Wenig Corona-Kranke, aber Leidensdruck bei anderen Patienten

Waldeck-Frankenberg: Viele Klinikbetten stehen leer

OP-Vorbereitung im Stadtkrankenhaus Korbach. Foto: Stadtkrankenhaus Korbach
+
„Zu jeder Zeit sofort handlungsfähig“: Der Notfallbetrieb läuft im Korbacher Stadtkrankenhaus auch in Zeiten der Corona-Pandemie unverändert weiter, wie hier die OP-Vorbereitung.

Die Zahl der Corona-Patienten, die in Waldeck-Frankenberg intensivmedizinisch behandelt werden, ist bisher glücklicherweise gering.

Die Krankenhäuser halten, entsprechend der Vorgaben, Isolierbereiche und Intensivbetten frei, um auf einen möglichen Anstieg von Covid-19-Patienten vorbereitet zu sein. Das führt auf der anderen Seite dazu, dass die Liste der Menschen, die auf verschiebbare Operationen warten, immer länger wird.

Im Stadtkrankenhaus Korbach musste bis gestern noch gar kein positiv auf Corona getesteter Patient aufgenommen werden. Aufgrund der Schaffung von Isolierbereichen und der Absage planbarer Operationen werden dort nur halb so viele Patienten behandelt, wie im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres, berichtet Sprecherin Tanja Jostes auf Anfrage: „120 Betten sind nicht belegt. Und das schon über fünf Wochen. Demzufolge dürften etwa 500 bis 600 Behandlungen verschoben worden sein.“

Die meisten Corona-Patienten im Landkreis hat bisher das Kreiskrankenhaus Frankenberg behandelt. Insgesamt waren es aber unter 20 Patienten, aktuell sind es zwei“, sagt Sprecherin Jutta Muth. Hinzu kommen zahlreiche Verdachtsfälle, deren Testergebnis negativ war. Auch im Kreiskrankenhaus gebe es keine Kapazitätsprobleme. „Wir können alle dringenden Fälle ausreichend versorgen“, sagt Muth.

„Notfallpatienten brauchen keinesfalls zu befürchten, nicht adäquat versorgt zu werden“, betont auch Tanja Jostes vom Korbacher Krankenhaus. „Daher unser Appell an Betroffene mit gravierenden medizinischen Problemen, auf keinen Fall aus Angst daheim zu bleiben.“ Die Klinik beobachtet nämlich auch in Korbach den generellen Trend, dass Patienten aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus sogar dringend notwendige Behandlungen meiden.

Andererseits warten Patienten, deren Behandlung als verschiebbar eingestuft wurde, auf ihre Operationen – etwa Menschen mit orthopädischen Problemen, „Natürlich steigt der Leidensdruck bei den Betroffenen“, sagt Jutta Muth.

Alle Krankenhäuser im Kreis hoffen, möglichst bald wieder mehr Patienten behandeln zu können. „Wir begrüßen die Vorschläge des Gesundheitsministers, die Kapazitäten der Krankenhäuser nicht wie ursprünglich geplant erst im September, sondern eventuell schon ab dem 4. Mai wieder hochzufahren“, sagt Tanja Jostes. 

Seit dem Auftreten der Corona-Pandemie hat sich die Anzahl der Patienten, die in Deutschland mit Schlaganfall oder Herzinfarkt in die Notaufnahme eingeliefert werden, deutlich reduziert. Auch aus anderen Ländern wird das gleiche Phänomen berichtet. Die aktuelle Situation beobachten die Verantwortlichen im Stadtkrankenhaus Korbach mit Sorge. So meiden Patienten aus Angst vor einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus immer häufiger dringend notwendige Behandlungen. „Offensichtlich scheuen die Betroffenen aus Angst vor Ansteckung mit Covid-19 davor zurück, sich bei Auftreten der richtungsweisenden Symptome in ein Krankenhaus einliefern zu lassen“, berichtet Dr. Arved-Winfried Schneider, Ärztlicher Direktor am Stadtkrankenhaus Korbach. „Dies ist eine fatale Entscheidung“, warnt auch Serguei Korboukov, Chefarzt der Kardiologie im Stadtkrankenhaus Korbach. „Sowohl beim Herzinfarkt, als auch beim Schlaganfall erhöht jede vergangene Minute bis zum Beginn der entsprechenden Behandlung das Risiko, dass der Betroffene stirbt oder mit einer dauerhaften Beeinträchtigung leben muss.“

Der Notfallbetrieb laufe in den Krankenhäusern unverändert und auf hohem Niveau weiter. „Wir sind auch während der Corona-Pandemie jeder Zeit sofort handlungsfähig, um die entsprechenden Therapien einzuleiten“, so die Mediziner.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare