Diskussion im Verein „Aktives Willingen"

„Von Sauftouristen überschwemmt“

Willingen - Offene Worte in der Jahreshauptversammlung des Vereins „Aktives Willingen“: „Wir werden an vielen Wochenenden regelrecht von Sauftouristen überschwemmt. Mit ihrem respektlosen Verhalten treten sie unsere Rechte als Bürger mit Füßen“, so Annegret Behle.

Die Uplandgemeinde hat 2012 nach Angaben des statistischen Landesamts 983  547 Übernachtungen erzielt – laut der für den Beherbergungsbereich zuständigen Vorsitzenden des Vereins „Aktives Willingen“ ein recht gutes Ergebnis, zu dem noch die Übernachtungen in den Kleinbetrieben hinzukommen. Annegret Behle betonte jedoch, dass es immer größere Mühen und Kosten verursache und zunehmend schwieriger werde, den Gast davon zu überzeugen, seine wertvollen Urlaubstage in Willingen zu verbringen. Sie sei gespannt auf die Entwicklung der Zahlen in diesem Jahr. „Allgemein verspürt man Unruhe, weil viele Betriebe mit rückläufigen Übernachtungen zu kämpfen haben.“ Als Gründe für die augenblickliche negative Entwicklung nannte sie unter anderem das schlechte Wetter, Arbeitslosigkeit in den Einzugsgebieten, die schwierige Verkehrsanbindung und zunehmenden Konkurrenzdruck. „Wir können darauf nur mit möglichst perfekten Angeboten in optimaler Qualität reagieren.“ Die Vorsitzende verwies in der Jahreshauptversammlung auf eine Vielzahl von Maßnahmen, „die richtig und gut sind“ und Qualitätsmerkmale darstellen. „Was aber aus meiner Sicht nicht weiter ignoriert werden kann, sind die enorm negativen Auswirkungen durch betrunkene, grölende und randalierende Extremtouristen an den Wochenenden. Sie halten sich häufig nur stundenweise im Ort auf, ohne eine Übernachtung zu buchen und zahlen auch keine Kurabgaben. Das niveaulose Auftreten dieser Gäste und Gruppen vertreibt viele für uns wichtige und mit hohem Aufwand beworbene Gäste, welche sich hier in entspannter Atmosphäre wohlfühlen wollen und die vielen Möglichkeiten von Willingen genießen möchten.“ Annegret Behle hält das Problem für eine riesige Herausforderung. „Keiner hat eine Lösung parat.“ Sie brachte die Beleidigungen und Belästigungen zur Sprache, mit denen sich Willinger Bürger konfrontiert sehen: „Wir fühlen uns jedes Mal regelrecht missbraucht und verachtet.“ Sie sprach offen über ihre Empfindungen angesichts der Situation: „Es ist ein unglaublich trauriges Gefühl, macht aber auch wütend angesichts der Ohnmacht, die wir empfinden, weil wir uns nicht dagegen wehren können.“ Als traurige Höhepunkte nannte sie die Zerstörung einer Wohnung vor einigen Wochen im Strycktal und den Überfall auf Familie Hen­necke, über den die WLZ berichtete. „Hier wurden Kollegen massiv angegriffen und an Körper und Seele verletzt.“ „Ich stelle fest, dass wir es nicht nur mit Belästigungen zu tun haben, sondern dass wir um unsere Sicherheit fürchten müssen“, so die Vorsitzende. Obwohl an den Wochenenden zurzeit 16 Sicherheitskräfte und vier Polizisten vor Ort seien, könne man nur von haltlosen Zuständen sprechen, die das Ordnungsamt mit seinen zur Verfügung stehenden Mitteln nicht mehr in den Griff bekommen könne. Annegret Behle räumte ein, dass es überall irre Menschen gebe und man nie ganz sicher sei. „Aber ich denke, dass wir mit dem jetzigen Image von Willingen und den Möglichkeiten im Ort solche Menschen geradezu einladen, sich hier auszutoben. Wir erleben doch regelmäßig die immer stärker werdenden Aggressionen und öffentlichen Ausschreitungen.“ Willingen ist nach Annegret Behles Meinung an einem Scheidepunkt angekommen. „Wir erleben in unseren Betrieben, dass selbst die Wochenenden nicht mehr ausgebucht sind, da sich die Gäste – und das sind durchaus auch viele anspruchsvolle Clubgäste – das Niveau nicht mehr antun möchten.“ In der Woche sei ein starker Rückgang der Übernachtungszahlen zu bemerken. Es gebe immer weniger individuelle Übernachtungsgäste, „weil wir sie einfach nicht mehr für unseren Ort begeistern können“. Sie betonte, „dass sich Sauftourismus und Urlaubstourismus nicht vertragen“. „Wenn wir weiterhin so ergeben wegschauen, die Auswirkungen ignorieren und kleinreden, dann werden wir am Ende unsere Unternehmen nicht mehr qualitätsvoll führen können und ganz sicher eine starke Wertminderung unserer Immobilien hinnehmen müssen.“ Auch das zur Diskussion stehende Feriendorf am Treis kam zur Sprache. „Ich kann sehr gut verstehen, dass wir alle Angst haben und nicht daran glauben wollen, dass hier Familien mit Kindern und Langzeiturlauber buchen werden, nur weil ein Investor ein paar Ferienhäuser baut.“ Die Vorsitzende verdeutlichte jedoch, dass man nicht gegen ein Konzept sein könne, das man nicht kenne. Derzeit werde das Vorhaben geprüft. „Wir haben als Unternehmer und Bürger ein Recht auf Transparenz, die uns auch versprochen wurde.“ Der Politik riet Annegret Behle, bei diesem hochsensiblen Thema vielleicht einmal über eine Bürgerbefragung nachzudenken. „Das würde die notwendige Klarheit schaffen.“Über den weiteren Verlauf der Jahreshauptversammlung, die am Montag im „Sauerland Stern Hotel“ stattfand, werden wir noch berichten. Von Ulrike Schiefner

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare