Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus im Korbacher Rathaus

„Vergiss uns nicht, mein lieber Junge“

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Korbacher Schüler gestalteten gestern den Gedenktag zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Rathaus. Sie erinnerten auch an die Korbacher Juden, die in Auschwitz ermordet wurden. Foto: Marianne Dämmer

Korbach - Am 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz erinnerten gestern Jugendliche von drei Korbacher Schulen im Rathaus an die Opfer des Nationalsozialismus.

Sie wurden entrechtet, ausgegrenzt, gedemütigt, zur Auswanderung gezwungen oder umgebracht - weil sie nicht der „arischen Herrenrasse“ angehörten, weil sie behindert oder homosexuell waren oder den falschen Glauben hatten. Vor allem verfolgten die Nazis Juden und ermordeten sie in Konzentrationslagern. Auch aus Korbach wurden Juden in das Lager nach Auschwitz verschleppt.

Schüler geben den Opfern des Holocausts ein Gesicht

An sie erinnerten Schüler des Geschichte-Leistungskurses der Alten Landesschule gestern beim Gedenktag zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahr 1945. Unter der Überschrift „Warum überhaupt einen Gedenktag?“ blickten sie in die dunkle Historie Deutschlands zurück und erinnerten an die perfide Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten. Dabei holten sie die Opfer aus der Anonymität und verlasen die Namen aller 14 Frauen und Männer, die aus Korbach nach Auschwitz verschleppt worden waren - nur einer von ihnen hatte überlebt. Sie gaben dem Leid ein Gesicht durch Bilder, und eine Sprache, indem sie den letzten Brief einer jüdischen Mutter aus Korbach an ihren Sohn aus dem Jahr 1942 vorlasen. Der schloss mit den Worten: „Vergiss uns nicht, mein lieber Junge“.

Insgesamt erinnerten gestern Jugendliche aus drei Korbacher Schulen an die Schicksale der Verfolgten und Ermordeten. Sie alle hatten sich eindringlich mit dem Thema Nationalsozialismus auseinandergesetzt und Wege gefunden, die Schicksale der Verfolgten und Ermordeten aus der Anonymität herauszuarbeiten.

Die Schüler der Klasse R10b der Louis-Peter-Schule erinnerten an „Menschen am Rande der Volksgemeinschaft - ausgegrenzt und ausgestoßen“. Sie stellten dar, wie die Menschen, die nicht in die Ideologie der Nazis passten, als „minderwertig“, „asozial“ oder „Ballastexistenzen“ bezeichnet, ausgegrenzt wurden und wie Arbeit zur Vernichtung eingesetzt wurde. „Erinnerungskultur“ hatten Schüler des Beruflichen Gymnasiums ihren Vortrag genannt, bei dem sie mit Musik unterlegte Bilder aus dem Konzentrationslager an die Wand projizierten und dazu aus Tagebuchaufzeichnungen Verfolgter vorlasen oder Erinnerungen von Holocaustüberlebenden einblendeten. Janina Filippi vom beruflichen Gymnasium sang zum Auftakt „Halleluja“ von Leonard Cohen und zum Abschluss „Donna, Donna“.

Bürgermeister Klaus Friedrich dankte den Schülern für ihr as Engagement. In seiner Begrüßung sagte er, der 27. Januar sei ein Tag des Nachdenkens in stiller Form. Es gebe keine Kollektivschuld, aber eine kollektive Verantwortung. Jeder müsse sich der Verantwortung stellen, die Wiederholung eines solchen Grauens zu verhindern und aus der Erinnerung Lehren zu ziehen für die zukünftigen Generationen. Zum Abschluss des Gedenkens legten Schüler und Bürgermeister einen Kranz an der Stelle der 1938 abgerissenen Synagoge „Im Tempel“ nieder.

Von Marianne Dämmer

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