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Verhandlungen abgebrochen: Konzern kündigt Tarifvertrag für Weidemann-Mitarbeiter in Korbach

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Die Gewerkschaft kündigt weitere Aktionen an: Mitarbeiter des Unternehmens in Korbach hatten zuletzt bei „aktiven Mittagspausen“ einen Zukunftstarifvertrag gefordert. Archivfoto: Lutz Benseler
Die Gewerkschaft kündigt weitere Aktionen an: Mitarbeiter des Unternehmens in Korbach hatten zuletzt bei „aktiven Mittagspausen“ einen Zukunftstarifvertrag gefordert. Archivfoto: Lutz Benseler © Lutz Benseler

Der Tarifstreit bei Weidemann spitzt sich zu: Die seit dem Frühjahr laufenden Verhandlungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgeber sind am Mittwoch ergebnislos abgebrochen worden.

Korbach – Der Wacker-Neuson-Konzern, zu dem der Korbacher Radlader-Hersteller seit 2005 gehört, will nun den Anerkennungstarifvertrag zum 31. Dezember kündigen. Das teilte die IG Metall am Donnerstag nach einer Betriebsversammlung bei Weidemann mit.

„Die Stimmung im Betrieb ist gereizt, es herrschen reine Zukunftsängste“, sagte Betriebsratsvorsitzender Bernd Uebermuth nach der Versammlung in der Korbacher Stadthalle. Rund 500 Mitarbeiter hatten daran – vor Ort oder online – teilgenommen.

Der Konzern bestätigte gegenüber unserer Zeitung den Abbruch der Verhandlungen: „Wir bedauern das sehr und werden jetzt gemeinsam mit unseren Mitarbeitenden und den Betriebsräten in den nächsten Wochen an zukunftsfähigen individuellen Lösungen arbeiten“, teilte eine Sprecherin mit. Offenbar plant Wacker-Neuson, allen tariflichen Mitarbeitern einzelvertraglich eine 40-Stunden-Woche anzubieten. Das ist einem Schreiben des Managements an die Mitarbeiter zu entnehmen, das unserer Zeitung vorliegt. Darin heißt es außerdem, dass der Konzern sich nach Abbruch der Verhandlungen gezwungen sehe, die Anerkennungstarifverträge mit Wirkung zum 31. Dezember zu kündigen.

Der Konzern gehört nicht dem Arbeitgeberverband an, hatte aber die Regelungen aus dem Tarifvertrag für seine Branche übernommen und entsprechende Anerkennungstarifverträge mit der IG Metall geschlossen, die nun zum Jahresende auslaufen. Andreas Köppe von der IG Metall Nordhessen empfiehlt den Mitgliedern der Gewerkschaft, keine Einzelverträge mit dem Konzern zu unterschreiben. Sie seien durch die Nachwirkung geschützt: Die Regelungen des gekündigten Vertrags gelten so lange weiter, bis sie durch eine neue Abmachung ersetzt werden.

Bereits im Juni hatte die Gewerkschaft ihrerseits einen seit 2012 geltenden Ergänzungstarifvertrag gekündigt, der für die rund 700 Beschäftigten bei Weidemann bedeutete, dass sie drei Stunden mehr in der Woche ohne Entgeltausgleich arbeiten. Ziel von Betriebsrat und Gewerkschaft war, den Ergänzungstarifvertrag durch einen Zukunftstarifvertrag zu ersetzen, der dazu dienen sollte, Beschäftigung zu sichern, den Standort zu erhalten und zu entwickeln. Im Vertrag sollte auch vereinbart werden, was der Konzern in das Werk investiert.

Daraus wird nun vorerst nichts: „In einer Phase, in der es noch einmal in eine Krise gehen könnte, sind die Mitarbeiter nun nicht durch einen Tarifvertrag geschützt, der auch Beschäftigungssicherung enthalten hätte“, sagte Köppe.

Die Beschäftigten seien nun bereit für die nächste Eskalationsstufe. Das könnten weitere „aktive Mittagspausen“ und auch Warnstreiks sein, so der Gewerkschaftssekretär. Gleichzeitig habe die Gewerkschaft auf der Betriebsversammlung von der Belegschaft einen klaren Auftrag bekommen, sich bis Jahresende um weitere Verhandlungen mit der Arbeitgeberseite zu bemühen.

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