Zecken auf dem Vormarsch

Waldeck-Frankenberg bislang kein FSME-Risikogebiet

Zecke, Hyalomma-Zecke
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Vorsicht vor Zecken: Während der heimische Holzbock (links) auf seine Beute wartet, jagt die etwa doppelt so große Hyalomma-Zecke (rechts) mit ihren gestreiften Beinen ihrer Beute aktiv hinterher.

Das DRK (Deutsches Rotes Kreuz) hat davor gewarnt, dass es aufgrund des milden Winters 2020 noch mehr Zecken gibt als in den Vorjahren. 

Das DRK (Deutsches Rotes Kreuz) hat davor gewarnt, dass es aufgrund des milden Winters 2020 noch mehr Zecken gibt als in den Vorjahren. Zecken können zwei gefährliche Infektionskrankheiten übertragen: Lyme-Borreliose und Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME). Für FSME besteht Meldepflicht: Nach Auskunft des Gesundheitsamtes Waldeck-Frankenberg sind 2020 noch keine Fälle aus dem Landkreis gemeldet worden. Da Borreliose in Hessen nicht an die Gesundheitsämter gemeldet werden muss, gibt es über die Häufigkeit dieser Erkrankung keine verlässlichen Zahlen.

In Deutschland zählen laut Robert Koch Institut (RKI) 129 Landkreise zu den FSME-Risikogebieten, 74 davon allein in Bayern sowie acht in Hessen – einer davon ist Marburg-Biedenkopf. Waldeck-Frankenberg gehört bislang nicht zu den gefährdeten Landkreisen. Als Basis dienen Daten, die dem RKI von den Gesundheitsämtern übermittelt werden. „In den Jahren 2016 und 2018 wurde im Landkreis Waldeck-Frankenberg jeweils ein FSME-Fall gemeldet“, erklärt Valentina Dick, stellvertretende Leiterin des Fachdienstes Gesundheit. Dennoch empfiehlt sie Menschen, die sich beruflich oder in der Freizeit viel in der Natur bewegen, eine Impfung gegen FSME. „Auch bei Reisen in FSME-Risikogebiete, zum Wandern und Radfahren, ist es sinnvoll, sich gegen FSME impfen zu lassen“, betont Valentina Dick.

Grundsätzlich sollte jeder nach einem Aufenthalt in der Natur prüfen, ob er von einer Zecke gestochen wurde. Je früher sie entfernt werde, desto geringer sei das Infektionsrisiko für Borreliose.

Zecke gerade herausziehen

Eine Zecke sollte mit Daumen und Zeigefinger oder einer Zeckenzange gerade herausgezogen werden, ohne den Zeckenkörper zu zerquetschen. Nach dem Desinfizieren der Einstichstelle sollte die Stelle beobachtet werden. „Wenn sich eine ringförmige Rötung bildet oder grippeähnliche Symptome auftreten, sollte man einen Arzt aufsuchen, um rechtzeitig eine Therapie einzuleiten“, betont Valentina Dick. Kleidung, die möglichst viel Körperoberfläche bedeckt – lange Hosen, langärmelige Hemden und festes Schuhwerk – reduziere das Risiko eines Zeckenbefalls erheblich.

Hyalomma-Zecken im Anmarsch

Inzwischen gibt es in Deutschland auch Hyalomma-Zecken. Sie stammen aus den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und Südeuropas – von Spanien über Italien bis zur Türkei. Sie werden über Zugvögel eingeschleppt und können gefährliche Erreger übertragen, die unter anderem das Kongo-Fieber verursachen. Das Virus fand sich laut Robert Koch Institut (RKI) aber noch in keiner der gefundenen Riesen-Zecken. 2019 hat das RKI aus Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg Nordrhein-Westfalen und Sachsen sechs Funde registriert, von denen einige mit Rickettsia aeschlimanni belastet waren, das Fleckfieber verursacht. 2020 wurden bislang keine Hyalomma-Zecken ins RKI gesendet.

Hyalomma-Zecken sind von den heimischen Holzböcken leicht zu unterscheiden: So sind sie bis zu zwei Zentimeter lang – damit deutlich größer als heimische Zecken. Außerdem haben sie auffällig gestreifte Beine. Charakteristisch ist auch ihre Angriffslust: Der heimische Holzbock wartet vor allem an Grashalmen und Sträuchern darauf, dass ein Mensch oder anderer Warmblüter die Pflanzen streift: Dann lässt er sich fallen, um in die Haut des Opfers zu stechen und Blut zu saugen. Hingegen krabbelt die Hyalomma-Zecke schnell auf ihre Beute zu und ist sogar in der Lage, sie über 100 Meter zu verfolgen.

Zeckensaison dauert meist bis Oktober

Die Zeckensaison dauert von etwa April bis Oktober – Zecken werden ab einer Temperatur von sieben Grad Celsius aktiv. Sie gehören zu den Spinnentieren und im engeren Sinne zu den Milben. Besonders wohl fühlen sie sich in feuchtwarmer Umgebung, erklärt das Centrum für Reisemedizin (CRM) – besonders häufig sind sie daher im Wald und an Waldrändern zu finden, aber auch in Wiesen, Parks, an Grün in Freibädern, Spielplätzen, Schulhöfen, Sportplätzen und im Garten.  (md)

Zecken einschicken 

Das RKI erforscht Zecken schon seit Jahrzehnten. Wer eine Hyalomma-Zecke gefunden hat, kann sie – fixiert mit einem Klebestreifen auf Papier – ans RKI schicken: Robert Koch-Institut, ZBS 1 –„Zecke“, Seestraße 10, 13353 Berlin. Weitere Informationen: zecken.uni-hohenheim.de/zecken_melden.

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