Diemelsee / Korbach

Waldecker spielen „in der Bundesliga“

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- Diemelsee / Korbach (nv). Wie viel Denkmalschutz und Fußball gemeinsam haben, zeigte sich am Mittwoch in Flechtdorf. Der Kloster-Förderverein sowie die Familie Canisius aus Nordenbeck erhielten Förderbescheide zur Sanierung ihrer hochklassigen Projekte.

Um Fördermittel aus dem Denkmalschutz-Programm des Bundes zu bekommen, „muss man der Jury darlegen, dass ein Objekt in der Bundesliga spielt“, zieht Jan Viebrock, Justitiar beim Hessischen Landesamt für Denkmalpflege, den Vergleich zur höchsten deutschen Fußballklasse. Dass die ehemalige Benediktinerabtei in Flechtdorf und der Wohn- und Wehrturm der ehemaligen Wasserburg Nordenbeck ganz oben mitspielen, hat zwei Gründe: Die kulturhistorische Bedeutung der teils mittelalterlichen Gemäuer: In Flechtdorf ist laut Fördervereinsvorsitzendem Helmut Walter beispielsweise der im 12. Jahrhundert erbaute Westflügel noch ebenso erhalten wie ein Teil des Südflügels. In Abtshaus, Remise und Kuhstall laufen die Sanierungsarbeiten seit Monaten auf Hochtouren (wir berichteten). „Wir hoffen, dass wir dort 2012 ein kleines, instand gesetztes Ensemble haben, in dem wir unser Informationszentrum eröffnen können“, blickt Walter voraus. „Bundesweit einmalig“ nennt Dr. Bernhard Buchstab, Bezirkskonservator beim Landesamt für Denkmalpflege, den mehrgeschossigen, elf mal zwölf Meter großen Wohn- und Wehrturm in Nordenbeck. Hervorzuheben ist vor allem die Kapelle im Obergeschoss mit Resten wertvoller Fresken sowie Stempelstuck mit Jagdmotiven.

Der zweite Grund ist der vorbildliche Einsatz zur Erhaltung der denkmalgeschützten Anlagen: „Der Trägerverein leistet hier Einzigartiges“, betont Viebrock mit Blick auf die „Herkulesaufgabe“, die sich die Flechtdorfer auf die Schultern gelegt hätten. Ebenso ungewöhnlich ist für ihn der Einsatz der Familie Canisius in Nordenbeck. „Die private Erhaltung des Turms ist eigentlich niemandem zumutbar“, hebt Viebrock hervor. Umso höher ist es aus Sicht des Experten anzuerkennen, dass sich Thomas und Tobias Canisius ihrer eigenen Familiengeschichte verpflichtet fühlen.

Für die Restaurierung des romanischen Mauerwerks im Abts­haus und die Sanierung der anschließenden Gebäude, die das Informationszentrum bilden sollen, erhalten die Flechtdorfer 100 000 Euro aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes. Eine Summe gleicher Höhe aus der ersten Tranche des Förderprogramms war bereits 2010 nach Flechtdorf geflossen. Die Zeichen stehen gut, dass die Diemelseer 2012 noch einmal von der Kulturförderung des Bundes profitieren. Damit die Familie Canisius das marode Dach und das beschädigte Mauerwerk ihres Turms erneuern kann, erhält sie 60 000 Euro.

Mehr lesen Sie in der WLZ vom Donnerstag, 6. Oktober

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