Veranstalter des „Literarischen Frühlings“ ziehen Fazit und blicken voraus ·

Walser und Duve lesen 2013 vor

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Waldeck-Frankenberg / Kassel. - Der „Literarische Frühling 2012“ ist vorbei, der nächste kann kommen. Aufgrund des Erfolgs der ersten Auflage des Literaturfestivals im Landkreis soll es auch 2013 hochkarätig weitergehen.

In würdigem Ambiente hatten sich die drei Veranstalter des „Literarischen Frühlings“ gestern eingefunden, um zurück und nach vorne zu blicken. Das Brüder-Grimm-Museum in Kassel wurde als Ort auserkoren, schließlich sind die beiden Märchensammler der Anreiz für das Literaturfestival in der Grimm-Heimat Nordhessen.

Die Hoteliers und Initiatoren der Veranstaltungen, Christiane Kohl vom „Landhaus Bärenmühle“ in Frankenau, Volker Deigendesch vom Hotel „Schloss Waldeck“ und Michael Lemke vom Hotel „Die Sonne“ in Frankenberg waren froh und stolz beim Blick auf das Erreichte und sehen voller Vorfreude auf das nächste Jahr: denn der „Literarische Frühling“ findet auch 2013 statt.

Walser und Duve lesen

„Wir haben mit der ersten Auflage ein Niveau erreicht, das gehalten werden soll“, erklärte Christiane Kohl. Dazu zählen auch hochkarätige Autoren. Die ersten prominenten Namen für die Neuauflage, die vom 16. bis 24. März 2013 stattfindet, stehen bereits fest. So hat der Schriftsteller Martin Walser, bekannt durch Romane und Theaterstücke, seine Teilnahme zugesagt. In welcher Form Walser auftreten wird, wollten die Veranstalter zwar noch nicht preisgeben, sie ließen aber durchblicken, dass Ähnliches wie mit der für 2012 geplanten Combo Günter Grass und Mario Adorf angestrebt werde. Denn auch Werke Walsers wurden verfilmt, sodass vielleicht wieder ein Schauspieler den Weg nach Waldeck-Frankenberg antreten wird.

„Wir planen eine sehr hochkarätige Veranstaltung mit diesem Altmeister der Erzählkunst“, verriet Volker Deigendesch. Außerdem wird Bestseller-Autorin Karen Duve (unter anderem „Anständig essen“) auftreten. Im Herbst veröffentlicht sie ein Buch mit „einer bissigen Hommage an Grimms Märchen“, so Christiane Kohl. In dem Werk würden die Märchen humorvoll auf ihre Praxistauglichkeit getestet. Zudem ist der Grimmforscher Heinz Röllecke mit von der Partie. Auch wenn der Schwerpunkt der Veranstaltung auf den Grimms liegt, ist anlässlich des 200. Geburtstages von Georg Büchner eine Veranstaltung „Büchner und die Grimms“ geplant.

Programm wird ausgebaut

Am bisherigen Konzept mit einem breiten Programm, bestehend aus Lesungen für Kinder und Erwachsene, Schreibworkshops und Gesprächsrunden mit Autoren, werde nichts geändert: „Das wird eher noch erweitert“, zeigte sich Michael Lemke unter anderem begeistert vom Workshop mit John von Düffel. Neben einer Erweiterung des Programmangebots wird auch an zusätzliche Austragungsorte gedacht. Waren dies bei der ersten Auflage die drei Hotels der Veranstalter, könnten sich die Organisatoren für das nächste Mal auch eine Kutschfahrt mit Lesung durch den Nationalpark vorstellen.

Adorf trifft Woll

Mit dem ersten „Literarischen Frühling“ waren die Organisatoren vollauf zufrieden. „Es war eine furiose Woche der Kultur in Nordhessen“, erklärte Christiane Kohl. Dem schloss sich Volker Deigendesch an: „Wir wollten ein Veranstaltungsformat schaffen, das Strahlkraft für die Region entwickelt - das ist uns in vollem Umfang gelungen.“

Auch der kurzfristige Ausfall von Günter Grass, der von seiner Tochter vertreten wurde, sei mehr als kompensiert worden. War die Lesung von Schauspieler Mario Adorf rein vom Namen für viele wohl der Höhepunkt der Festivalwoche, so hatte jeder der Organisatoren auch sein persönliches Highlight. „Der interessanteste Moment für mich war, als der rote Faden innerhalb der Veranstaltungsreihe zum Ende auch für die Zuschauer sichtbar wurde“, erklärte Michael Lemke.

Für Volker Deigendesch waren vor allem die Aktionen der Schauspieler hinter den Kulissen interessant. So zum Beispiel Mario Adorf, der vom Berliner Adlon-Hotel direkt in die Bärenmühle chauffiert wurde. Adorf habe bis dahin die Region nicht gekannt, während seines fünftägigen Aufenthalts die Zeit aber genutzt, dies zu ändern. Und dank des Literaturfestivals lernten sich Mario Adorf und Felicitas Woll kennen. „Vielleicht führt das ja noch zu einem gemeinsamen Film“, schmunzelte Deigendesch.

Hintergrund

Der „Literarische Frühling“ bot allen Buchfreunden zahlreiche geschriebene Worte, doch auch nackte Zahlen können eine klare Sprache sprechen. An neun aufeinanderfolgenden Tagen fanden 24 Veranstaltungen statt, darunter 17 Autorenlesungen, aber auch Workshops, Gesprächsrunden und Lesungen für Schulklassen. Insgesamt kamen rund 1800 Besucher zu den Veranstaltungen, 75 Prozent der Karten waren bereits im Vorverkauf vergeben. Das hatte auch Karin Graf von der für das Festival zuständigen Agentur überrascht. „Bei solchen Veranstaltungen sind die Organisatoren sonst mit 50 Prozent abgesetzter Karten im Vorverkauf vollauf zufrieden“, erklärte Christiane Kohl. Hinzu kommt, dass fünf der Veranstaltungen ausverkauft waren. 60 Prozent der Besucher kamen aus Waldeck-Frankenberg, 30 Prozent aus der Region Nordhessen (vor allem Kassel und Melsungen), die restlichen zehn Prozent reisten aus Südhessen und den benachbarten Bundesländern, aber auch zum Beispiel aus Berlin und Stuttgart an. Rund 240 Gäste nutzten die Veranstaltungen für einen längeren Aufenthalt in der Region – womit auch ein Ziel der drei Hoteliers erreicht worden sei: den Tourismus im Landkreis mit Literatur zu verbinden und zu stärken. Die Kosten für den „Literarischen Frühling“ (Honorare, Verpflegung, Programmhefte etc.) beliefen sich auf 100?000 Euro, die durch Sponsoring, Ticketverkauf (jeweils 30?000 Euro) und die drei Initiatoren (40?000 Euro) gedeckt wurden.(tt/r)

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