Daniel Jertz aus Waldeck arbeitet mit antiken Techniken und exklusiven Materialien

„Wand der Könige“ prangt in Privatburg

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Daniel Jertz (30) von der Wandmanufaktur Jertz in Waldeck prüft die Qualität des Putzes. Im Hintergrund das Muster für die „Wand der Könige“.

Korbach - 10 000 Euro für einen Quadratmeter: Die womöglich teuerste Wand der Welt entsteht in einer Burg im Landkreis

Leuchtendes Ultramarinblau aus echtem Lapislazuli und vergoldete Ornamente sollen neun Quadratmeter Mauerwerk in einem Konferenzraum in eine extravagante Raumabtrennung verwandeln: Insgesamt 90 000 Euro kostet der edle Marmorputz auf historischem Gemäuer. Für Malermeister Daniel Jertz (30) aus Waldeck ist es die teuerste Wand, die er jemals verputzt hat.

Vom Quadratmeterpreis her möglicherweise sogar die teuerste der Welt. „Ich kenne jedenfalls keine, die teurer ist“, sagt Jertz. Sein Auftraggeber, der private Besitzer der Burg, möchte lieber anonym bleiben. Wand der Könige Kostspielig sind vor allem die natürlichen Farbpigmente. Das echte, aus Lapislazuli gewonnene Ultramarin ist nahezu unbezahlbar:

„Das reine Pigment kommt aus Afghanistan. Ein Kilogramm kostet etwa 15 000 Euro“, sagt Jertz und zeigt ein kleines Döschen mit dem blauen Pulver. Schon vor Tausenden Jahren haben die Ägypter den zermahlenen Halbedelstein verwendet, um die Gräber ihrer Pharaonen damit auszumalen.

Die „Wand der Könige“ hat Jertz deshalb seine Kreation getauft. Etwa zwei Wochen wird es dauern, bis die Wand fertig ist. Die Grundierung hat Jertz am Dienstag aufgetragen, gestern den eigentlichen Putz. Das Werkzeug ist filigran: Mit einer so genannten venezianischen Glättkelle trägt der Malermeister den Putz auf. Sie hat eine relativ kleine Fläche, deshalb kann er damit hohen Druck auf den Putz ausüben. „So wird er sehr glatt und glänzend“, erklärt Jertz. Technik und Rezeptur stammen vom Prinzip her aus Pompeji, wo die reichen Römer ihre Villen und Paläste mit dem marmorähnlichen Putz schmückten.

Ein Drama für die Menschen damals, ein Glücksfall für die Stuckateure von heute: Bei einem Ausbruch des Vesuvs wurde die Stadt im Jahre 79 verschüttet, die Häuser mit dem antiken Wandkunstwerken dabei aber weitgehend konserviert.

Mit feinen Spachteln, Messern und Kratzern arbeitet Jertz in den folgenden Tagen die Blätterornamente ein, die später mit 23,5-karätigem Dukatendoppelgold verziert werden. „Das Vergolden dauert am längsten“, sagt Jertz. Kaum minder luxuriös geriert sich ein zweites Projekt in der Burg, gleich nebenan im rustikalen Rittersaal. Dort beschichtet der 30-Jährige einen Kamin mit purpurrotem Putz.

Die Farbe war von der Antike an Statussymbol für Kaiser, Päpste und Kardinäle. Bis heute ist echter Purpur der teuerste Farbstoff: Ein Gramm reines Pigment kostet mehr als 2000 Euro. „Rund 12 000 Purpurschnecken werden benötigt, um es herzustellen“, sagt Jertz. Auch der Kamin wird mit vergoldeten Ornamenten – in Form eines Lilienkranzes – geschmückt.

Marktführer in Europa

2008 gründete Jertz seine „Wandmanufaktur“ in Waldeck. „Der Markt für das Besondere fehlte einfach“, erklärt der Malermeister, warum er sich auf den exklusiven Marmorputz spezialisiert hat. Kunden, die etwas Individuelles wollten, hätten sich meist auf Standardangebote beschränken müssen, sagt Jertz. In Lehrgängen eignete er sich die antiken Techniken an.

„Man muss sich aber viel selbst erarbeiten und es bedarf viel Fingerspitzengefühl.“ Seitdem gestaltet er Wände in Foyers, Kliniken, Hotels, Einkaufszentren oder Privathäuser. „Wir sind mittlerweile Marktführer in Europa in unserem Bereich“, sagt Jertz.

Fünf Mitarbeiter hat seine Firma heute. Wer denkt, zu Jertz Kunden zählen nur die Gutbetuchten, täuscht sich aber: „Zu 99 Prozent arbeiten wir für den Mittelstand“, sagt der Waldecker. Es geht auch ohne Gold, Lapislazuli und Purpur. Auch das Fernsehen interessiert sich für die „teuerste Wand der Welt“:

Ein Team der Pro-Sieben-Sendung „Galileo“ begleitet die Arbeiten in der Burg. Zu sehen ist der Beitrag voraussichtlich am 21. Oktober.

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