Vortrag über die „Trends“ des Rechtsextremismus und Entwicklungen in der Region

Der Wandel der rechten Szene

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Helge von Horn vom Projekt „Gewalt geht nicht“ zeigte in Korbach die zahlreichen Facetten der „Erlebniswelt Rechtsextremismus“ auf.

Korbach - Wie aktuell das Thema Rechtsextremismus ist, zeigt nicht nur der NSU-Prozess. Dass auch im Landkreis kleine Gruppierungen versuchen, auf sich aufmerksam zu machen, erklärte der Soziologe Helge von Horn.

Das Gesicht des Rechtsextremismus hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Heute sind die Anhänger der Szene oft nur schwer als solche zu erkennen. Das machte der Soziologe Helge von Horn vom Projekt „Gewalt geht nicht“ bei seinem Vortrag gestern im Bürgerhaus deutlich. Für das brisante Thema interessierten sich aber nur 15 Bürger.

Zielgruppe sind Jugendliche

„Heute ist es in der rechten Szene egal, wie du aussiehst. Hauptsache, du gehörst dazu“, erklärte von Horn das veränderte Auftreten. Das sei auch für Lehrer interessant, die oft die Zeichen bei Schülern nicht erkennen würden, mit denen sie ihre Ausrichtung unterstreichen. Bomberjacke, Glatze und Springerstiefel seien heute bei Demonstrationen viel seltener zu sehen. Dagegen würden häufig dunkle Klamotten getragen - abgekupfert von der linken autonomen Bewegung. „Rechte sind beim Outfit oft nur schwer von Linken zu unterscheiden.“

Für Unkundige sind Neonazis also nicht immer sofort als solche erkennbar. Rechte Musikgruppen haben englische Bandnamen, statt der Reichskriegsflagge nutzen viele das unbekanntere Zeichen der „schwarzen Sonne“ als Symbol auf ihrer Kleidung.

„Die rechte Szene gibt sich modern, sieht sich aber in Kontinuität zum Nationalsozialismus - auch wenn sie es nicht sagen“, so von Horn. So hätte auch heute eine Frau mit über 30 Jahren und ohne Kind in einer rechten Gruppierung ein Problem mit dem Ansehen.

Jugendliche sind die Hauptzielgruppe solcher Formationen. Sie werden über Musik und das Internet an die Welt der Rechtsextremen herangeführt. „Musik ist das ideale Mittel, Jugendlichen den Nationalsozialismus näherzubringen, besser als dies in politischen Veranstaltungen gemacht werden kann“, zitierte von Horn den Nazi-Rocker Ian Stuart Donaldson.

Und dass die rechte Szene auch in Waldeck-Frankenberg aktiv ist, verdeutlichte von Horn anhand einiger Beispiele. Gruppierungen wie die „Nationalen Sozialisten Waldeck-Frankenberg“ sind zum Beispiel in Frankenberg mit kleinen Aktionen in Erscheinung getreten - danach aber auch wieder untergetaucht. Das sei typisch für solche Organisationen. Im Internet würden die Aktionen dann verbreitet und für Mitglieder der Szene als Erfolg dargestellt. In der Öffentlichkeit bekomme davon häufig niemand etwas mit.

So ähnlich muss auch der Fall in Korbach vor rund vier Wochen gewesen sein. Eine Gruppe junger Menschen hat nachts ein Banner mit der Aufschrift „Wir sterben aus“ von einem Kaufhaus entrollt - weitestgehend ohne dass dies jemand bemerkt hat. Im Internet gibt es einen Film dazu, der den Erfolg der Aktion zeigen soll. Als Thema hat sich die Gruppierung die Bekämpfung demografisch-struktureller Probleme in Nordhessen auf die Fahne geschrieben - mehr Identität und weniger Migration sollen Lösungsansätze sein. Dass daher Präventionsveranstaltungen auch in Schulen wichtig sind, darüber waren sich die Anwesenden in der Diskussion einig.

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