31 Geschützgruppen lassen es beim Manöver der Waldecker Kanoniere krachen

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Ordentlich Wumms: Die St. Barbara Böllerschützen aus Hesborn bei Hallenberg lassen es mit ihren Hand- und Schaftböllern krachen.

Diemelsee-Adorf - Laut war es, und gerochen hat es auch: Donnerschläge, Pulverdampf und Männer in historischen Uniformen - das alles gab es beim Manöver der Waldecker Kanoniere am Samstag auf dem Dansenberg in Adorf zu erleben.

Und wieder: rummms! Weißer Pulverdampf zieht über den Dansenberg, es riecht beißend nach Schwarzpulver. Willi Merhof nimmt einen Atemzug von diesem ganz besonderen Duft. Der Adorfer ist von Anfang an bei „Sankt Johannis“ dabei, schon seit jenem legendären Stammtischabend bei „Bunsen“ in Wirmighausen, als fünf Männer quasi auf einem Bierdeckel die Gründung der Geschützgruppe besiegelten. Gesagt, getan: Die Männer besorgten sich Achsen und Räder einer alten Dreschmaschine, einen Eichenstamm - und aus Wirmighausen eine alte Flak. Was man eben noch so herumstehen hat.

31 Geschützgruppen lassen es auf dem Dansenberg krachen

Aus den Einzelteilen bauten sich die Adorfer ein neues Geschütz. „Ich habe die Dreharbeiten gemacht“, erinnert sich der gelernte Werkzeugmacher. Fast 35 Jahre später zündet die nächste Generation die Lunte: Frank Theile, zweiter Vorsitzender der Geschützgruppe, ist gewissermaßen mit Schmauchspuren an den Händen groß geworden. Er empfängt die gut 30 Gruppen auf dem Dansenberg; vorwiegend die Kanoniere der Schützengesellschaften im Waldecker Land, aber auch Gäste von weiter her.

200 Kilometer weit haben die Mitglieder des 1. Artilleriezuges Horrem 1995 „Immer in Stellung“ aus Dormagen ihr Dahlgreen-Geschütz nach Adorf gebracht - die Kanone des Amerikanischen Bürgerkriegs. Die Rheinländer sind zum dritten Mal beim Manöver der Wal-decker Kanoniere dabei. „Dat sagt ja alles“, meint „Leutnant“ Bernd Prehn und setzt seine Pickelhaube auf. „Wär et nit in Ordnung jewesen, wären wir nit wiederjekommen.“

Wieder macht es rummms! Der Dansenberg verschwindet kurz im weißen Nebel. Damit es beim Böllern richtig raucht, verdünnen die Kanoniere das Schwarzpulver mit Grieß. Manche nehmen auch Kartoffelmehl, das verdichtet besser. Mit Ladestock und Holzhammer wird das Gemisch im Kanonenrohr zusammengepresst. Je besser das Pulver verdichtet ist, desto besser knallt es. Wenn’s richtig ordentlich kracht, zollen die anderen Kanoniere ihren Respekt mit Applaus.

Ohne Schaumstoffstopfen für die Ohren geht an diesem Tag nichts

Ohne Gehörschutz geht nichts an diesem Tag. Die kleinen bunten Schaumstoffstopfen für die Ohren sind das wichtigste Utensil für Kanoniere und Zuschauer. Es gibt sie kostenlos am Kaffeestand. „Die habe ich immer dabei“, verrät auch Willi Merhof, warum er nach mehr als 30 Jahren Geschützgruppe noch hört wie ein Luchs. Aufs Ohrenzuhalten als alleinige Schutzmaßnahme können sich die Besucher jedenfalls nicht verlassen, nicht immer warnt eine Fanfare vor dem nächsten Schuss.

Und nicht jede Lunte, die brennt, zündet auch. Die meist nach historischem Vorbild gebauten Kanonen führen ein gewisses Eigenleben und wollen umsorgt und gepflegt werden. Die Kanoniere hegen dafür ein fast zärtliches Verhältnis zu ihren Geschützen - die übrigens meist Frauennamen tragen, wie etwa „Wilhelmine“ aus Goddelsheim.

Zum Schluss gibt es den ganz großen Knall. Robert Erlemann, Vorsitzender der Adorfer Schützengesellschaft, freut sich darauf ganz besonders: Über einen elektronischen Zünder werden alle Kanonen gleichzeitig abgefeuert. Effektvoller lässt sich das Jubiläumsjahr nicht abschließen. Ein Salut ist der letzte Böller auch für Egon Eirund. Die Waldecker Kanoniere verabschieden damit ihren Vorsitzenden aus seinem Amt. (lb)

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