Korbacher erhält wegen Sachbeschädigung Bewährungsstrafe von vierzehn Monaten

Im Vollrausch zum Seriensprayer

Korbach - Zumeist alkoholisiert hat ein 39-jähriger Korbacher in 21 Fällen illegal Graffiti gesprüht. Seine psychisch
en Probleme minderten seine Schuldfähigkeit nicht, befand das Amtsgericht Korbach.

Hauswände, Schaufenster, Garagen, Zäune und Werbetafeln: An 21 verschiedenen Stellen in der Hansestadt sprühte ein 39-jähriger Korbacher im September und Oktober 2012 illegal Graffitis. Wegen Sachbeschädigung stand er gestern vor dem Amtsgericht Korbach.

6400 Euro Schaden gesprayt

In einzelnen Fällen schätzte die Polizei den entstandenen Schaden auf bis zu 1000 Euro, alle Fälle zusammen ergeben eine Schaden von 6400 Euro – Schadensersatzforderungen sind bei ihm allerdings noch nicht eingegangen. In der Anklageschrift war noch von 29 Fällen mit einem Gesamtschaden von 11 000 Euro die Rede gewesen, der Angeklagte überzeugte Gericht und Staatsanwaltschaft aber davon, für die mit „One“ oder „Joker“ unterschriebenen Graffitis nicht verantwortlich zu sein: „Ich habe einen völlig anderen Schwung“, erklärte er. Sein „Tag“, die Buchstabenkombination IWA und gelegentliche Verweise auf seine Heimatstadt Berlin gehen auf sein Konto.

Er habe sich, bevor er vor zwei Jahren nach Korbach zog, schon lange legal mit Graffitis beschäftigt. In Kassel seien einige „schöne Bilder“, die er in stundenlanger Arbeit angefertigt habe, auch nach Jahren nicht überstrichen worden. Legale Möglichkeiten zu sprayen, gebe es in Korbach aber nicht, sagte er.

Knapp die Hälfte der Taten fiel in den Zeitraum um den 18. September: Zwei Tage lang tranken er und ein Bekannter große Mengen Alkohol. Der Bekannte habe vorgeschlagen, zu sprühen; er selbst wisse nichts mehr, nachdem sie einen Supermarkt betreten haben, um neue Sprühdosen zu besorgen. Seine Erinnerung setze erst in einer Zelle wieder ein – die Polizei hatte den Betrunkenen aufgegriffen. Auf frischer Tat ertappt, wurde er in diesem Fall nicht, lediglich seinen Blutalkoholwert von über zwei Promille hielten die Beamten fest.

Beobachtet wurde er hingegen bei sechs Graffitis am 7. September. Die anderen 15 Fälle gestand er, was Gericht und Anklage ihm hoch anrechneten: Sonst wäre der Tatnachweis sehr schwierig gewesen und hätte einen Sachverständigen erfordert.

Schuldfähigkeit geprüft

Die Verhandlung war im November ausgesetzt worden, um zu klären, ob die psychischen Probleme des Täters seine Schuldfähigkeit mindern: Er leidet seit langer Zeit an Depressionen sowie an einer kombinierten Persönlichkeitsstörung aus dissozialer Störung und Borderline-Syndrom. Laut des Sachverständigen schließt keines von beiden seine Schuldfähigkeit aus: „Sie sind kein Mensch, der nicht einsehen kann, wenn er Quatsch macht“, befand der Psychotherapeut.

Lediglich die akute Berauschung sei schuldmindernd. Bei den Fällen, die sich noch vor dem 7. September ereigneten, sei er noch betrunkener gewesen, erläuterte der Angeklagte.

Nach Korbach war er gekommen, nachdem er es in Berlin nicht mehr ausgehalten habe, erklärte der 39-Jährige, der Angst vor Menschenmassen hat. Er war einem Bekannten in die Hansestadt gefolgt – eben jenem, mit dem er auch seine Sprüh-Tour unternahm. Die Verteidigung unterstrich, dass dieser lange seine einzige Bezugsperson in Korbach war. Mittlerweile befindet sich der Angeklagte in Betreuung und hat ein Familienmitglied vor Ort. „Es tut mir leid, was ich der Stadt Korbach angetan habe“, sagte er.

„Gute Sozialprognose“

„Er hat sich gefangen“, erklärte sein Verteidiger und auch die Staatsanwältin sprach von einer guten Sozialprognose: Nach einem langen Vorstrafenregister, das unter anderem Körperverletzung, Betrug und Sachbeschädigung enthält und ihn auch schon ins Gefängnis führte, hat er sich drei Jahre lang nichts zuschulden kommen lassen. Uneinigkeit herrschte lediglich darüber, wie die einzelnen Fälle angesichts der nicht unbedingt präzisen Schätzungen der Schadenshöhe zu bemessen seien.

Richter Karl-Heinz Kalhöfer-Köchling folgte der Staatsanwaltschaft und verurteilte den 39-Jährigen zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten, die er zur Bewährung aussetzte. Als Auflage erhielt er 120 Stunden gemeinnützige Arbeit: „Ich gehe davon aus, dass alles klappen wird“, zeigte sich auch der Richter optimistisch über die Zukunft des Verurteilten. (wf)

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