Emma von Waldeck und Pyrmont:

Von der fürstlichen Prinzessin zur Königin der Niederlande

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Königin Emma und ihre Tochter, die Kronprinzessin Wilhelmina 1897. Rechts: Das Königspaar Emma und Wilhelm III. zwischen 1877 und 1890. Die Fotografen sind nicht bekannt.

Von der Prinzessin zur Königin der Niederlande: Emma von Waldeck und Pyrmont zählt zu den bekanntesten Persönlichkeiten des Fürstenhauses.

Das ganze Jahr über sind im Waldecker Land Autos mit gelben Kennzeichen zu sehen: Die niederländischen Nachbarn verbringen ihren Urlaub gern in dem geschichtsträchtigen Land an Eder und Diemel. Sie lockt nicht nur die abwechslungsreiche Landschaft – ob es die Hügel des Uplands sind, die drei Seen Diemelsee, Twistesee und Edersee, Schloss Waldeck oder die reizvollen Altstädte Korbachs, Bad Arolsens oder Bad Wildungens – Waldecker und Niederländer sind historisch miteinander verbunden. 

Das liegt nicht nur an Waldecker Grafen und Fürsten, die als hohe Offiziere in den Diensten der Niederlande standen: Viele Niederländer besuchen die Heimat ihrer noch immer hoch geschätzten Königin Emma. Für sie darf ein Ausflug ins barocke Bad Arolser Residenzschloss der Fürsten zu von Waldeck und Pyrmont nicht fehlen. Denn dort kam Emma am 2. August 1858 zur Welt. 

Emmas Vater ist Fürst Georg Victor zu Waldeck und Pyrmont, ein Studienfreund des späteren deutschen Kaisers Friedrich III. Ihre Mutter Helene stammt aus dem Herzogsgeschlecht derer von Nassau – das seit Generationen eng mit dem niederländischen Königshaus Oranien verbandelt ist. 

Die Prinzessin verbrachte ihre Kindheit und Jugendzeit in Arolsen – von standesgemäßen Reisen einmal abgesehen. Es war ein „Mädchenhaushalt“: Emma hatte fünf Schwestern. Ihr einziger Bruder, Friedrich, wurde nach dem Tod seines Vaters 1893 der letzte regierende Fürst von Waldeck-Pyrmont. Der Arolser Arbeiter- und Soldatenrat musste ihn 1918 für abgesetzt erklären, weil er sich weigerte, ohne vorherige Volksabstimmung abzudanken. Und die hätte er sicher gewonnen. 

Drei royale Ehemänner

Die Königshäuser Europas scheinen einen Blick auf die feschen Waldecker Mädels geworfen zu haben. So gewann Marie das Herz des Prinzen Wilhelm von Württemberg, am 15. Februar 1877 heiratete sie ihn in Arolsen. 1891 wurde er zum König gekrönt. 

Ein paar Monate nach dieser Hochzeit ging die nächste Königliche Hoheit in Arolsen auf Brautschau. Diesmal war es König Wilhelm III. der Niederlande, der 1877 seine erste Ehefrau Sophie von Württemberg verloren hatte. Eine Anekdote besagt, dass Emmas ältere Schwestern kein Interesse an ihm gezeigt hätten. Daraufhin soll Emma gesagt haben: „Wir können den Mann doch nicht so nach Hause fahren lassen!“ So gab sie ihm das Ja-Wort: Am 7. Januar 1879 heiratete die damals Zwanzigjährige in Arolsen den 41 Jahre älteren Regenten. 

Auch die jüngere Schwester Helene heiratete 1882 einen königlichen Prinzen: den jüngsten Sohn der legendären britischen Queen Victoria, Herzog Leopold von Albany. Die Trauung fand in Windsor Castle statt.

 Emma zog mit ihrem Mann in die Niederlande. Am 31. August 1880 brachte sie die Kronprinzessin Wilhelmina zur Welt – anders als in anderen Monarchien der Zeit durften Frauen in dem Königreich die Regentschaft übernehmen.

Die Regentin Emma

Zehn Jahre darauf ging es mit dem 71-jährigen Wilhelm zuende. Noch während er im Sterben lag, wurde Emma am 20. November als Regentin vereidigt. Drei Tage darauf starb er, Emma übernahm die Regentschaft für ihre unmündige Tochter Wilhelmina, die nach der Verfassung erst 1898 im Alter von 18 Jahren den Thron besteigen durfte. Emma bekam zwar einen „Vormundschafstrat“ zur Seite gestellt, den Raad van Voogdij. Doch sie dachte nicht daran, sich dessen „Vorschlägen“ zu beugen – Waldecker können ziemlich stur sein.

 Und die Königin setzte energisch Akzente. Seit ihrer Verlobung lernte sie die Landessprache – die Regierung hatte ihr dafür extra den Philologen Laurens Reinhard Beynen von Den Haag nach Arolsen geschickt. Und sie sorgte dafür, dass auch am Hofe und im gehobenen Bürgertum Niederländisch gesprochen wurde und nicht mehr Französisch oder andere weltläufige Sprachen. Schon dieser kleine Schritt kam gut an bei den Untertanen. 

Mit dem Ansehen des Königshauses Oranien stand es damals nicht zum Besten, was auch am eigensinnigen Auftreten und dem wenig „keuschen“ Lebenswandel Wilhelms gelegen hat. Doch nun saß eine Frau auf dem Thron, die sich mit Disziplin, Pflichtbewusstsein und Arbeitseifer Respekt und Vertrauen der Niederländer erwarb. Wilhelm war konservativ bis reaktionär, er stand Zeit seines Lebens auf Kriegsfuß mit der 1848 eingeführten liberalen Verfassung, die seine Macht stark einschränkte. Emma nutzte klug ihren Entscheidungsspielraum und stärkte damit nach Einschätzung von Historikern die konstitutionelle Monarchie. Sie gilt gar als „Gestalterin der modernen Monarchie in den Niederlanden“, die bis heute liberal und dem Volk zugewandt auftritt.

 Emmas Reich umfasste auch stattliche Kolonien – sie reichten von Indonesien bis nach Surinam und Inseln in der Karibik. Sie war mit drei Regierungsumbildungen befasst. Die „Königin-Mutter“ reiste durchs Land und setzte dabei ihre Tochter Wilhelmina als künftige Königin geschickt in Szene. 

Wilhelmina besteigt den Thron

1898 trat sie ab, Wilhelmina wurde die erste regierende Königin des Landes. Emma diente ihr als erfahrene Ratgeberin. Ihren Witwensitz nahm sie im Paleis Lange Voorhout in Den Haag. Dort starb Emma starb am 20. März 1934. 

Doch vergessen ist sie nicht. Weder in den Niederlanden, noch in Waldeck.

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