Fest zum ausklingenden Freigrafschaftsjahr ? Fürst Wittekind grüßt seine ehemaligen Landeskinder

Waldecker Lied erklingt in Düdinghausen

+
Beim Rezitieren der „Düdingkuser Litanei“ auf Platt wurden die scheinbar gebrechlichen Damen nach und nach wieder munter.

Medebach-Düdinghausen - Am Wochenende fand das Freigrafschaftsfest in Düdinghausen statt. Fürst Wittekind zu Waldeck und Pyrmont, der Korbacher Bürgermeister Klaus Friedrich und viele andere blickten auf ein erfolgreiches Jubiläumsjahr zurück.

Die Veranstaltungsreihe zum Freigrafschaftsjahr neigt sich dem Ende zu, doch am Wochenende folgte mit dem Freigrafschaftsfest in Düdinghausen - verbunden mit dem Holz- und Drechselmarkt - noch einmal ein Höhepunkt.

Als am Sonntag kurz nach 14 Uhr drei Kanonenschüsse fallen, wird die gut gelaunte Menge ruhig: Fürst Wittekind zu Wal­deck und Pyrmont wendet sich an die Bewohner des einst von seinen Vorfahren beherrschten Landstriches. „Die Ausstellungen und Feierlichkeiten um die dramatischen Ereignisse bei der Teilung der Freigrafschaft sind schier unglaublich“, lobt er die Festorganisatoren, bevor er die Geschichte fachkundig erläutert.

Vor der Reformation habe in der Freigrafschaft Düdinghausen weitestgehend Frieden geherrscht, doch die Konfessionsspaltung habe zu Konflikten geführt, die immer mehr eskalierten. Bei den Spannungen zwischen seinen Vorfahren und dem Kurfürstentum Köln sei es allerdings schon damals auch um materielle Interessen gegangen, bekannt Wittekind.

Von Schafherden-Entführungen über sich prügelnde Priester und vernagelte Kirchen bis hin zu den Gräueln des Dreißigjährigen Krieges hätten die Bewohner viel durchleiden müssen. Letztlich sei der größere Teil der Freigrafschaft an Kurköln gefallen. „Aber ich habe in Köln studiert und die Kölner näher kennengelernt“, schmunzelt der Fürst und weist damit jeglichen Groll wegen der alten Konkurrenz von sich.

Die Teilung der Freigrafschaft vor 350 Jahren habe letztendlich den Frieden gebracht, auch wenn es lange gedauert habe. Umso erfreulicher sei die Verständigung zwischen den Orten, die das Freigrafschaftsjahr hervorgebracht habe: „Überregionale Zusammenarbeit ist hier das Stichwort, und auch die Jugend hat ein Zeichen dafür gesetzt“, freut sich das Oberhaupt des Hauses Waldeck-Pyrmont. Besonders der am Vortag seiner Bestimmung übergebene Freistuhl außerhalb Düdinghausens gefalle ihm: „Es ist ein tolles Gefühl, darauf zu sitzen. Der Wal­decker Stern im Rücken hat mich gestärkt“, gesteht er augenzwinkernd. Nach seiner Ansprache spielt der Musikverein Düdinghausen ihm zu Ehren das Waldecker Lied.

Schon vorher hatten zahlreiche Ehrengäste Grußworte an die Festbesucher gerichtet. Karl Schneider, Landrat des Hochsauerlandkreises, lobte das ehrenamtliche Engagement, das die Gemeinsamkeiten über Grenzen hinweg aufgezeigt habe: „Über gemeinsame Erinnerungen werden unsere Beziehungen gestärkt und Barrieren abgebaut“, stellte er fest. Er erhoffe sich eine noch stärkere Zusammenarbeit beim Geopark Grenz-Welten und zwischen den Naturparks Diemelsee und Rothaargebirge.

Seiner Wertschätzung für „Heimat, Nähe und Nachbarschaft“ trotz der Grenze schloss sich der Korbacher Bürgermeister Klaus Friedrich an und scherzte, dass das Kennzeichen HSK bei der enger werdenden Bindung doch auch für „Hansestadt Korbach“ stehen könne. Er stimmte in das Lob für die Organisatoren des Freigrafschaftjahres ein: „Wir sollten uns bewusst machen, dass Ortsteile durch die Tatkraft ihrer Bürger lebendig werden.“

Grüße zum Fest überbrachten auch Bundestagsmitglied Patrick Sensburg, der Düdinghäuser Ortsvorsteher Ferdinand Asmuth, der Medebacher Bürgermeister Thomas Grosche, Willi Gerbracht vom Willinger Gemeindevorstand und Dr. Klaus Wendt, Vorsitzender des Waldeckischen Geschichtsvereins.

Der von Wendt als „Motor des Freigrafschaftsjahres“ bezeichnete Horst Frese zeigte sich von den Ergebnissen der Veranstaltungsreihe erfreut: „Unsere Ziele, den Kindern ihre Heimat näherzubringen und Touristen etwas Spannendes zu zeigen, haben wir erreicht.“

Verbunden mit dem Freigrafschaftsfest war der fünfte Holz- und Drechselmarkt, auf dem zahlreiche dekorative Holzartikel und andere Handwerkserzeugnisse angeboten wurden. Neben der Wanderausstellung zur Geschichte der Freigrafschaft Düdinghausen informierten der Geopark Grenz-Welten und die örtliche Jägerschaft über Boden und Tierwelt in der Region.

Auch das Unterhaltungsprogramm war breit gefächert: Zaubervorführungen, Bike-Artisten, die Funkengarde, Kinder-Zumba, die Turngruppe des TuS Medebach, die Präsentation historischer Traktoren und die Aufführung der „Düdingkuser Litanei up Platt“ boten Spass für jeden Geschmack. Für Musik sorgten der Musikverein Düdinghausen, die Spielleute Federschrey aus Züschen, der Düdinghäuser Kirchenchor und die Musikschulen Korbach und Brilon. (wf)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare