Vöhl und Mouchard feiern am Wochenende 25 Jahre Partnerschaft

Vöhler Weinberg mitten in la France

Ein Wein von der „Espace de Vöhl“, viele Erinnerungen an 25 Jahre und manch einen Plan für die Zukunft: Suzanne Flottmann und Ingeborg Drüner engagieren sich seit Anfang an für die Partnerschaftsvereinigung Vöhl-Mouchard.Foto: Theresa Demski

Vöhl - Über Sprachbarrieren und Mentalitätsunterschiede hinweg entstanden Freundschaften: Am kommenden Wochenende feiern die Gemeinde Vöhl und der französische Ort Mouchard 25 Jahre Partnerschaft mit einem großen Fest in Vöhl.

Im Osten Frankreichs gibt es einen kleinen Weinberg. Und wer genau hinsieht, erkennt an seinem Rand ein Modell des Edersees und am Eingang ein Schild „Espace de Vöhl“. Diesen idyllischen Ort haben die Franzosen den Freunden im 633 Kilometer entfernten Vöhl gewidmet. Und immer mal wieder erreicht die Frankreichfreunde in Waldeck-Frankenberg eine schmucke Flasche mit französischem Traubensaft, der mit Selbstgebranntem gemischt wurde - Vöhler Wein mitten aus der Weinbauregion Jura.

Enge Freundschaften

Auch bei Ingeborg Drüner im Schrank steht eine solche Flasche. Sie ist ein Gastgeschenk von Familie Genet. Vor vielen Jahren schlossen die Familie aus Mouchard und Ehepaar Drüner Freundschaft - sie ist die Vorsitzende der Partnerschaftsvereinigung in Deutschland, er der Vertreter der französischen Seite. Seit 25 Jahren pflegen sie ihre Freundschaft.

Am kommenden Wochenende feiern Franzosen und Deutsche in Vöhl deswegen ihr silbernes Jubiläum. Der Anfang allerdings war etwas holprig, erinnert sich Suzanne Flottmann. Weil sie selbst gebürtige Französin ist, sprach der damalige Vöhler Bürgermeister Manfred Steiner die Vöhlerin Anfang der 80er-Jahre an und bat sie um Unterstützung. Der Gemeindevorstand suche nach Kontakten ins europäische Ausland.

„Die Bürgermeisterin meiner Heimatstadt kam aus einem Dorf im Jura“, erzählt Suzanne Flottmann, „und weil ich mir für Vöhl als Partner eine ländliche Region wünschte, bat ich dort um Unterstützung für unser Anliegen.“ Die Reaktion war ernüchternd. Ein Jahr lang bekam sie keine Antwort, nach einem zweiten Versuch kam Post aus Mouchard. „Der Beginn einer langen Freundschaft“, sagt Ingeborg Drüner. 1968 machte sich die erste Delegation aus Vöhl auf den Weg nach Frankreich. „Und wir mochten uns auf Anhieb“, sagt Suzanne Flottmann.

Sprachliche Hindernisse wurden schnell überwunden, denn viele Vöhler sprachen bereits Französisch, andere verließen sich auf die Dolmetscher oder Hände und Füße und wieder andere, wie Ingeborg Drüner, begannen die fremde Sprache zu lernen. Bereits 1968 wurden die Partnerschaftsvereinigungen gegründet, ein Jahr später die offizielle Partnerschaft zwischen Vöhl und Mouchard besiegelt.

„Seitdem besuchen wir uns zu Jubiläen und Festen“, sagt Ingeborg Drüner. Das gilt für Privatpersonen ebenso wie für Vertreter der Gemeinde. Die Idee, die Partnerschaft über Sport- und Kulturvereine laufen zu lassen, scheiterte zwar und auch Schulaustausche gab es nur vorübergehend, aber zwischen Familien hier und dort entstanden Freundschaften. „So müssen wir nicht lange überlegen, wenn es um die Zuordnung zu Gastfamilien geht“, sagt Ingeborg Drüner. Etwas unterscheidet den Verein von vielen anderen in Vöhl. „Die Partnerschaftsvereinigung ist ein Verein der ganzen Großgemeinde“, sagt Ingeborg Drüner. Alle Ortsteile sind eingebunden, viele waren in den vergangenen Jahren selbst Gastgeber.

Frage der Mentalität

Vöhler und Muscadiens leben die Völkerverständigung. Und wo stoßen sie an Grenzen? „In Fragen der Mentalität sind und bleiben wir unterschiedlich“, schmunzelt Suzann Flottmann. Treffen sich Gäste und Gastgeber in Frankreich am Bus, kommen die Franzosen eine Viertelstunde später. „Wir nehmen es nicht so genau mit der Pünktlichkeit“, schmunzelt die Französin. Und Ingeborg Drüner erzählt, wie die Deutschen sich während des ersten Austauschs alle schon an der Vorspeise satt gegessen haben. „Wir konnten ja nicht wissen, dass noch vier weitere Gänge folgen“, sagt sie lächelnd. (resa)

Hintergrund

Die Gäste aus Mouchard kommen am Samstag gegen 18 Uhr an der Henkelhalle an, wo ein Abendessen auf sie wartet. Am Sonntag steht erst eine Wanderung auf dem Programm, um 18 Uhr beginnt der Festakt in der Henkelhalle. Anmeldungen sind unter 05631/8248 möglich. Montag sind Ausflüge zur Burg Hessenstein und der Itterburg geplant. Kaffee, Kuchen, Musik und das Aufstellen des Maibaums in Obernburg runden das lange Wochenende ab. (resa)

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