9,5 Kilo pro Kopf

Waldeck-Frankenberger essen 1500 Tonnen Schokolade im Jahr

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1500 Tonnen Schokolade essen die Waldeck-Frankenberger im Jahr. Das Foto zeigt unsere Praktikantinnen Jona Butterweck (links) und Vicky Witzel beim Naschen.

Korbach. Diese Zahlen sind Genuss pur: Die Waldeck-Frankenberger essen 1500 Tonnen Schokolade im Jahr. Pro Kopf sind das umgerechnet 9,5 Kilo. Das hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) jetzt ermittelt.

Was eine gute Schokolade ausmacht, verrät die Goldhäuser Konditormeisterin und Pralinenmacherin Isabell Jost unserer Zeitung: "Sie muss zartbitter sein. Das ist für mich vom Schmelz und Geschmack die Beste die es gibt. Je bitterer, desto besser." Persönlich mag sie Schokolade am Liebsten in Form von Mousse au chocolat. "Das ist etwas für Zartbitter-Fans, richtig herb im Geschmack", sagt Jost.

Oliver Merhof vom Weltladen in Korbach erklärt, was fair gehandelte Schokolade ausmacht. „Fair gehandelte Schokolade gehört neben Kaffee zu unseren beliebtesten Produkten“, sagt er. Verbraucher erkennen sie am Fairtrade-Siegel. „Das garantiert, dass die Kleinbauern über dem Weltmarktpreis bezahlt werden und eine Abnahmegarantie erhalten.“ 

Der Hintergrund: Viele Kakaobauernfamilien sind von einem existenzsicherndes Einkommen weit entfernt und leben in Armut, oft deutlich unter der absoluten Armutsgrenze von 1,25 US-Dollar pro Tag. Ausbeuterische Kinderarbeit ist vor allem in Westafrika weit verbreitet. Anders bei fair gehandelter Schokolade: Die Bauern sind in Kooperativen zusammengeschlossen, was viele ihnen viele Vorteile verschafft: höhere Verhandlungsmacht, die Möglichkeit Anschaffungen gemeinschaftlich zu tätigen, einen vereinfachten Zugang zu Finanzierung und gegenseitiges Lernen und Austausch. 

„Ausbeuterische Kinderarbeit sowie Zwangsarbeit sind im fairen Handel ausdrücklich verboten“, erklärt Merhof. „Fair gehandelte Produkte gibt es mittlerweile auch in vielen Supermärkten“, sagt der Korbacher.

1760 Arbeitsplätze in der Lebensmittelbranche in Waldeck-Frankenberg

Mit der beeindruckenden Zahl will die Gewerkschaft indes auf die Bedeutung der Lebensmittelbranche hinweisen. Rund 1760 Arbeitsplätze hängen im Landkreis Waldeck-Frankenberg laut Arbeitsagentur an der Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln.

Mit Sorge sieht die Gewerkschaft aber den Trend zur Verramschung: „Gerade bei Getränken, Fleisch und Süßwaren erleben wir regelrechte Rabatt-Schlachten in den Supermärkten. Damit werden Lebensmittel oft weit unter Wert verkauft“, kritisiert Andreas Kampmann von der NGG Nord-Mittelhessen in Kassel. 

Weniger als 70 Cent für eine Tafel Marken-Schokolade sei in einer fairen und umweltgerechten Produktion nicht machbar. Solche Preise erhöhten den Druck auf die Beschäftigten und ihre Arbeitsbedingungen. An die Verbraucher appelliert die NGG daher, nicht nur auf den günstigsten Preis zu achten. „Gute Lebensmittel sollten den Menschen beim Einkauf etwas wert sein. Gleichzeitig können sie damit die heimische Wirtschaft stärken – und beim Essen neben dem Genuss auch noch ein gutes Gewissen haben.“

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