Sängerfest in Thalitter

Vom Volkslied bis zum Popsong

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Die Gastgeber des Festes: Der Gesangverein aus Thalitter gab am Samstag mit seinem Dirigent Ulrich Fingerhut einen Einblick in sein Repertoire, und auch am Sonntag war er zu hören. 135 Jahre ist der Verein alt.Fotos: Mechthild Röhrig-Weking

Vöhl-Thalitter - Es gab doppelten Grund zum Feiern: Der Gesangverein aus Thalitter besteht seit 135 Jahren, sein gemischter Chor seit 40 Jahren.

Ein gelungenes Sängerfest erlebten die Besucher am Wochenende auf der Itterburg. Der gemischte Chor des Dorfes hatte befreundete Vereine und die Chöre des Vöhler Sängerbundes zum gemeinsamen Singen eingeladen.

Am Samstagabend trafen sich acht befreundete Chören der Umgebung. Die Vorsitzende Gisela Stieglitz begrüßte die etwa 250 Geladenen und Gäste. „Die Freude am Gesang ist Balsam für die Seele“, sagte sie. Der Geburtstagswunsch des Vereins sei, dass wieder mehr Aktive zum Verein fänden, denn: „Es mangelt uns an Nachwuchs.“

Breites Musikspektrum

Der gastgebende Chor unter der gewohnt kompetenten und engagierten Leitung von Ulrich Fingerhut intonierte als Auftakt des Abends Franz Schuberts leicht melancholisches Lied „Der Wanderer“, kam jedoch im Laufe des Abends auch mit modernen und poppigen Tönen rüber. Doch nicht allein die Gastgeber profilierten sich mit zeitgemäßen Klängen: Während des von Ulrich Fingerhut moderierten Abendprogramms zeigten die Männer und Frauen ein Spektrum, das vom Kunstlied über Volksmusik, Musical und Schlager bis hin zu Pop und Gospel reichte.

So sang der Frauenchor aus Marienhagen unter der Leitung von Johanna Tripp unter anderem „Kalinka“, die Gitarrengruppe unter Reinhold Wagener brachte gekonnt Gospelgesänge zu Gehör, und der Männergesangverein Strothe mit Ingrid Brandt präsentierte Popsongs, wie beispielsweise „Männer mag man eben“. Der Frauenchor aus Goddelsheim, geleitet von Claudia Vach, sang anrührende norwegische Volkslieder, und der Männergesangverein Concordia aus Rhoden mit Daniela Sauerland punktete mit „Über sieben Brücken musst du gehen“ der DDR-Band „Karat“. Fritz Brandt und der Immighäuser Männergesangverein bewiesen ihr Können unter anderem bei dem stimmungsvoll vorgetragenen Song „Albany“ von Roger Whi-tacker. Die Immighäuser Sänger mit Dirigent Tobias Vesper sangen einmal als gemischter Chor eine irische Volksweise, anschließend intonierte der Frauenchor schwungvoll die Stücke „This little light of mine“ und „Siyahamba“.

Der letzte an diesem Tag auftretende Gastchor war der Männergesangverein „Liedertafel 1878“ aus Goddelsheim. Mit flotten Weisen, wie beispielsweise „Vive l’ amour“, erfreute auch er die Zuschauer und kam um eine Zugabe nicht herum. Zum Abschluss sangen die Gastgeber eine poppig vorgetragene Version von „Liebeskummer lohnt sich nicht“.

Bei stimmungsvoll mit Fackeln erleuchteter Halle sang man nun gemeinschaftlich und einstimmig zur Melodie „Der Lindenbaum“ von Franz Schubert einen von Ulrich Fingerhut erdachten Text, in dem die Linde besungen wird, die die Gründungsväter des Chors am Gründungstag 1879 gepflanzt haben und die immer noch, von den Mauern umbaut, in der heutigen Halle steht - eine Hommage an die alte Linde.

Nach diesem gelungenen Ausklang zeigten die Sänger, dass sie nicht nur die Stimmbänder bewegen können, und es wurde bis zwei Uhr morgens nach den Klängen einer Band getanzt.

Vöhler Sängertag

Am nächsten Tag folgte mittags der Sängertag des Vöhler Sängerbundes mit neun Chören. Zum Auftakt sang, gruppiert um die prachtvolle alte Linde, der Gemeinschaftschor des Vöhler Sängerbundes, zunächst als gemischter Chor, dann der Männerchor unter der Leitung von Xenia Kautz und Arno Huthweiler. Danach ging es auf der Bühne weiter: Der Gastgeber übernahm wieder unter der Leitung von Ulrich Fingerhut mit einem Lied von Nena. Die Vorsitzende Giesela Stieglitz und der Vorsitzende des Vöhler Sängerbundes, Willi Butterweck, freuten sich über die rund 200 Gäste. Der bekannte Dichter Johann Wolfgang von Goethe habe die Deutschen zu seiner Zeit als ein Volk von Sängern bezeichnet, sagte Butterweck. Er bezweifelte jedoch, dass Goethe das auch heute noch so sehen würde, konsumierten doch vermutlich nahezu alle Deutschen in der heutigen Zeit Musik nur aus der „Konserve“. Umso mehr dankte Butterweck den Thalitterer Sängern dafür, dass sie eifrig Kulturarbeit leisteten und aktiv und zuverlässig seien.

Hervorragende Stimmung

Bei hervorragender Stimmung aller ging es weiter mit dem Männergesangverein aus Dorfitter, der unter Leitung von Ulrich Fingerhut zwei flotte Lieder sang, eines davon von Udo Jürgens. Der gemischte Chor Obernburg mit seiner jungen und engagierten Dirigentin Xenia Kautz sang schwungvoll drei moderne Songs, wie „Ich will immer wieder“ von Helene Fischer. Wiederum unter Xenia Kautz sangen der Männergesangverein und der Kirchenchor aus dem Werbetal „Ein Eierlikörchen für das Kirchenchörchen“ und die Festhymne „Dies ist ein großer Tag“. Dem Marienhagener Männergesangverein mit Benedikt Kautert als Chorleiter lauschten die Zuhörer bei dem Musikvortrag „Wolga“ und „Singen macht Spaß“. Der Herzhäuser Männergesangverein, dirigiert von Renate Weber, sang das romantische „Schifferlied“ und „Rot sind die Rosen“ von Semino Rossi.

Der Basdorfer Gesangverein trug mit seinem Leiter Ulrich Fingerhut unter anderem gekonnt das Lied „Du hast mich tausendmal belogen“ von Andrea Berg vor. Der Buchenberger Männergesangverein unter der Leitung von Arno Huthwelker sang den Eurovisions-Song von 1985 „Für alle“ und „Santiano“. Ulrich Fingerhut leitete auch den Chor „Man(singt)“, der zum Abschluss des Festtags zwei Polka-Arrangements vortrug: „Hans bleib da“ und „Mit leichtem Blut“.

Langer und herzlicher Applaus belohnte nicht nur am Ende des Singens alle Vortragenden. Danach klang das Sängerfest aus mit Kaffee und Kuchen, Gegrilltem und kalten Getränken und einem geselligen Beisammensein.

Von Mechthild Röhrig-Weking

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