30-Jähriger wegen versuchten Mordes angeklagt

Waldeck: Brandstiftung an Wohnhaus und Scheune vor der Kripo gestanden

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Kassel/Waldeck – Im Mordprozess vor dem Kasseler Landgericht hat sich der Angeklagte noch nicht zu dem Vorwurf geäußert, in der Nacht zum 4. Mai 2018 Scheune und Wohnhaus seiner ehemaligen Freundin in Waldeck-Netze angezündet zu haben.

Doch vor der Korbacher Kriminalpolizei hat er nach Aussage einer Beamtin nach einigem Zögern eingeräumt, die zwei Reifen am Auto der Frau zerstochen zu haben und in der Scheune einen Haufen aus Papier, Heu und Stroh angezündet zu haben. Es habe aber nur etwas geglimmt, als er weggegangen sei.

Das Feuer hatte sich rasch von der Scheune auf das angrenzende Wohnhaus ausgebreitet, in dem die heute 28-jährige Frau mit ihren beiden kleinen Töchtern schlief. In letzter Sekunde war es der jungen Mutter gelungen, sich mit den Kindern unverletzt aus dem Haus zu retten, das komplett niederbrannte. Schaden: rund 800 000 Euro.

Der in Frankenberg geborene und in Burgwald lebende 30-jährige Angeklagte, der seit der Tat in Untersuchungshaft sitzt, muss sich vor der 6. Strafkammer wegen versuchten Mordes und Brandstiftung verantworten.

Am Dienstag sagten Polizeibeamte als Zeugen aus. Einer berichtete, dass er vom Angeklagten angerufen worden sei. Der habe gesagt, er habe mit dem Brand nichts zu tun, sei nicht einmal da gewesen und habe ein Alibi. „Das war ungewöhnlich, denn wir haben ihn ja zu dem Zeitpunkt nicht als Tatverdächtigen, sondern als Zeugen gesucht“, sagte der Beamte.

Bei der Vernehmung durch eine Kripo-Beamtin klang das wenig später schon anders. Er habe Feuerwehr-Kollegen in Göttingen besucht, wo er zwei Jahre die Jugendwehr geführt habe. Auf dem Heimweg nach Burgwald habe er „wieder diese Wut“ auf die Ex-Freundin bekommen und sei spontan nach Netze gefahren.

„Er hat mich selbst auf das Messer im Handschuhfach hingewiesen“, sagte die Beamtin. Das Messer habe er, der seit seinem siebten Lebensjahr bei der Feuerwehr sei, immer bei sich, um bei einem Unfall Opfer aus den Gurten schneiden zu können.

Im Verlauf der Vernehmung kam das Geständnis: „Okay, das mit den Reifen war ich“, sagte er laut der Zeugin. Dann sei er in die Scheune gegangen und habe mit dem Feuerzeug gezündelt, es habe aber nicht richtig gebrannt.

Er sei nach Waldeck gefahren und habe von dort mit dem Fernglas gesehen, dass das Gehöft in voller Ausdehnung brannte und der Himmel über Netze feuerrot war. Bei dem Anblick habe er nichts empfunden. Er habe eine ganze Flasche Beruhigungsmittel getrunken und habe sich bei Freunden schlafen gelegt. Erst am nächsten Morgen sei ihm klar geworden, dass die Frau und die Kinder in Lebensgefahr seien könnten.

Er habe große Angst um seine wertvollen Vögel gehabt, die nach der Trennung in einer Voliere im Haus der Frau geblieben waren. Dass er diese Vögel nicht zurückbekam, sei der Grund für seine „unbändige Wut“ gewesen, sagte er zu der Beamtin.

Der Verteidiger des Angeklagten kündigte an, dass sich sein Mandant spätestens am Verhandlungstag am 30. April zu den Vorwürfen äußern werde. Die Verhandlung wird am 17. April fortgesetzt. Bis Mitte Mai sind vier weitere Prozesstage angesetzt. Von Thomas Stier

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