Fast zwei Jahre Haft für ehemaligen Disponenten · Unterlagen gefälscht

Vertrauen des Arbeitgebers ausgenutzt

Korbach - Für ein Jahr und zehn Monate muss ein Mann aus Kassel, der 2011 bei einer Korbacher Firma im verantwortungsvoller Position gearbeitet hatte, hinter Gitter. Das hat das Amtsgericht Korbach entschieden. Der Mann, dem insgesamt 19 Taten vorgeworfen wurden, zeigte sich geständig.

Es ist Mitte 2011. Max P. (Name von der Redaktion geändert) kommt aus Kassel zu seinem ersten Arbeitstag nach Korbach. Er war von der Chefin gefragt worden, ob er sich vorstellen könne, in der Korbacher Filiale einer Zeitarbeitsfirma als Disponent zu arbeiten. „Ja“ hatte er gesagt, weil er sich die Tätigkeit zutraute.

Es dauert nicht lange, da fühlt er sich aus der Zentrale unter Druck gesetzt. Als auch noch persönliche und finanzielle Probleme hinzukommen, wird aus dem vertrauenswürdigen Mitarbeiter jemand, der das Vertrauen ausnutzt.Es beginnt damit, dass er eigenmächtig in einen Handyladen in der Kreisstadt geht und dort zwei Mobilfunkverträge auf Kosten der Firma verlängert. Die Unterschrift der eigentlich zuständigen Chefin fälscht er und bekommt dafür zwei nagelneue Smartphones. Die Firma weiß von alledem nichts.

Max. P. dreht aber erst einmal die Schraube weiter. Bei einem Internethändler bestellt er auf Kosten der Firma zwei kleine, tragbare Rechner für sein Privatvergnügen. Schließlich beginnt er, die Beschäftigungs- und Vermittlungszahlen in Korbach zu manipulieren. Er füllt eigenhändig Stundenzettel aus. Die entliehenen Arbeiter hatten aber in Wahrheit gar nicht oder nur kurz bei den angegebenen Firmen gearbeitet.Um an Geld zu kommen, geht Max P. noch einen Schritt weiter.

Auf gefälschten Bögen der eigenen Firma reicht er persönlich Rechnungen bei Firmen ein, um bei der Gelegenheit Vermittlungsprovisionen bar einstreichen zu können. Dass der gelernte Einzelhandelskaufmann in seinen wenigen Monaten in Korbach auch Tankquittungen für seinen Privat-PKW abgibt oder dass er die Barkasse um mehr als 2500 Euro erleichtert, fällt bei der Verhandlung dann kaum noch ins Gewicht.

„Die Anklagepunkte sind alle richtig“, liefert P. am Donnerstag vor dem Schöffengericht ein überraschendes Geständnis. „Ich wollte zeigen, dass das Büro lief“, begründet er sein Motiv. „Es ist mir einfach alles über den Kopf gewachsen.“ Zum ersten Termin vor drei Monaten war er nicht erschienen, nun zeigt er sich reuig. Er erspart dem Gericht unter Vorsitz von Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling eine langwierige Beweisaufnahme. Chefin, Mitarbeiter, Zeitarbeiter – sie alle hätten vor Gericht aussagen müssen.Der Verurteilte hat bereits einiges auf dem Kerbholz: Seit 1999 war er mehrmals wegen Betruges, Urkundenfälschung und Unterschlagung verurteilt worden. Die verhängten Bewährungszeiten hatte er anschließend entweder nicht eingehalten oder war kurz danach wieder straffällig geworden.

Deswegen sah das Schöffengericht – auch wenn Max P. und die Verteidigerin es anders erhofften – keine weitere Chance auf Bewährung. „Er fällt immer wieder in dieselben Muster“, befürchtete der Staatsanwalt, dessen Strafforderung das Gericht nachkam. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.(den)

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