Arbeiten, mitfeiern oder beides?

Von Urlaubssperre bis zehn Tage lang Party: Was Beschäftigte und Unternehmer beim Hessentag machen

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Gefragt: Lisa Marie Canisius, 19 Jahre, ist Auszubildende im Bürgerbüro der Stadt Korbach. Sie wird beim Hessentag am Infostand der Stadt bei der Landesausstellung beschäftigt sein und unter anderem Tickets für Veranstaltungen verkaufen. Freinehmen ist dann für sie ebenso wie für alle anderen Angestellten des Rathauses tabu. An Feierabend will sie aber kräftig mitfeiern.

Korbach. Ohne Feuerwehr und Polizei, Organisatoren der Stadt Korbach und ehrenamtliche Helfer würde während des Hessentags gar nichts funktionieren. Ein paar weitere Beispiele machen deutlich, wie unterschiedlich Arbeitnehmer und Arbeitgeber in und rund um Korbach vom Geschehen beim Hessentag betroffen sein werden:

Gastronomie

„Ich werde in der Mittagspause oder an Feierabend mitfeiern“, sagt Kostas Kokkonis, Betreiber des griechischen Restaurants Poseidon in der Altstadt. „Es kann aber auch sein, dass ich durcharbeiten muss.“ Er rechnet während des zehn Tage dauernden Festes mit mehr Kunden und somit mehr Umsatz als sonst. Wie viel, das sei aber nicht vorhersehbar.

Wetter ist entscheidend

„Das Wetter wird dabei eine große Rolle spielen“, meint Kostas Kokkonis. Restaurant und Biergarten werden zu den gewohnten Zeiten geöffnet sein, und während des Hessentags auch am Dienstag, der sonst Ruhetag ist.

„Es ist schwierig einzuschätzen, wie es laufen wird“, sagt der Betreiber der Kneipe Kings Thomas Schacht. Sein Mitarbeiter-Team sei während der zehn Tage sehr gefragt. Doch die meisten seiner Service-Kräfte seien Aushilfen, die in Korbach anderweitig berufstätig oder Studenten seien und sich nicht für die zehn Tage frei nehmen können.

Auf seinen Aufruf nach weiteren Aushilfskräften für die Hessentags-Zeit habe es keine Rückmeldungen gegeben. Personal sei knapp. Deshalb werde er den Betrieb auf die Kneipe und einen Bierstand beschränken und den Biergarten geschlossen lassen.

Thomas Schacht wird selbst keine Zeit zum Mitfeiern haben, sagt er. Trotzdem freut er sich auf das große Fest. „Ich finde es toll für Korbach.“ Jeder könne einen Teil zum Gelingen beitragen. Dann werde die Stadt wieder so davon profitieren wie zuletzt nach 1997. Korbach habe damals – im Gegensatz zu Bad Arolsen mit dem Hessentag 2003 – „richtig was daraus gemacht“. Er meint das Altstadt- und Kulturfest, das daraus hervorgegangen ist.

Dienstleister

Eine Niederlassung des Personaldienstleisters Piening ist ein Beispiel für die Büros, die sich nahe der geplanten Hessentagsstraße befinden. „Ich werde mein Auto bei meinen Eltern in der Nähe des Krankenhauses parken und dann hierher laufen“, sagt der Niederlassungsleiter Rainer Scheffke, der sich für den Hessentag nicht freinehmen wird. Zufahrten in die Innenstadt werden gesperrt sein. Das alltägliche Geschäft werde vom Festrummel nicht beeinflusst, glaubt er. „Denn vieles ist bei uns auf digitalem Weg zu erledigen.“

Diejenigen Bewerber, die in der betreffenden Zeit zu einem Vorstellungsgespräch in die Niederlassung kommen werden, wird Rainer Scheffke vorher darauf aufmerksam machen, dass sie mehr Zeit für die Anreise einplanen sollen. Rainer Scheffke lebt in Waldeck und will nicht unbedingt mitfeiern. „Aber vielleicht trifft man mal den ein oder anderen Bekannten und wird mit ihm ein Wässerchen trinken.“

Einzelhandel

Die Besucher des Hessentags würden keine Zeit zum Einkaufen mitbringen, ist sich Harald Henkel vom Fachgeschäft Carl Henkel in der Professor-Bier-Straße sicher. Die Mitarbeiter können „hemmungslos Urlaub nehmen“, sagt er schmunzelnd.

Trotzdem würden die Einzelhändler der Hansestadt langfristig vom Hessentag profitieren. Mit dem Landesfest sei tolles Marketing für die ganze Stadt verbunden.

Der Umsatz sei in den Geschäften der Hessentagsstädte während des Festes erfahrungsgemäß geringer als sonst, weil die Menschen lieber die vielen Veranstaltungen besuchen.

„Korbach ist weit ab“, sagt Harald Henkel in Bezug auf die geografische Lage. Doch viele Menschen lernten durch den Hessentag die Stadt kennen und kämen später wieder. So sei es auch nach dem Hessentag 1997 gewesen. „Deshalb rechnen wir insgesamt mit einem sehr guten Geschäftsjahr.“

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