankenberg, zwei Jahre lang mit dem Thema befasste Ziel war es, nicht nur den historischen Ablauf der schrecklichen Taten zu rekonstruieren, der systematischen Ermordung von als „lebensunwert“ deklarierten Menschen. Auch die zumeist vergessenen oder im Verborgenen liegenden Biografien der Ermordeten sollten beleuchtet werden, um so den anonymen Opfern „ein Gesicht“ zu geben. „Das Thema ist für den Landkreis noch nie umfassend untersucht worden“, sagt Museumsleiter Dr. Wilhelm Völcker-Jansen, der sich an der Arbeit beteiligt hatte. „Wir wollen mit der Ausstellung einen Anstoß geben, sich wei-ter mit diesem schwierigen Thema auseinanderzusetzen.“ Es sei mehr als überfällig, sich mit dem Thema NS-Euthanasie in Waldeck-Frankenberg zu beschäftigen, findet Werner: „Es handelt sich bei dieser Opfergruppe um Menschen, die vergessen wurden, die schon damals tabuisiert wurden.“ Die Ausstellung gibt ein sehr umfassendes Bild der „NS-Euthanasie“ im Landkreis. Den Schwerpunkt bilden 27 Tafeln, die größtenteils historische und thematische Zusammenhänge schildern, etwa die Psychiatriegeschichte vor 1933, die Zwangssterilisation oder die Propaganda, mit der die Aktionen vor der Bevölkerung gerechtfertigt werden sollten. Sehr eindrücklich sind die nachgesprochenen Augenzeugenberichte, die die Besucher sich anhören können. Auch das unwürdige Leben als Psychiatriepatient zur damaligen Zeit wird mit einigen Exponaten gezeigt. Im Zentrum der Präsentation stehen aber die Opferbiografien: Auf elf Tafeln werden 17 Personen und ihre Schicksale beschrieben. Die Schwierigkeit dabei war, so Völcker-Jansen, dass die Hauptquelle, die zur Verfügung stand, die Akten der Täter waren. Diese zeichnen aber ein verzerrtes Bild der Menschen: Sie wurden auf ihre Opferrolle reduziert, zudem wurden die Daten teilweise bewusst gefälscht. „Über das vorherige Leben der Opfer geben sie keine Auskunft“, so Völcker-Jansen. Dennoch ist es den Forschern gelungen, den Lebensweg von 17 Personen nachzuzeichnen. Insgesamt konnten die Namen von 500 Opfern ermittelt werden, die entweder aus dem Landkreis stammen oder als Patienten in der Anstalt Haina gewohnt haben. Sie werden auf fünf Tafeln genannt. „Es soll am Ende der Ausstellung auch das Gedenken eine Rolle spielen“, so Werner.Die Ausstellung wird am Mittwoch, 9. September, mit einem Gedenkgottesdienst um 18 Uhr in der Kirche St. Kilian eröffnet. Anschließend wird sie erstmals dem Publikum gezeigt. Es gibt außerdem ein Rahmenprogramm mit zahlreichen Vorträgen sowie einer Tagesfahrt zur Gedenkstätte Hadamar am Samstag 31. Oktober. Abfahrt ist um 9 Uhr am Museum. Die Fahrt kostet 20 Euro. Anmelden kann man sich telefonisch unter 05631/53289.

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